Monday, August 13, 2007

Mondreise

Der Mond ist auch nur da, weil er nicht weiß wohin. Zieht er halt seine gewohnten Kreise. Traut sich nur noch nachts raus, wenn keiner guckt. Manchmal lugt er sogar nur halb hinter seinem schwarzen Vorhang hervor, da kann man ihm noch so gut zurufen, hat keinen Zweck. Als sei es ihm unangenehm, dass sich jemand um sein Wohl sorgt. Tut er so, als wäre er gern allein. Doch das ist er nicht. Er hätte sicher gerne wieder mehr Gesellschaft, so wie damals, '69, als ihn die Amerikaner besuchten. Da wirkte er viel glücklicher. Auf den Bildern jedenfalls.
Es ist ihm unangenehm, dass er nicht gastfreundlicher sein kann, so ganz ohne Atmosphäre, ohne Wasser und Luft, ohne eigenes Leben. Da kommen Menschen einfach nicht gern zu Besuch. Sonst ist niemand hier, der für ihn da sein kann.


Wenn er gegen 5 dann nach Amerika weiterzieht, dann schaue ich ihm nach und denke während ich langsam einschlafe, dass ich ihn vielleicht nicht mehr wiedersehe. Weil irgendjemand ihn vielleicht doch noch auf die richtige Bahn lenkt, Richtung Jupiter, wo er sich zu 63 Gleichgesinnten gesellt und fortan nicht mehr alleine seine Wellen schlagen muss. Es wäre sogar okay, wenn mich infolgedessen die Nordsee weckt.

Sunday, July 15, 2007

Lebenszeichen

Gib mir ein Lebenszeichen. Ein Signal, ein Blinken auf dem Radar, ein Leuchtfeuer. Ein Wort, eine Antwort.
Im Dunkel segelnd, suche ich das Meer nach Punkten, nach Licht, nach dir ab.

Gib mir ein Lebenszeichen. Ein Herzschlag, ein Echo für das Sonar, ein Ruf, nach Hilfe, nach mir. Doch alles bleibt dunkel und stumm. Nur das Rauschen des Meeres erhebt sich über die Stille, erhebt sich über mich.
Und als mein Schiff versinkt, mitsamt der Hoffnung, dem Glauben, da springe ich über Bord und tauche hinab, bis es nicht mehr weitergeht. Vielleicht hat dich ja ein Wal gefressen.

Tuesday, July 10, 2007

Sperrmülluniversum

Fernseher kaputt. Kein Problem. Komm' ich mit klar. Läuft eh nur Quark. Außerdem besitze ich alles Nötige, um mir einen Neuen zu basteln. Zwei Flaschen Eistee und einen Zollstock!

Hier schaue ich gerade eine Sendung über Biologie [moderiert von (das tut jetzt sogar mir weg) Patrick Linder]:



Wäre natürlich jetzt doof, jedesmal zum Umblä...schalten aufstehen zu müssen. Komfort wird bekanntlich groß geschrieben, nicht zuletzt auch, weil es sich hierbei um ein Nomen handelt. Fernbedienung also. Bidde:



War da gerade Hitler in meinem Biologiebuch? Na ja, ist ja auch alt, der Schmöker.
Weiter im Text. Im Videotext! Wäre natürlich auch nicht verkehrt, klar. Wenn man mal schnell die Uhrzeit braucht oder das Neueste in Sachen Datum, unverzichtbar. Und ich verzichte auf gar nichts!




Und gleich, nach den Prospekten, werde ich mir dann noch ein paar DVDs ansehen. Die Filme kenne ich ja eh, da reicht die Hülle vollkommen aus. Gott, bin ich deprimiert...

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Wednesday, July 04, 2007

Standby me

Du bist immer auf Standby. Niemals an und niemals aus. Dein rotes Licht lässt mich nicht schlafen. Und wenn es ganz still geworden ist, dann höre ich dich leise brummen. Als läge da jemand neben mir und schnarche ganz sanft. Als wäre ich nicht allein.
So starre ich in dein rotes Licht, das wie eine Warnung ist. Ich weiß. Ein falscher Schritt und du erwachst aus deinem Schlaf. Dem leisen Brummen folgten laute Stimmen. Und unerträglicher Krach. Unerträglicher Krach.

Ich liege hier still und warte auf den Morgen, höre dir beim Schlafen zu und suche verborgen, mit den Augen den Boden ab.
Nach deinem Stecker im Kabelsalat.

Sunday, July 01, 2007

Geheimrezept

Wenn man etwas Schatten hinzufügt, sind Plätzchen auch im Sommer noch genießbar.

Tuesday, June 26, 2007

Die Ameise

Du kannst das Siebenfache deines eigenen Gewichtes tragen, habe ich gelesen. Beeindruckend. Du könntest sieben deiner betrunkenen Freunde allein nach Hause tragen, wenn es sowas bei euch überhaupt gibt. Alkohol und Freundschaft. Du könntest auch deine Frau ins Krankenhaus bringen, während sie gerade dabei ist, sechs Kinder zu gebären, die alle schon ausgewachsen sind. Zugegeben, ein sehr hypothetisches Beispiel. Ihr legt ja eh Eier. Gar nicht auszudenken, wie viele du allein davon tragen könntest. Es ist wirklich schier unbegreiflich, wie stark du bist. Und doch, müsstest du auch nur einen Moment lang mein Gewicht tragen, es würde dich einfach zerquetschen.

Tuesday, May 29, 2007

Grundfarben

Für all die guten Tage
zünd' ich eine Kerze an
und sehe wie sie brennt
in blaurotgelb
flackernd im Wind
in blaurotgelb
halt meine Hand hinein
in blaurotgelb
vor meinen Augen
nur blaurotgelb
bis die Flamme erstickt
nur der Schmerz bleibt zurück
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb

Dies ist für die guten Tage
und alles was dazwischen liegt

Tuesday, April 24, 2007

Widerhaken oder wie ich versuchte, einer Biene das Leben zu retten

Als die Biene mich stechen wollte, drohte ich ihr an, sie mit der nächstbesten Zeitung zu erschlagen. Dann stach sie zu und ich merkte, dass Bienen, die im Begriff sind zuzustechen, für derlei Drohungen wenig empfänglich sind.

Wednesday, April 18, 2007

Der Zahn

Ich starre und schaue
sie an doch nicht durch
ein Schleier aus Haaren
und Würde und Furcht
verdeckt nur was längst erahnt
was reißt und beißt und warnt
und doch nur so böse tut

Ich blicke und sehe
sie an und sie weg
als täte es ihr weh
wenn sie sich jetzt regt
doch wie sie dann endlich schaut
und sich das Grinsen traut
da scheint alles wieder gut