Wer den Pfennig nicht ehrt hat man dir gesagt und seit du denken kannst sitzt du da und wirfst Münzen rein und weißt schon gar nicht mehr warum aber hörst nicht mehr auf
kannst nicht mehr aufhören
und willst es auch nicht
willst investieren
weil du denkst
du denkst es käme am Ende was bei rum
nein
das denkst du schon lange nicht mehr
zuviel hast du reingesteckt
doch raus kam nichts
hast ihr geschrieben
umsonst
hast angerufen und Anzeigen gelesen
und andersrum und andersrum
und alles
umsonst
sagst du dir
auch wenn du nicht mehr oft mit dir sprichst
niemand redet mehr mit dir
weil jeder sieht dass du ihn aufgegeben hast
deinen ganz persönlichen Abstiegskampf
und hast es doch geschafft die Klasse zu halten
die neunte dreimal
und jeden Schein tauscht du ein
und jeden Cent steckst du rein
in ein vermeintlich besseres Leben
das sich der Automat längst leisten könnte
dank dir
lacht die Sonne
grinst dir ins Gesicht
jeden Tag jeden Tag jede Nacht
und jetzt sagt er dir tatsächlich
dass du draußen rauchen musst
und da stehst du nun rum
und deine Augen die schmerzen
und deine Zigarette die schmerzt
und dein Kopf und dein Herz
und du hast soviel gegeben
soviel investiert
für ein besseres Leben
das nicht mehr passiert.
Sunday, April 08, 2007
Wednesday, March 21, 2007
Thursday, March 15, 2007
Innerer Dialog
Weißt du, ich habe nachgedacht. Für mich macht das alles keinen Sinn mehr. Ich will die Trennung.
Ich will mich von dir trennen. Ich habe genug von dir. Immer wieder habe ich mich von dir rumkommandieren lassen. Ich habe auf so vieles verzichtet, so viele Entbehrungen wegen dir gehabt...ich kann einfach nicht mehr. Immer hast du mir reingeredet, mir ein- und mir ausgeredet. Aber was ich wollte, was ich will, das war dir zu jeder Zeit völlig gleich. Was mit mir ist und was mit mir wird hat dich doch nie wirklich interessiert...
Ach, hör' doch auf! Mein ganzes Leben habe ich geglaubt, dass ich dich bräuchte, aber das ist nun einfürallemal vorbei. Mein ganzes Leben hast du mich eingeengt, mir meinen freien Willen genommen, meine Gefühle ignoriert und sabotiert. Mein ganzes Leben musste ich nach deinen Wünschen ausrichten. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt bin ich dran. Und du kannst sehen, wo du bleibst.
Sei still! Sei endlich still! Ich kann es nicht mehr hören! Ich bin es so leid, so unendlich leid! Diesmal wickelst du mich nicht wieder um den Finger, diesmal ist es endgültig. Vielleicht brauche ich dich, ja, aber warst du da in den Momenten, in denen ich dich am dringensten gebraucht hätte? Warst du da, als es mir schlecht ging, um mich zu trösten, zu beruhigen? Nein, du, DU hast dich immer nur zu Wort gemeldet, wenn es mir ohne dich langsam besser ging. Du hast mich allein gelassen, nur um mir vor Augen zu führen, wie sehr ich doch von dir abhängig bin. Aber das will ich nicht mehr sein. Das bin ich nicht mehr. Meine und deine Vorstellungen und Wünsche sind mittlerweile so verschieden und unvereinbar geworden, es würde einfach nich mehr funktionieren. Es ist vorbei, kapier' es endlich.
Leb' wohl, Verstand. Leb' wohl.
Du willst was?!
Ich will mich von dir trennen. Ich habe genug von dir. Immer wieder habe ich mich von dir rumkommandieren lassen. Ich habe auf so vieles verzichtet, so viele Entbehrungen wegen dir gehabt...ich kann einfach nicht mehr. Immer hast du mir reingeredet, mir ein- und mir ausgeredet. Aber was ich wollte, was ich will, das war dir zu jeder Zeit völlig gleich. Was mit mir ist und was mit mir wird hat dich doch nie wirklich interessiert...
Jetzt reicht es aber! Du weißt, genau das Gegenteil ist der Fall. Gerade weil mir so viel an dir liegt, habe ich dir so oft meine Meinung gesagt, dich gebeten, manche Dinge lieber zu lassen, auch wenn es schwierig war. Ich will dich doch nur beschützen, auf dich aufpassen, sonst tut es doch keiner. Ich brauche dich doch wie du mich brauchst.
Ach, hör' doch auf! Mein ganzes Leben habe ich geglaubt, dass ich dich bräuchte, aber das ist nun einfürallemal vorbei. Mein ganzes Leben hast du mich eingeengt, mir meinen freien Willen genommen, meine Gefühle ignoriert und sabotiert. Mein ganzes Leben musste ich nach deinen Wünschen ausrichten. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt bin ich dran. Und du kannst sehen, wo du bleibst.
Du und deine Bauchentscheidungen. Am Ende kommst du dann wieder heulend bei mir an, bereust sie bitterlich und machst mir auch noch Vorwürfe, weil ich dich nicht davon abgehalten habe. Ich weiß, ich habe auch viele Fehler gemacht, aber ich habe aus ihnen gelernt. Was bringt es dir denn, mich jetzt zu verlassen, jetzt, wo du mich doch am dringensten zu brauchen scheinst...
Sei still! Sei endlich still! Ich kann es nicht mehr hören! Ich bin es so leid, so unendlich leid! Diesmal wickelst du mich nicht wieder um den Finger, diesmal ist es endgültig. Vielleicht brauche ich dich, ja, aber warst du da in den Momenten, in denen ich dich am dringensten gebraucht hätte? Warst du da, als es mir schlecht ging, um mich zu trösten, zu beruhigen? Nein, du, DU hast dich immer nur zu Wort gemeldet, wenn es mir ohne dich langsam besser ging. Du hast mich allein gelassen, nur um mir vor Augen zu führen, wie sehr ich doch von dir abhängig bin. Aber das will ich nicht mehr sein. Das bin ich nicht mehr. Meine und deine Vorstellungen und Wünsche sind mittlerweile so verschieden und unvereinbar geworden, es würde einfach nich mehr funktionieren. Es ist vorbei, kapier' es endlich.
Aber, aber, du kannst doch nicht einfach...
Leb' wohl, Verstand. Leb' wohl.
Friday, March 09, 2007
Der Affe
Es war furchtbar. Jedes Mal, wenn sie ihn ansprach, da packte ihn ein Juckreiz am Rücken, genau an der Stelle, wo er unmöglich rankam, schon gar nicht, ohne sich mit völlig affigen Verrenkungen zum selbigen zu machen. Und so sah er keine andere Möglichkeit, als das Gespräch zu beenden und so schnell es ging aus ihrem Sichtbereich zu fliehen, um sich endlich kratzen zu können. Und wenn selbst die größten Verrenkungen nichts halfen, dann rieb er sich sogar manchmal an Tür- oder Fensterrahmen, bis das Jucken verschwand.
Dieses Fluchtverhalten führte schließlich dazu, dass sie ihn nicht mehr ansprach, zu verwirrt war sie, zu ablehnend schien er ihr gegenüber zu sein. Sie gab ihn auf, dass spürte er und er war wütend. Auf das Jucken, auf sich selbst. Er fasste sich ein Herz, ging auf sie zu, spürte wie das Kribbeln begann, dann stand er vor ihr und fragte, ob sie ihn kratzen könne. Sie lachte kurz, setze dann aber tatsächlich an und traf direkt den Punkt, der für ihn stets unerreichbar war.
Dieses Fluchtverhalten führte schließlich dazu, dass sie ihn nicht mehr ansprach, zu verwirrt war sie, zu ablehnend schien er ihr gegenüber zu sein. Sie gab ihn auf, dass spürte er und er war wütend. Auf das Jucken, auf sich selbst. Er fasste sich ein Herz, ging auf sie zu, spürte wie das Kribbeln begann, dann stand er vor ihr und fragte, ob sie ihn kratzen könne. Sie lachte kurz, setze dann aber tatsächlich an und traf direkt den Punkt, der für ihn stets unerreichbar war.
Thursday, March 01, 2007
Titten
Ich schreibe kein Gedicht über Blumen
Es reimt sich nichts Gutes drauf
Vielleicht Blumenvolumen
Ich geb's auf
Ich schreibe kein Gedicht über Müsli
Reimt sich ja auch nicht sonderlich gut
Das Müsli von Bruce Lee
Ist das einzige was sich reimen tut
Ich schreibe kein Gedicht über Teppiche
Nach 'nem Reim sucht man da lang
Teppiche stepp' ich äh...
Zeugt nicht gerad' von schönem Klang
Ich schreibe kein Gedicht über Löffel
Kein Wort das sich zu reimen lohnt
Iss mippem Löffel die Kärtöffel
Vielleicht wenn man in Sachsen wohnt
Ich schreibe kein Gedicht über Brüste
Weil ich keinen Reim drauf wüsste
Huch!
Es reimt sich nichts Gutes drauf
Vielleicht Blumenvolumen
Ich geb's auf
Ich schreibe kein Gedicht über Müsli
Reimt sich ja auch nicht sonderlich gut
Das Müsli von Bruce Lee
Ist das einzige was sich reimen tut
Ich schreibe kein Gedicht über Teppiche
Nach 'nem Reim sucht man da lang
Teppiche stepp' ich äh...
Zeugt nicht gerad' von schönem Klang
Ich schreibe kein Gedicht über Löffel
Kein Wort das sich zu reimen lohnt
Iss mippem Löffel die Kärtöffel
Vielleicht wenn man in Sachsen wohnt
Ich schreibe kein Gedicht über Brüste
Weil ich keinen Reim drauf wüsste
Huch!
Wednesday, February 28, 2007
Ein Drehbuch: Tatort
Figuren
Kommissar Pflümli, 54, seit 40 Jahren bei der Mordkommision in Aachen. War einst ein vielversprechendes Schnüffeltalent, zerbrach jedoch an den hohen Erwartungen, die man an ihn stellte. Und an der Tatsache, dass Hunde bessere Nasen haben. Heute starker Trinker und spielt gerne Tischtennis. Vernachlässigt aufgrund dessen oft die Arbeit.
Jungkommissar Dom, 25, frisch von der Polizeischule, voller Elan und Tatendrang, leidet unter der abweisenden Haltung seines Kollegen Pflümli, lässt sich jedoch nichts anmerken. Ist verliebt in die 60 Jahre ältere Pathologin Marzipan. Lässt sich auch diesbezüglich nichts anmerken.
Pathologin Marzipan, sehr alt, hat ein dunkles Geheimnis. Und eine Warze auch. Über der linken Schläfe. War nie verheiratet und gilt als ewige Jungfer, was sie nur noch attraktiver für Jungkommissar Dom erscheinen lässt.
In weiteren Rollen: Toter, Nachbarin, Polizisten etc.
Schauplatz: Aachen
Dedö Dedö Dedöööööööö...damdadadadamdamdadadadam...
Die Folge startet mit einer Kamerafahrt durch eine Mietswohnung in einem Aachener Elendsviertel, endet mit einer Nahaufnahme eines Toten, aus dessen Mund ein Katzenkadaver herauslugt.
Es folgt eine Einstellung, in der mehrere Polizeibeamte Beweismaterial sicherstellen, Jungkommissar Dom ist bereits am Tatort und erläutert dem später eingetroffenen Kommissar Pflümli die Situation.
Dom: ...ist 34 Jahre alt, lebte allein und seine Leiche weist diverse Einschusslöcher in der Brust auf. Doch die eigentlich Todesursache ist wahrscheinlich die tote Katze, mit der das Opfer anscheinend gewaltsam erstickt wurde. Es guckt nur noch der Kopf der Katze aus dem Rachenraum heraus.
Pflümli: Das war kein Unfall, das war Mord!
Dom: ...
Pflümli: Sie brauchen mich gar nicht so ungläubig anzuschauen, Dom. Jemand, mit meiner Berufserfahrung, hat einen Riecher für sowas.
Dom: ...äh...
Pflümli: Dass das jemand, der so frisch in diesem harten Beruf ist wie sie, das nicht auf Anhieb erkennt, wundert mich wenig. Warten wir die Obduktionsergebnisse ab.
Dom: ...ja...gut...ich...ähm...
Pflümli: Sie werden schon sehen, mein junger Kollege, Sie werden schon sehen. Boah, hab ich n Brand. Machma Feierabend, wa?!
Dom: Ähm, Sie sind gerade einmal 5 Minuten im Dienst, Chef. Vielleicht sollten wir noch...
Pflümli: Papperlapapp. Ohne die Obduktionsergebnisse kommen wir hier eh nicht weiter.
Dom: Aber eine Nachbarin hat hier kurz nach der vermutlichen Tatzeit einen Mann aus der Wohnung spazieren sehen. Vielleicht sollten wir ihr noch ein paar Fragen st...
Pflümli: Sprech ich schinesisch oder was? Ob-duk-tions-er-gebnisse! Ich bin dann mal weg. Tschö.
Szenenwechsel; Pathologie
Pflümli: Was riechten hier so nach Kacke?
Marzipan: Der Darm des Leichnams wurde gerade geleert.
Pflümli: Neee, ne?
Marzipan: Doch.
Pflümli: Eeeeeeeeeeeeeeeeh!
Dom: Vielleicht könnten Sie uns erstmal die Obduktonsergebnisse mitteilen, Frau Marzipan.
Marzipan: Was?
Dom: Die Obduktionsergebnisse.
Marzipan: Wie bitte?
Pflümli: Die Alde hört nicht mehr so gut, Dom. Sie müssen schon etwas lauter mit ihr reden.
Dom: KÖNNEN SIE UNS DIE OBDUKTINSERGEBNISSE MITTEILEN?
Marzipan: Ja, klar.
Dom:...
Marzipan: Ach, jetzt?
Dom: Ja, bitte.
Marzipan: Was?
Dom: BITTÄÄ!
Marzipan: Ja, wat soll man sagen. Tot isser auf jeden Fall. Viele Einschusslöcher. Wahrscheinlich von ner Pistole. Und da war ne tote Katze in seinem Hals.
Pflümli: Vielen Dank, das bringt uns weiter.
Dom: Aber das wussten wir doch bereits alles...
Pflümli: Kein Respekt mehr vor dem Alter, was? Sie kotzen mich an, Dom.
Dom: Aber...
Pflümli: Ich mach Feierabend. Tschö.
Dom: Aber...
Szenenwechsel; Mietshaus, Wohnung der Nachbarin des Toten
Dom: Sie sind Frau X!dbele?
Nachbarin: Klickklackja.
Dom: Sie kommen aus Afrika, richtig?
Nachbarin: Klickklackklickklack.
Dom: Ähm...gut, lassen wir das. Sie haben angegeben, einen Mann kurz nach der vermutlichen Tatzeit aus der Wohnung des Verstorbenen gehen gesehen zu haben. Ist das korrekt?
Nachbarin: Klickklickklacktucktuck.
Dom: Sie sprechen doch auch unsere Sprache, oder Frau...Frau?
Nachbarin: Klaro. Ich hatte nur so Hühnchen zwischen den Zähnen, das ich mit der Zunge rauspulen wollte.
Dom: Oh...
Pflümli: Sie haben aber hier niedliche, kleine Kätzchen. Muschimuschimuschi...ja komma her...muschimuschimuschi...
Dom: Äh...also, stimmt das, haben Sie jemanden aus der Wohnung gehen sehen?
Pflümli: KOMMA HER HAB ICH GESAGT, DU MISTVIEH! ICH HASSE KATZEN! ICH HASSE SIE!!!
Dom: Moment, Katzen...das erinnert mich an was.
Pflümli: Ich hatte schon lange keine Muschi mehr...
Dom: Meine isst gerne Fuchs und lauert immer vor nem Fuchsbau. Hält sich wohl für nen Dackel, hihi. Aber es gibt ja jetzt Fuchssheba, wussten Sie das, Frau...Nachbarin?
Nachbarin: Nö.
Pflümli: ...so lange keine Muschi...
Dom: Ja, wie dem auch sei, vielen Dank erstmal für Ihre Mithilfe. Wenn Ihnen noch was einfallen sollte, unter dieser Nummer können Sie uns erreichen.
Nachbarin: Klickklack.
Dom: Zähes Hühnchen, was?
Pflümli: KOMMA HER JETZT MAAAAN!
Dom: Ach, eine Frage hätte ich doch noch, wenn Sie erlauben: Haben Sie Thomas Sowas (Name des Opfers) umgebracht?
Pflümli: Wat soll dat denn jetzt? Zuviel Columbo geschaut, was?
Nachbarin: Iiiiiiiiich?! Wie kommen Sie denn darauf?
Dom: Ich dachte nur. Die Katzen, die Pistole da auf dem Tisch, die zufällig das gleiche Kaliber hat wie die, die die Einschüsse im Oberkörper des Opfers verursacht hat. Habe ich gerade dreimal "die" hintereinander gesagt?
Nachbarin: Ja.
Dom: Sie geben es also zu?
Nachbarin: Was?
Dom: Na sie sagten doch ja. So ein ja, wie in "ja, ich war's".
Nachbarin: Ich meinte das mit dem die.
Pflümli: Der Tanzonkel außem Fernsehen?
Dom: Was gucken Sie sich denn fürn Scheiß an?
Pflümli: Fresse! Wir haben ein Geständnis. Führen Sie die Täterin ab.
Nachbarin: Aber...aber ich...
Pflümli: Jaja, erzählen Sie das Ihrem Anwalt. Und jetzt Abmarsch.
Dom führt die vermeintliche Täterin aufgrund der erdrückenden Beweislast und des eindeutigen Geständnisses ab. Pflümli verweilt noch kurz in der Wohnung, schaut sich um, nimmt dann seine Pistole vom Tisch und macht Feierabend. Es findet noch zwischen den Geschehnissen eine kurze Liason zwischen Jungkommissar Dom und der Pathologin Marzipan statt, bei der man auch Hinweise auf ihr dunkles Geheimnis erhält. Kennedy-Attentäterin war sie wohl. Weil Sie mal nen Präsidenten obdukzieren wollte. Sie hat dabei auch falsche Ergebnisse präsentiert, um nicht selbst in Verdacht zu geraten. Das findet Dom jetzt nicht mehr so geil und macht Schluss. Die Alte stalkt aber nun total rum und will ihn mit Pflümli eifersüchtig machen, kommt aber nach einem Schlaganfall ins Heim und gut is'. Dedö Dedö Dedöööööööööööö...
Tuesday, February 27, 2007
Wednesday, February 21, 2007
Das Familiengericht
Richterin: ...verhandelt wird nun die Strafsache Christus gegen von Nazareth. Ich bitte den Herrn Staatsanwalt einmal die Anklageschrift zu verlesen.
Staatsanwalt: Hohes Gericht, Frau Verteidigerin. Dem Angeklagten Josef von Nazareth wird vorgeworfen, seit der Geburt seines Sohnes Jesus Christus, geborener von Nazareth, Unterhaltszahlungen in Höhe von insgesamt 200 der hier örtlichen Währung, wahrscheinlich Gold oder Salbei, nicht geleistet zu haben. Diese ausstehende Summe, die meinem Mandanten rechtmäßig zusteht, möchte er hier nun einklagen.
Richterin: Vielen Dank, Herr Staatsanwalt. Möchte der Angeklagte Angaben zu diesen Vorwürfen machen?
Verteidigerin: Ja, das möchte er.
Richterin: Gut. Dann bitte, Herr von Nazareth.
Josef: Diese Vorwürfe sind völlig lächerlich. Ja, gut, ich habe keinen Unterhalt gezahlt, aber doch auch nur, weil das überhaupt nicht mein Sohn ist. Wissen Sie, damals, meine Frau und ich, wir hatten gerade eine schwere Krise, es lief alles nicht so besonders gut für uns, auch wirtschaftlich, und dann sah ich sie eines Tages mit einem fremden Mann im Bett...
Jesus: Wie kannst du so über meine geliebte Mutter reden?! Du mieses Schwein! Du elender Lügner...
Josef: Ach, was weißt du schon? Du hast doch keine Ahnung, wie das damals war. Deine Mutter war nie zufrieden. Ich habe ihr immer gesagt, ein Zimmermann verdiene halt nicht so viel, aber sie war immer der Meinung, ich müsse dann halt mehr arbeiten, um diesen Missstand auszugleichen. Und was tat sie, während ich mir den Buckel krumschufftete? Vergnügte sich im Stroh mit wildfremden Kerlen!
Staatsanwalt: Das ist ja ungeheuerlich. Haben Sie überhaupt Beweise, die Ihre Aussagen hier untermauern?
Josef: Nein, wie sollte ich auch? Der Fotoapparat war ja noch nicht erfunden und um die Szenerie abzumalen fehlte mir sowohl die Zeit als auch das technische Know-How.
Staatsanwalt: Wohl ein ganz Witziger, wie?
Richterin: Nun, das sind ja doch sehr schwere Vorwürfe, die Sie hier gegen Ihre Ex-Frau erheben. Wenn keine weiteren Fragen an den Angeklagten bestehen, würde ich gerne die Zeugin Jungfrau Maria von Nazareth in den Zeugenstand rufen. Keine weiteren Fragen? Gut, der Angeklagte bleibt zunächst unvereidigt und ich bitte Jungfrau Maria von Nazareth in den Zeugenstand.
...
So, zunächst Ihre Personalien: Ihr Name ist Jungfrau Maria von Nazareth, geborene Müller, Sie sind 54 Jahre alt, wohnhaft in Bethlehem, von Beruf Hausfrau und mit dem Angeklagten sind Sie...waren Sie verwand oder verschwägert, ist das richtig?
Maria: Ja, ich war mal mit diesem Mann verheiratet. Zum Glück ist das vorbei.
Richterin: Gut, dann muss ich Sie noch belehren: Sie müssen vor Gericht die Wahrheit sagen, tun Sie dies nicht, machen Sie sich strafbar, auch wenn Sie nicht vereidigt werden sollten. Sie müssen jedoch nicht aussagen, wenn Sie sich möglicherweise damit selbst belasten würden. Möchten Sie aussagen?
Maria: Natürlich möchte ich das.
Richterin: Nun gut. Sie haben die Vorwürfe Ihres Ex-Mannes gehört, nehme ich an. Was sagen Sie dazu?
Maria: Absoluter Humbug. Ich habe nie mit einem anderen Mann geschlafen. Jesus kann nur von ihm sein. Aber er konnte dem Kind nie die väterliche Liebe geben, die es gebraucht und verdient gehabt hätte.
Verteidigerin: Dann möchte ich Sie mal etwas fragen, Frau von Nazareth: wie oft hatten Sie Geschlechtsverkehr mit meinem Mandanten? Schätzen Sie einfach, wenn Sie die genaue Zahl nicht wissen.
Staatsanwalt: Also was ist denn das bitte für eine dämliche Frage? Die tut doch hier nun wirklich gar nichts zur Sache.
Richterin: Nun, ich will wissen, worauf die Verteidigung hinauswill. Bitte beantworten Sie die Frage.
Maria: Ich...ich weiß nicht...vielleicht...also...
Verteidigerin: Na, wie oft? Zehn Mal? Fünfzig Mal? Hundern Mal? Sie waren doch vier Jahre verheiratet, nicht? Also, wie oft hatten sie in der Zeit Sex?
Maria: Vielleicht fünf-sechs Mal, ich weiß es nicht.
Verteidigerin: Oh, das ist aber nicht gerade oft, was? Da kann ich schon verstehen, warum man Sie Jungfrau nennt...
Staatsanwalt: Also jetzt werden Sie aber völlig unsachlich, Frau Verteidigerin. Ich beantrage die Frage aus dem Protokoll zu streichen.
Verteidigerin: Moment noch, bitte. Ich hätte da schon noch eine Nachfrage: Was genau verstehen Sie unter Sex?
Staatsanwalt: Jetzt hört's aber endgültig auf...
Verteidigerin: Ich frage das nicht ohne Grund. Ich habe hier ein Attest vorliegen, welches bescheinigt, dass mein Mandant, nun, sagen wir eingeschränkt in seiner sexuellen Leistungsfähigkeit ist.
Richterin: Was genau bedeutet eingeschränkt in diesem Falle?
Verteidigerin: Mein Mandant kann seit seiner Pubertät keine Erektion bekommen.
Richterin: Boah, übel, das. Also...
Jesus: Welchen Scharlatan hast du dir da gekauft, der dir solch einen Blödsinn unterzeichnet? Das ist doch alles Lüge! LÜGE! Dafür schmorst du in der Hölle!
Richterin: Beruhigen Sie sich und mäßigen Sie ihren Ton, sonst muss ich ein Ordnungsentgeld in Höhe von 10 ähm...Talern oder sowas verhängen.
Jesus: Aber Frau Richterin, sehen Sie denn nicht, dass der sich hier mit unlauteren Mitteln vor seiner Unterhaltspflicht drücken will? Dieser miese Schuft soll endlich zu mir stehen!
Richterin: Ob das wahr ist, was der Angeklagte hier zu beweisen versucht, wird sich hoffentlich im Laufe der Verhandlung herausstellen. Wenn keine weiteren Fragen an die Zeugin bestehen, würde ich sie gerne entlassen. Keine weiteren Fragen? Gut.
Verteidigerin: Ich würde gern einen weiteren Zeugen in den Zeugenstand rufen, euer Ehren.
Staatsanwalt: Jetzt kommt wieder die berühmte Überraschungszeugentaktik, was Kollegin? Wie oft wollen Sie das denn noch machen? In jeder Verhandlung dasselbe.
Verteidigerin: Nun, ich denke, der Zeuge könnte erheblichen dazu beitragen, diesen Fall aufzuklären.
Richterin: Nun gut, wie heißt der werte Herr denn?
Verteidigerin: Darth Vader!
Richterin: Der ist wohl nicht von hier, was? Dann rufe ich Herrn Darth Vader in den Zeugenstand.
Staatsanwalt: Hohes Gericht, Frau Verteidigerin. Dem Angeklagten Josef von Nazareth wird vorgeworfen, seit der Geburt seines Sohnes Jesus Christus, geborener von Nazareth, Unterhaltszahlungen in Höhe von insgesamt 200 der hier örtlichen Währung, wahrscheinlich Gold oder Salbei, nicht geleistet zu haben. Diese ausstehende Summe, die meinem Mandanten rechtmäßig zusteht, möchte er hier nun einklagen.
Richterin: Vielen Dank, Herr Staatsanwalt. Möchte der Angeklagte Angaben zu diesen Vorwürfen machen?
Verteidigerin: Ja, das möchte er.
Richterin: Gut. Dann bitte, Herr von Nazareth.
Josef: Diese Vorwürfe sind völlig lächerlich. Ja, gut, ich habe keinen Unterhalt gezahlt, aber doch auch nur, weil das überhaupt nicht mein Sohn ist. Wissen Sie, damals, meine Frau und ich, wir hatten gerade eine schwere Krise, es lief alles nicht so besonders gut für uns, auch wirtschaftlich, und dann sah ich sie eines Tages mit einem fremden Mann im Bett...
Jesus: Wie kannst du so über meine geliebte Mutter reden?! Du mieses Schwein! Du elender Lügner...
Josef: Ach, was weißt du schon? Du hast doch keine Ahnung, wie das damals war. Deine Mutter war nie zufrieden. Ich habe ihr immer gesagt, ein Zimmermann verdiene halt nicht so viel, aber sie war immer der Meinung, ich müsse dann halt mehr arbeiten, um diesen Missstand auszugleichen. Und was tat sie, während ich mir den Buckel krumschufftete? Vergnügte sich im Stroh mit wildfremden Kerlen!
Staatsanwalt: Das ist ja ungeheuerlich. Haben Sie überhaupt Beweise, die Ihre Aussagen hier untermauern?
Josef: Nein, wie sollte ich auch? Der Fotoapparat war ja noch nicht erfunden und um die Szenerie abzumalen fehlte mir sowohl die Zeit als auch das technische Know-How.
Staatsanwalt: Wohl ein ganz Witziger, wie?
Richterin: Nun, das sind ja doch sehr schwere Vorwürfe, die Sie hier gegen Ihre Ex-Frau erheben. Wenn keine weiteren Fragen an den Angeklagten bestehen, würde ich gerne die Zeugin Jungfrau Maria von Nazareth in den Zeugenstand rufen. Keine weiteren Fragen? Gut, der Angeklagte bleibt zunächst unvereidigt und ich bitte Jungfrau Maria von Nazareth in den Zeugenstand.
...
So, zunächst Ihre Personalien: Ihr Name ist Jungfrau Maria von Nazareth, geborene Müller, Sie sind 54 Jahre alt, wohnhaft in Bethlehem, von Beruf Hausfrau und mit dem Angeklagten sind Sie...waren Sie verwand oder verschwägert, ist das richtig?
Maria: Ja, ich war mal mit diesem Mann verheiratet. Zum Glück ist das vorbei.
Richterin: Gut, dann muss ich Sie noch belehren: Sie müssen vor Gericht die Wahrheit sagen, tun Sie dies nicht, machen Sie sich strafbar, auch wenn Sie nicht vereidigt werden sollten. Sie müssen jedoch nicht aussagen, wenn Sie sich möglicherweise damit selbst belasten würden. Möchten Sie aussagen?
Maria: Natürlich möchte ich das.
Richterin: Nun gut. Sie haben die Vorwürfe Ihres Ex-Mannes gehört, nehme ich an. Was sagen Sie dazu?
Maria: Absoluter Humbug. Ich habe nie mit einem anderen Mann geschlafen. Jesus kann nur von ihm sein. Aber er konnte dem Kind nie die väterliche Liebe geben, die es gebraucht und verdient gehabt hätte.
Verteidigerin: Dann möchte ich Sie mal etwas fragen, Frau von Nazareth: wie oft hatten Sie Geschlechtsverkehr mit meinem Mandanten? Schätzen Sie einfach, wenn Sie die genaue Zahl nicht wissen.
Staatsanwalt: Also was ist denn das bitte für eine dämliche Frage? Die tut doch hier nun wirklich gar nichts zur Sache.
Richterin: Nun, ich will wissen, worauf die Verteidigung hinauswill. Bitte beantworten Sie die Frage.
Maria: Ich...ich weiß nicht...vielleicht...also...
Verteidigerin: Na, wie oft? Zehn Mal? Fünfzig Mal? Hundern Mal? Sie waren doch vier Jahre verheiratet, nicht? Also, wie oft hatten sie in der Zeit Sex?
Maria: Vielleicht fünf-sechs Mal, ich weiß es nicht.
Verteidigerin: Oh, das ist aber nicht gerade oft, was? Da kann ich schon verstehen, warum man Sie Jungfrau nennt...
Staatsanwalt: Also jetzt werden Sie aber völlig unsachlich, Frau Verteidigerin. Ich beantrage die Frage aus dem Protokoll zu streichen.
Verteidigerin: Moment noch, bitte. Ich hätte da schon noch eine Nachfrage: Was genau verstehen Sie unter Sex?
Staatsanwalt: Jetzt hört's aber endgültig auf...
Verteidigerin: Ich frage das nicht ohne Grund. Ich habe hier ein Attest vorliegen, welches bescheinigt, dass mein Mandant, nun, sagen wir eingeschränkt in seiner sexuellen Leistungsfähigkeit ist.
Richterin: Was genau bedeutet eingeschränkt in diesem Falle?
Verteidigerin: Mein Mandant kann seit seiner Pubertät keine Erektion bekommen.
Richterin: Boah, übel, das. Also...
Jesus: Welchen Scharlatan hast du dir da gekauft, der dir solch einen Blödsinn unterzeichnet? Das ist doch alles Lüge! LÜGE! Dafür schmorst du in der Hölle!
Richterin: Beruhigen Sie sich und mäßigen Sie ihren Ton, sonst muss ich ein Ordnungsentgeld in Höhe von 10 ähm...Talern oder sowas verhängen.
Jesus: Aber Frau Richterin, sehen Sie denn nicht, dass der sich hier mit unlauteren Mitteln vor seiner Unterhaltspflicht drücken will? Dieser miese Schuft soll endlich zu mir stehen!
Richterin: Ob das wahr ist, was der Angeklagte hier zu beweisen versucht, wird sich hoffentlich im Laufe der Verhandlung herausstellen. Wenn keine weiteren Fragen an die Zeugin bestehen, würde ich sie gerne entlassen. Keine weiteren Fragen? Gut.
Verteidigerin: Ich würde gern einen weiteren Zeugen in den Zeugenstand rufen, euer Ehren.
Staatsanwalt: Jetzt kommt wieder die berühmte Überraschungszeugentaktik, was Kollegin? Wie oft wollen Sie das denn noch machen? In jeder Verhandlung dasselbe.
Verteidigerin: Nun, ich denke, der Zeuge könnte erheblichen dazu beitragen, diesen Fall aufzuklären.
Richterin: Nun gut, wie heißt der werte Herr denn?
Verteidigerin: Darth Vader!
Richterin: Der ist wohl nicht von hier, was? Dann rufe ich Herrn Darth Vader in den Zeugenstand.
Ein Lautenspieler spielt beim Eintreten eine pompöse Melodie.
Richterin: Ruhe im Gerichtssaal!!!
So, zunächst mal zu Ihren Personalien: Ihr Name ist also Darth Vader, richtig?
Darth Vader: Korrekt. Geborener Skywalker.
Richterin: Sie atmen so schwer, ist alles in Ordnung?
Darth Vader: Ich bin starker Raucher. Mein Hausarzt mein, dies sei eine Begleiterscheinung.
Richterin: Wie dem auch sei. Sie sind wie alt?
Darth Vader: 156 Jahre.
Richterin: Okay, dann nehme ich mal die Belehrung vorweg. Sie müssen vor Gericht die Wahrheit sagen. Bei Falschaussage machen Sie sich auch im unvereidigten Zustand strafbar und müssen mit einer Haftstrafe rechnen. Also, wie alt sind Sie?
Darth Vader: 56.
Richterin: Geht doch. Zur Zeit wohnhaft in...?
Darth Vader: Tatooine.
Richterin: Nie gehört. Das ist wohl hinter dem Jordan, was? Was machen Sie zur Zeit beruflich?
Darth Vader: Ich bin Betreiber eines Schreibwarenladens. Die Geschäfte laufen nicht so gut, da kaum jemand schreiben ka...
Richterin: Jaja, schon gut. Mit dem Angeklagten sind Sie weder verwand noch verschwägert?
Darth Vader: Zum Glück nicht.
Richterin: Schön, dann würde ich gern wissen, was Sie zu diesem Fall beitragen können.
Darth Vader: Jesus, ich bin dein Vater.
Jesus: Was?
Darth Vader: Dein Vater, du bist mein Sohn, Jesus.
Jesus: Wie lächerlich ist das bitte? Mein Vater sitzt da drüben.
Richterin: Ich würde jetzt langsam auch gern mal wissen, was das soll.
Darth Vader: Es war so: Ich lernte Maria vor 33 Jahren auf dem Frühjahrsfest zu Bethlehem kennen. Die Alte war echt hackenstramm, total dicht. Und als ich erfuhr, dass sie noch Jungfrau sei, da habe ich mich an sie rangemacht. Sie war direkt angetan von meiner Uniform, sie stand auf Uniformen, und so landeten wir ziemlich bald im Stroh.
Jesus: Alles Lüge! LÜGE!
Richterin: Mäßgen Sie sich! Ich ermahne Sie kein weiteres Mal!
Jesus: Sind denn hier alle dumm, oder was? Hallo, der Typ da ist doch nie und nimmer mein Vater. Was ist das überhaupt für eine lächerliche Uniform? Was wird hier überhaupt gespielt?
Darth Vader: Zügel dich, junger Skywalker!
Jesus: Was? Junger wer? Ich glaub, ich spinne! Was ist denn das überhaupt für ein Zeuge? Mutter, sag denen doch, dass du diesen Freak hier nicht kennst!
Maria: Ich...ich...
Jesus: Mutter!
Maria: Ich...war betrunken, Junge. Ich kann mich nicht genau erinnern...
Jesus: MUTTER!
Maria: Es...es tut mir leid...ich weiß gar nichst mehr...
Jesus: Das ist doch eine reine Farce! Was für ein Scheiß ist das hier?! Der Honk da ist doch niemals mein Vader...Vater! Hallo? Ich mache Wasser zu Wein, kann der das?! Ich gebe Blinden das Augenlicht zurück, kann der das etwa auch?! Ich glaube kaum! Der Mann da ist nicht mein Vater! Der kann gar nicht mein Vater sein!
Verteidigerin: Na, das ist ja interessant. Mein Mandant kann meines Wissens auch kein Wein aus Wasser zaubern oder gar Blinde sehen machen. Nach Ihrer Logik kommt er also auch nicht als Ihr Vater in Frage.
Jesus: Josef ist mein Vater! Gott ist mein Zeuge!
Richterin: Na, dann rufen wir ihn doch direkt mal in den Zeugenstand...
Jesus: Aaaaargh! Sind denn hier alle total verblödet?!
Richterin: So, mir reicht es jetzt. Ich habe Sie gewarnt. Ich verhänge ein Ordnungsgeld in Höhe von, was weiß ich, 3 Kamelen oder ersatzweise auch eine Kreuzigung.
Jesus: Ja, schön, kreuzigt mich doch für meine Überzeugung. Das ist doch einfach lächlich, ich fass es nicht...
Josef: Jetzt spiele doch hier nicht wieder den Märtyrer, Jesus. Du weißt, ich habe dich stets behandelt wie mein eigen Fleisch und Blut, aber ich habe nie mit deiner Mutter geschlafen. Ich kann nicht dein Vater sein.
Jesus: Schonmal was von unbefleckter Empfängnis gehört? Nein? Kann man wohl auch nicht erwarten, von so nem einfachen Zimmermann...
Josef: Wie redest du mit deinem V...ich meine...deinem Stiefvater?!
Richterin: Ganz schön chaotische Familienverhältnisse, muss man sagen. Was diese unbefleckte Empfängnis sein soll, müssen Sie mir aber auch nochmal genauer erklären.
Jesus: Meine Mutter ist Jungfrau, ja. Sie hat mich geboren, weil ich Gottes Sohn bin. Gott ist mein Erzeuger! Ich bin hier, um seine Botschaft zu verkünden. Damit ich das kann, brauche ich nunmal das nötige Kleingeld und den lieben Herrgott kann ich wohl kaum auf Unterhalt verklagen, das verstehen Sie doch sicher.
Richterin: Ja, ich verstehe durchaus. Sie versuchen hier einen eh schon armen Mann für Ihre Zwecke auszunehmen, schreien im Gerichtssaal rum, beleidigen das Gericht und bringen Schande über ihre Familie. Schonmal von den 10 Geboten gehört? Vater und Mutter ehren und so, nein? Na, vielleicht sind die ja auch noch gar nicht verlesen, keine Ahnung. Die Opposition macht das Durchbringen neuer Gesetze immer so schwer. Jedenfalls habe ich denke ich genug gehört, um mich zur Urteilsfindung zurückzuziehen. Der Zeuge Vader ist, wenn keine weiteren Fragen bestehen, wovon ich ausgehe, entlassen und bleibt unvereidigt.
Darth Vader: Möge die Macht mit Ihnen sein...
Richterin: Ja, wird sie schon...
Zur Urteilsbegründung: Es hat sich zweifelsfrei herausgestellt, dass...Rechtsmittelverzicht...etc...Vehandlung ist geschlossen, tschö.
So, zunächst mal zu Ihren Personalien: Ihr Name ist also Darth Vader, richtig?
Darth Vader: Korrekt. Geborener Skywalker.
Richterin: Sie atmen so schwer, ist alles in Ordnung?
Darth Vader: Ich bin starker Raucher. Mein Hausarzt mein, dies sei eine Begleiterscheinung.
Richterin: Wie dem auch sei. Sie sind wie alt?
Darth Vader: 156 Jahre.
Richterin: Okay, dann nehme ich mal die Belehrung vorweg. Sie müssen vor Gericht die Wahrheit sagen. Bei Falschaussage machen Sie sich auch im unvereidigten Zustand strafbar und müssen mit einer Haftstrafe rechnen. Also, wie alt sind Sie?
Darth Vader: 56.
Richterin: Geht doch. Zur Zeit wohnhaft in...?
Darth Vader: Tatooine.
Richterin: Nie gehört. Das ist wohl hinter dem Jordan, was? Was machen Sie zur Zeit beruflich?
Darth Vader: Ich bin Betreiber eines Schreibwarenladens. Die Geschäfte laufen nicht so gut, da kaum jemand schreiben ka...
Richterin: Jaja, schon gut. Mit dem Angeklagten sind Sie weder verwand noch verschwägert?
Darth Vader: Zum Glück nicht.
Richterin: Schön, dann würde ich gern wissen, was Sie zu diesem Fall beitragen können.
Darth Vader: Jesus, ich bin dein Vater.
Jesus: Was?
Darth Vader: Dein Vater, du bist mein Sohn, Jesus.
Jesus: Wie lächerlich ist das bitte? Mein Vater sitzt da drüben.
Richterin: Ich würde jetzt langsam auch gern mal wissen, was das soll.
Darth Vader: Es war so: Ich lernte Maria vor 33 Jahren auf dem Frühjahrsfest zu Bethlehem kennen. Die Alte war echt hackenstramm, total dicht. Und als ich erfuhr, dass sie noch Jungfrau sei, da habe ich mich an sie rangemacht. Sie war direkt angetan von meiner Uniform, sie stand auf Uniformen, und so landeten wir ziemlich bald im Stroh.
Jesus: Alles Lüge! LÜGE!
Richterin: Mäßgen Sie sich! Ich ermahne Sie kein weiteres Mal!
Jesus: Sind denn hier alle dumm, oder was? Hallo, der Typ da ist doch nie und nimmer mein Vater. Was ist das überhaupt für eine lächerliche Uniform? Was wird hier überhaupt gespielt?
Darth Vader: Zügel dich, junger Skywalker!
Jesus: Was? Junger wer? Ich glaub, ich spinne! Was ist denn das überhaupt für ein Zeuge? Mutter, sag denen doch, dass du diesen Freak hier nicht kennst!
Maria: Ich...ich...
Jesus: Mutter!
Maria: Ich...war betrunken, Junge. Ich kann mich nicht genau erinnern...
Jesus: MUTTER!
Maria: Es...es tut mir leid...ich weiß gar nichst mehr...
Jesus: Das ist doch eine reine Farce! Was für ein Scheiß ist das hier?! Der Honk da ist doch niemals mein Vader...Vater! Hallo? Ich mache Wasser zu Wein, kann der das?! Ich gebe Blinden das Augenlicht zurück, kann der das etwa auch?! Ich glaube kaum! Der Mann da ist nicht mein Vater! Der kann gar nicht mein Vater sein!
Verteidigerin: Na, das ist ja interessant. Mein Mandant kann meines Wissens auch kein Wein aus Wasser zaubern oder gar Blinde sehen machen. Nach Ihrer Logik kommt er also auch nicht als Ihr Vater in Frage.
Jesus: Josef ist mein Vater! Gott ist mein Zeuge!
Richterin: Na, dann rufen wir ihn doch direkt mal in den Zeugenstand...
Jesus: Aaaaargh! Sind denn hier alle total verblödet?!
Richterin: So, mir reicht es jetzt. Ich habe Sie gewarnt. Ich verhänge ein Ordnungsgeld in Höhe von, was weiß ich, 3 Kamelen oder ersatzweise auch eine Kreuzigung.
Jesus: Ja, schön, kreuzigt mich doch für meine Überzeugung. Das ist doch einfach lächlich, ich fass es nicht...
Josef: Jetzt spiele doch hier nicht wieder den Märtyrer, Jesus. Du weißt, ich habe dich stets behandelt wie mein eigen Fleisch und Blut, aber ich habe nie mit deiner Mutter geschlafen. Ich kann nicht dein Vater sein.
Jesus: Schonmal was von unbefleckter Empfängnis gehört? Nein? Kann man wohl auch nicht erwarten, von so nem einfachen Zimmermann...
Josef: Wie redest du mit deinem V...ich meine...deinem Stiefvater?!
Richterin: Ganz schön chaotische Familienverhältnisse, muss man sagen. Was diese unbefleckte Empfängnis sein soll, müssen Sie mir aber auch nochmal genauer erklären.
Jesus: Meine Mutter ist Jungfrau, ja. Sie hat mich geboren, weil ich Gottes Sohn bin. Gott ist mein Erzeuger! Ich bin hier, um seine Botschaft zu verkünden. Damit ich das kann, brauche ich nunmal das nötige Kleingeld und den lieben Herrgott kann ich wohl kaum auf Unterhalt verklagen, das verstehen Sie doch sicher.
Richterin: Ja, ich verstehe durchaus. Sie versuchen hier einen eh schon armen Mann für Ihre Zwecke auszunehmen, schreien im Gerichtssaal rum, beleidigen das Gericht und bringen Schande über ihre Familie. Schonmal von den 10 Geboten gehört? Vater und Mutter ehren und so, nein? Na, vielleicht sind die ja auch noch gar nicht verlesen, keine Ahnung. Die Opposition macht das Durchbringen neuer Gesetze immer so schwer. Jedenfalls habe ich denke ich genug gehört, um mich zur Urteilsfindung zurückzuziehen. Der Zeuge Vader ist, wenn keine weiteren Fragen bestehen, wovon ich ausgehe, entlassen und bleibt unvereidigt.
Darth Vader: Möge die Macht mit Ihnen sein...
Richterin: Ja, wird sie schon...
Pause.
Richterin: Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Der Angeklagte wird in allen Anklagepunkten freigesprochen. Die Verhandlungskosten gehen zu Lasten des Klägers.Zur Urteilsbegründung: Es hat sich zweifelsfrei herausgestellt, dass...Rechtsmittelverzicht...etc...Vehandlung ist geschlossen, tschö.
Jesus Christus konnte weder die 3 Kamele noch...die...Münzen...oder so für die Gerichtsverhandlung aufbringen und fand kurz darauf den Tod am Kreuze.
Tuesday, February 20, 2007
iRAK
Die Lösung des Irak-Konflikts liegt doch auf der Hand.
Bei mir ist es gerade ein Lakritz-Batzen.
Bei mir ist es gerade ein Lakritz-Batzen.
Monday, February 19, 2007
Achtundvierzigstundensonntag
Montag, habe ich gesagt, heute nicht. Er drehte sich knurrend um und schlief ein. Noch eine Woche länger lässt er sich sicher nicht vertrösten.
Tuesday, February 06, 2007
Ampelkoalition
Etwas ganz schreckliches ist passiert!
Wie, was denn?
Ich ging heute morgen durch den Park, da fiel es mir zuerst auf. Die Wiese, die Bäume, ich rannte nach Hause, der Kaktus...er ist einfach weg.
Da steht er doch. Auf der Fensterbank.
Doch nicht der Kaktus. Ich meine diesen ganz speziellen Grünton. Dieses ganz spezielle Grün ist einfach verschwunden, nicht mehr da, ich kann es nicht mehr sehen, es ist ganz komisch.
Was? Der Kaktus ist doch grün. Wieso sollte denn Grün weg sein? Da ist es doch. Und über die Ampeln bin ich heute sicher auch nicht bei Rot gefahren.
Nein, du verstehst nicht, es war nicht irgendein grün, es war eine ganz spezielle Schattierung von Grün, eine ganz, ganz feine Schattierung, und die ist einfach weg. Überall wo ich sie sah, weg. Einfach so. Von heute auf morgen. Ich verstehe das nicht...
Was redest du denn da für einen Blödsinn? Eine Farbe verschwindet doch nicht so einfach. Wie soll denn das gehen? Und selbst wenn, es gibt wasweißich wie viele Millionen verschiedender Farben, da kommt es auf eine mehr oder weniger auch nicht an.
Aber es war meine Lieblingsfarbe. Du verstehst das nicht, ich...
Richtig, ich verstehe das nicht. Weil das Unfug ist, was du da redest. Ich meine, mal ganz hypothetisch angenommen, du könntest tatsächlich diesen ungemein tollen Grünton sehen beziehungsweise ja jetzt nicht mehr, wie auch immer, auf jeden Fall sehe ich da das Problem nicht. Du machst mal wieder aus nem Elefanten einen Blauwal. Es gibt noch zig Millionen andere Farben, such dir halt eine neue davon aus, es gibt ja sogar noch genügend andere Grüntöne. Da wirst du doch irgendwo wohl Ersatz finden können.
Mir fehlt aber das besondere Grün. Vor allem in deinen Augen...
Sunday, January 28, 2007
Tornesch
Da stehst du nun. Ich komme immer noch jeden Morgen mit zum Bahnhof, um dich zu verabschieden. Heute fährt der Zug nicht, weil er entgleist ist, direkt vor unseren Augen. Du siehst ganz schön erschrocken aus. Es ist ganz still, nur ein Zischen hört man. Niemand außer uns hat auf den Zug gewartet, so früh fährt hier niemand zur Arbeit, nur du. Und jetzt stehst du da, mit offenem Mund, auf den entgleisten Zug starrend, sagst nichts. Ich wünschte, du würdest was sagen. Oder mir in die Augen sehen, wenigstens mir in die Augen sehen, das hast du schon so lange nicht getan. Du weißt wahrscheinlich nicht einmal mehr, welche Farbe meine Augen haben. Den Zug kannst du scheinbar stundenlang anglotzen, aber für mich hast du nicht mal eine Sekunde übrig. Jeden Morgen stehe ich hier und heule und du glaubst immer noch, es sei nur der Wind, der mir die Tränen in die Augen treibt, selbst wenn es eigentlich keinen Wind gibt. Und jetzt tränen deine Augen, zum ersten Mal seit Jahren scheinst du zu weinen. Doch du wirst mir sagen, dass es nur vom Rauch ist, welcher aus dem Zug heraus in deine Augen weht. Wenn es doch wenigstens gelogen wäre. Dann wirst du sagen, dass du das Auto nimmst und irgendwann heute Abend kommst du heim, schmierst dir ein Brot und wirst noch ein wenig vor deinem Computer hocken, während ich unten sitze und weine, bei geschlossenen Fenstern. Dein Scheißcomputer. Als würde es nicht reichen, den ganzen Tag auf Arbeit dranzusitzen. Und am nächsten Morgen werde ich dich zum ersten Mal nicht zum Bahnhof bringen, weil kein Zug fahren wird. Du wirst das Auto nehmen und ich winke dir dann nach, mit Tränen in den Augen und heimlich wünschend, der Zug wäre erst ein paar Kilometer später entgleist.
Tuesday, January 23, 2007
Unter dem Eis
Seit ich denken kann, ist der große Fluss zugefroren. Doch hat man uns immer davor gewarnt ihn zu betreten. Das Eis sei zu dünn, sagten sie dann. Also wuchsen wir zwischen dem großen Fluss und dem arktischen Meer auf, in einer kleinen Stadt, in der es Fisch zu essen gab. Tatsächlich gab es nur Fisch. Gut, Brot gab es noch, aber selbst das schmeckte nach Fisch. Und alles roch danach. Irgendwann hatte ich sozusagen die Nase voll von diesem permanenten Gestank, der einen täglich umgab. Ich erzählte ihm davon, doch er meinte nur, dass man sich doch irgendwie an den Geruch auch gewöhnen kann. Aber das konnte ich nicht. Ich wollte mehr riechen als nur Fisch. Immer Fisch, Fisch, Fisch. Ich biss in mein letztes Stück Brot und legte mich schlafen.
Nachdem es schon vier Wochen nicht dunkel wurde, beschloss ich zu gehen. Über den großen Fluss, egal was da sein möge, schlimmer als dieser Gestank konnte es wohl kaum sein. Ich fragte ihn, ob er mich begleiten würde. Er verneinte und wies auf die Gefahr hin, das brüchige Eis, das brüchige Eis, Eis, Eis, und was soll schon hinter dem großen Fluss sein, fragte er da noch. Und als seine Stimme kurz wegbrach wusste ich, dass er selbst schon oft daran gedacht haben musste. Er würde es nie zugeben, aber ich wusste es. Ich kannte ihn so lange, so gut, doch würde er mir gegenüber dennoch nie seine schwachen Momente zugeben, geschweige denn sonst irgendjemandem davon erzählen. Er würde selbst dann noch Witze reißen, wenn ihm eigentlich zum Heulen zumute ist. Ich antwortete also, dass es mir egal sei, was da ist, solange es nicht nach Fisch riecht. Er lachte, als hätte ich einen Witz gemacht. Und da wusste ich, dass ich allein gehen würde. Er ging zurück zu den anderen an den Tisch und aß seinen Fisch, mit dem ich mich nun nicht mehr zufriedengeben wollte. Ich packte ein Stück Brot ein und machte mich auf die Reise.
Nach vielen Stunden stieß ich schließlich auf ein Loch im Eis. Auf der sichtbaren Wasseroberfläche schwamm eine Art Tasche, die ich ganz vorsichtig herauszog. Das Eis knackte leise, doch in diesem Moment war es mir egal. Ich untersuchte die Tasche und alles was ich fand war ein kleines Büchlein, in das mit einer mir fremden Schrift hineingekritzelt wurde, dazu eine Dose Fisch. Ich schaute noch einmal in das Loch, sah mein gespiegeltes Gesicht und robbte nun vorsichtig zurück. Dann drehte ich um und beschloss mich mit dem Fisch zufriedenzugeben, den ich mein ganzes Leben jeden Tag riechen musste, und mit einem Freund, den ich nie kennen lernen durfte, weil er wie ich nicht auf die Warnungen hören wollte.
Nachdem es schon vier Wochen nicht dunkel wurde, beschloss ich zu gehen. Über den großen Fluss, egal was da sein möge, schlimmer als dieser Gestank konnte es wohl kaum sein. Ich fragte ihn, ob er mich begleiten würde. Er verneinte und wies auf die Gefahr hin, das brüchige Eis, das brüchige Eis, Eis, Eis, und was soll schon hinter dem großen Fluss sein, fragte er da noch. Und als seine Stimme kurz wegbrach wusste ich, dass er selbst schon oft daran gedacht haben musste. Er würde es nie zugeben, aber ich wusste es. Ich kannte ihn so lange, so gut, doch würde er mir gegenüber dennoch nie seine schwachen Momente zugeben, geschweige denn sonst irgendjemandem davon erzählen. Er würde selbst dann noch Witze reißen, wenn ihm eigentlich zum Heulen zumute ist. Ich antwortete also, dass es mir egal sei, was da ist, solange es nicht nach Fisch riecht. Er lachte, als hätte ich einen Witz gemacht. Und da wusste ich, dass ich allein gehen würde. Er ging zurück zu den anderen an den Tisch und aß seinen Fisch, mit dem ich mich nun nicht mehr zufriedengeben wollte. Ich packte ein Stück Brot ein und machte mich auf die Reise.
Nach vielen Stunden stieß ich schließlich auf ein Loch im Eis. Auf der sichtbaren Wasseroberfläche schwamm eine Art Tasche, die ich ganz vorsichtig herauszog. Das Eis knackte leise, doch in diesem Moment war es mir egal. Ich untersuchte die Tasche und alles was ich fand war ein kleines Büchlein, in das mit einer mir fremden Schrift hineingekritzelt wurde, dazu eine Dose Fisch. Ich schaute noch einmal in das Loch, sah mein gespiegeltes Gesicht und robbte nun vorsichtig zurück. Dann drehte ich um und beschloss mich mit dem Fisch zufriedenzugeben, den ich mein ganzes Leben jeden Tag riechen musste, und mit einem Freund, den ich nie kennen lernen durfte, weil er wie ich nicht auf die Warnungen hören wollte.
Tuesday, December 12, 2006
Salz & Pfeffer
All seine Beatmungsversuche schlugen fehl. Sie war längst tot, als er sie aus dem Wasser zog und er brach schließlich über ihrem leblosen Körper zusammen, das Salz ihrer blauen Lippen an seinen, der Schmerz so groß wie das Meer selbst.
Und der salzige Geschmack, er war alles, was ihm blieb. Wenn er wieder an sie dachte, war er so präsent, so real, es war, als sei er wieder am selben Strand und die Feuchtigkeit seiner Lippen schien hoch in seine Augen zu steigen. Dies änderte sich auch nicht, als er sie traf. Vieles andere änderte sich, doch wann immer seine Lippen ihre berührten, war er da, dieser salzige Geschmack, die Erinnerung, der Schmerz, die Feuchtigkeit, die in seine Augen stieg, alles.
Doch sie blieb bei ihm. Und sie gab nicht auf. Sie küsste ihn lange, hoffte, dass es irgendwann aufhören möge, doch es hörte nicht auf, der salzige Geschmack, die Erinnerung, der Schmerz, die tränenden Augen.
Und als alles verloren schien, da küsste sie ihn noch einmal und plötzlich war alles anders. Kein Salzgeschmack, der die Erinnerung hervorrief, keine Erinnerung, die den Schmerz auslöste, kein Schmerz, der die Feuchtigkeit in die Augen trieb. Und sie fragte sich, wieso sie nicht früher darauf gekommen war. Sie nahm einfach etwas Pfeffer und verteilte diesen auf ihren Lippen.
Nach einer gewissen Zeit war sie es leid, dass jeder Kuss nach Pfeffer schmeckte. Nachdem sie sich küssten, rannte sie weinend davon und verschwand aus seinem Leben so rasch, wie sie aufgetaucht war. Und er verstand es nicht. Er konnte es nicht verstehen. Er wusste nicht, dass sie den Pfeffer bei diesem letzten Kuss weggelassen hatte. Er wusste nicht, warum sie nach diesem letzten Kuss unter Tränen davonlief, wo er doch nicht mehr weinte. Und er sollte niemals erfahren, dass sie bei diesem letzten Kuss das Salz schmeckte, das er glaubte, niemals wieder von seinen Lippen spülen zu können.
Und der salzige Geschmack, er war alles, was ihm blieb. Wenn er wieder an sie dachte, war er so präsent, so real, es war, als sei er wieder am selben Strand und die Feuchtigkeit seiner Lippen schien hoch in seine Augen zu steigen. Dies änderte sich auch nicht, als er sie traf. Vieles andere änderte sich, doch wann immer seine Lippen ihre berührten, war er da, dieser salzige Geschmack, die Erinnerung, der Schmerz, die Feuchtigkeit, die in seine Augen stieg, alles.
Doch sie blieb bei ihm. Und sie gab nicht auf. Sie küsste ihn lange, hoffte, dass es irgendwann aufhören möge, doch es hörte nicht auf, der salzige Geschmack, die Erinnerung, der Schmerz, die tränenden Augen.
Und als alles verloren schien, da küsste sie ihn noch einmal und plötzlich war alles anders. Kein Salzgeschmack, der die Erinnerung hervorrief, keine Erinnerung, die den Schmerz auslöste, kein Schmerz, der die Feuchtigkeit in die Augen trieb. Und sie fragte sich, wieso sie nicht früher darauf gekommen war. Sie nahm einfach etwas Pfeffer und verteilte diesen auf ihren Lippen.
Nach einer gewissen Zeit war sie es leid, dass jeder Kuss nach Pfeffer schmeckte. Nachdem sie sich küssten, rannte sie weinend davon und verschwand aus seinem Leben so rasch, wie sie aufgetaucht war. Und er verstand es nicht. Er konnte es nicht verstehen. Er wusste nicht, dass sie den Pfeffer bei diesem letzten Kuss weggelassen hatte. Er wusste nicht, warum sie nach diesem letzten Kuss unter Tränen davonlief, wo er doch nicht mehr weinte. Und er sollte niemals erfahren, dass sie bei diesem letzten Kuss das Salz schmeckte, das er glaubte, niemals wieder von seinen Lippen spülen zu können.
Friday, December 01, 2006
Die Sekretärin
Und Sie sind Frau...?
- Traurigkeit.
Wie bitte?
- Traurigkeit. Mein Name ist Traurigkeit.
Das ist aber mal ein ungewöhnlicher Name. Den habe ich vorher noch nie gehört.
- Der ist jiddisch. Kaufmann, Goldhals, Traurigkeit, gar nicht so ungewöhnlich. Viele heißen so. Viele Juden.
Ah ja. Gut. Sie sind also hier, um sich für die freie Stelle zu bewerben, richtig?
- Ja, richtig.
Nun, Ihre Qualifikationen sind ja wirklich ausgezeichnet, Frau...Traurigkeit. Sie haben bisher hauptsächlich halbtags gearbeitet, erwähnten Sie am Telefon, ja?
- Genau. Wegen der Kinder.
Ach, Kinder haben Sie auch? Wie viele sind es denn?
- Es sind zwei. Sieben und elf Jahre alt.
Ihnen ist aber schon bewusst, dass es sich bei der freien Stelle um einen Vollzeitarbeitsplatz handelt, oder?
- Natürlich. Das ist in Ordnung.
Kümmert sich Ihr Mann um die Kinder? Oder haben Sie eine Tagesmutter angedacht?
- Ich habe keinen Mann. Eine Tagesmutter wäre mir zu teuer.
Aber wo bleiben denn dann Ihre Kinder, wenn Sie hier sind?
- Ach die, die habe ich weggeben.
Wie meinen?
- Die Kinder. Ich habe sie weggeben.
Weggeben?! Aber wohin denn nur??
- Na, an ein Kinderheim. Ich habe denen gesagt, dass ich nicht mehr die Mutter dieser Kinder sein möchte. Und sie haben es verstanden, nachdem ich es ihnen erklärte.
Aber was um alles in der Welt haben Sie denen denn gesagt? Was treibt Sie denn nur dazu, einfach Ihre Kinder ins Heim zu stecken? Es ist ja wohl nicht nur aufgrund der Aussicht auf einen besseren Job, nehme ich an?
- Nein, nein, ganz und gar nicht...
Ja, aber warum um Himmels Willen denn dann?
- Sie sollten einfach keine Kinder von Traurigkeit mehr sein.
- Traurigkeit.
Wie bitte?
- Traurigkeit. Mein Name ist Traurigkeit.
Das ist aber mal ein ungewöhnlicher Name. Den habe ich vorher noch nie gehört.
- Der ist jiddisch. Kaufmann, Goldhals, Traurigkeit, gar nicht so ungewöhnlich. Viele heißen so. Viele Juden.
Ah ja. Gut. Sie sind also hier, um sich für die freie Stelle zu bewerben, richtig?
- Ja, richtig.
Nun, Ihre Qualifikationen sind ja wirklich ausgezeichnet, Frau...Traurigkeit. Sie haben bisher hauptsächlich halbtags gearbeitet, erwähnten Sie am Telefon, ja?
- Genau. Wegen der Kinder.
Ach, Kinder haben Sie auch? Wie viele sind es denn?
- Es sind zwei. Sieben und elf Jahre alt.
Ihnen ist aber schon bewusst, dass es sich bei der freien Stelle um einen Vollzeitarbeitsplatz handelt, oder?
- Natürlich. Das ist in Ordnung.
Kümmert sich Ihr Mann um die Kinder? Oder haben Sie eine Tagesmutter angedacht?
- Ich habe keinen Mann. Eine Tagesmutter wäre mir zu teuer.
Aber wo bleiben denn dann Ihre Kinder, wenn Sie hier sind?
- Ach die, die habe ich weggeben.
Wie meinen?
- Die Kinder. Ich habe sie weggeben.
Weggeben?! Aber wohin denn nur??
- Na, an ein Kinderheim. Ich habe denen gesagt, dass ich nicht mehr die Mutter dieser Kinder sein möchte. Und sie haben es verstanden, nachdem ich es ihnen erklärte.
Aber was um alles in der Welt haben Sie denen denn gesagt? Was treibt Sie denn nur dazu, einfach Ihre Kinder ins Heim zu stecken? Es ist ja wohl nicht nur aufgrund der Aussicht auf einen besseren Job, nehme ich an?
- Nein, nein, ganz und gar nicht...
Ja, aber warum um Himmels Willen denn dann?
- Sie sollten einfach keine Kinder von Traurigkeit mehr sein.
Saturday, November 25, 2006
Der Tod des Landschaftsgärtners - Ein Einakter
Personen
Ein Mann, Landschaftsgärtner
Der Tod
Erster und letzter Auftritt, erster und letzter Aufzug
Stadtpark, eine mitteleuropäische Großstadt
Stadtpark, eine mitteleuropäische Großstadt
Mann: Hey, Sie, na Sie sind mir ja einer. Sie sehen ja aus wie der Tod persönlich.
Tod: Ach, finden Sie? Sowas haben schon viele gesagt, vielleicht ist da ja doch was dran.
Mann: Na wenn Sie hier mit Ihrer schwarzen Kaputze und so 'ner rostigen Sense rumsitzen, da kann man schon auf so einen Gedanken kommen. Aber ich warne Sie! Hacken Sie bloß nicht mit Ihrem Gerät in meinen Beeten rum! Sonst können wir gerne den Spieß umdrehen und SIE machen Bekanntschaft mit dem Tod!
Tod: Is' ja gut, Mann! Regen Sie sich ab! Ich will hier nur in Ruhe meine Stulle essen, dann gehe ich wieder an die Arbeit. Ihre Beete interessieren mich dabei nicht sonderlich.
Mann: Aha, was arbeiten Sie denn, wenn man fragen darf?
Tod: Wonach sieht's denn aus, mein Herr?
Mann: Ja, klar, Sie Spinner! Als ob der Tod eine Stulle essen müsste, um sich zu stärken...
Tod: Irgendwovon muss der Tod doch auch leben, mein Herr.
Mann: Sicher. Das ist sicher ein stressiger Job, was? Sterben ja täglich ein paar Millionen Menschen. Im Moment stirbt doch sicher auch jemand, sollten Sie da nicht dabei sein?
Tod: Quark, Mann! Jetzt hab ich Pause. Jetzt ess' ich meine Stulle und danach sehen wir weiter.
Mann: Und was ist mit den Menschen, die in Ihrer Pause sterben?
Tod: Na deren Seele bleibt halt so lange noch in deren toten Körpern. Ist doch kein Problem. Seelen werden ja nicht schlecht oder verfaulen mit. Was dachten Sie denn? Dass ich bei jedem einzelnen Todesfall dabei bin? Wie soll ich das denn anstellen? Ich sammle nur die Seelen ein, nachdem die Leute verstorben sind...
Mann: Und was stellen Sie dann mit diesen Seelen an, wenn man fragen darf? Bringen Sie die guten in den Himmel und die bösen in die Hölle, oder wie darf ich das verstehen?
Tod: Pff, spinnen Sie doch nicht rum, Mann. Gut und böse gibt's bei Seelen schonmal gar nicht. Seelen sind Seelen. Zum Feierabend gebe ich die dann zum Recycling.
Mann: Bitte was? Wie bitte recyclet man denn Seelen?
Tod: Mann, sind Sie schwer von Begriff. Schonmal 'ne Flasche ins Altglas gebracht? Wesentlich anders läuft's bei den Seelen auch nicht ab.
Mann: Und was wird dann aus den Seelen?
Tod: Na neue Flaschen...Seelen mein ich. Sie machen mich ganz meschugge, Mann. Die werden dann eben in Neugeborene eingepflanzt.
Mann: Also gibt es kein Leben nach dem Tod? Besitze ich auch so eine recyclete Seele, oder wie?
Tod: Haha, Leben nach dem Tod, nee, vergessen Sie das mal ganz schnell wieder. Man nimmt einfach ne Seele, schmeißt sie in den Container und ab dafür. Wie bei Glas gibt es übrigens auch bei Seelen für die verschiedenen Farben unterschiedliche Container. Da gibt es Weißseelen, Schwarzseelen, Braunseelen, Gelbseelen...
Mann: Was? Sie wollen allen Ernstes behaupten, Seelen seien nach Rassen getrennt?
Tod: Klar, Mann. Macht ihr hier unten doch auch nicht anders. Einmal, da habe ich aus Versehen 'ne weiße Seele in den Schwarzseelencontainer geschmissen. Das gab vielleicht einen Ärger. Aber das Weiße schimmerte dann doch irgendwann auch äußerlich durch und der Typ wurde dann Sänger oder sowas. Die Seele war auch irgendwie ganz kaputt irgendwann. Sowas passiert halt, wenn man sich mal vertut. Das ist halt ein wirklich verantwortungsvoller Job, den ich da habe. Man muss ja auch die Frauen- von den Männerseelen unterscheiden. Dabei läuft mir auch des Öfteren mal was schief. Dann werden die homo oder lassen sich gar umwandeln und so Zeug. Da muss man dann auch aufpassen, wenn man sich die Seelen zurückholt, dass man die das nächste Mal nicht wieder falsch einschmeißt.
Mann: Das ist ja furchtbar! Lastet denn die Verantwortung allein auf Ihren Schultern? Haben Sie denn gar keinen, der Sie unterstützt?
Tod: Nee, auch der Himmel muss Personal einsparen. Aber mein Boss hat mir vor ein paar Jahren dann die Stundenzahl gekürzt, weil ich wirklich fast rund um die Uhr am Schuften war. Zuerst hat er für alle Chinesen eine einzelne Seele entwickeln lassen, so dass ich die der Verstorbenen nicht mehr extra einsammeln muss. Wir nehmen da jetzt einfach immer 'ne Kopie von diesem Prototyp da. Sehr praktisch, das. Und na ja, Afrika habe ich dann vor ein paar Jahren auch aufgeben dürfen. Die sterben da einfach wie die Fliegen, da kommt ja keiner mehr hinterher. Die machen dafür aber so komische Begräbnistänze. Dadurch setzen sie die Seelen wohl auch irgendwie frei, hab' ich nie so ganz verstanden. Ob die Neugeborenen da überhaupt noch Seelen eingepflanzt bekommen weiß ich leider auch nicht, das is' ja 'ne ganz andere Abteilung. Zum Glück lebt ihr in Mitteleuropa mittlerweile alle so lang. Zu Zeiten der Pest damals hab ich echt kaum Schlaf bekommen wegen euch...
Mann: So, so, der Tod muss also auch noch schlafen, verstehe. Würde mich nicht überraschen, wenn er auch noch selber sterben könnte...
Tod: Blödsinn. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin, dann mache ich eben mehr Fehler beim Sortieren. Diese Weltkriege damals, da sind mir auch ein paar Seelen abhanden gekommen, weil ich so übermüdet war. Durch diesen ständigen Bevölkerungswachstum auf der Welt kommt man auch mit dem Kopieren kaum nach, so dass viele erstmal ohne Seele auskommen müssen. Oder halt mit ner chinesischen, die sind recht simpel, da geht das Kopieren schneller.
Mann: Ich habe doch wohl hoffentlich keine chinesische Seele, oder?
Tod: Iwo, Sie haben die typische, mitteleuropäische Arbeiterseele. Davon gibt's auch nicht mehr so viele wie früher einmal. Ich bin einfach überarbeitet, brauche mal Urlaub oder sowas. Aber dann alles nacharbeiten, nä, da hab' ich auch keinen Bock drauf.
Mann: Sie haben wirklich einen an der Klatsche, mein Herr. Solch eine absurde Geschichte habe ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Wenn Sie wirklich der Tod wären, wieso könnte ich Sie denn dann wohl sehen, hm? Hm?!
Wednesday, November 22, 2006
dreißigprozentschlimm
Nur nicht zuviel erwarten.
Dieses Jahr habe ich ein besonders tolles Geschenk für dich zu Weihnachten. Ich will nicht enttäuscht sein. Enttäuscht, weil du kein Geschenk für mich hast. Ich will dir nur eine Freude machen. Du hast viel um die Ohren und kommst sicher nicht dazu, dir ein schönes Geschenk für mich auszudenken. Das ist schon okay.
Meine Probezeit ist bald rum. Ich mache meinen Job ganz gut, denke ich. Hab' mich schnell eingefunden hier. Die Kollegen gehen zusammen mittagessen. Sie kennen mich noch nicht so gut, vielleicht nehmen sie mich mal mit, zum Essen, wenn ich übernommen werde. Ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht übernommen werde, glaube ich. Ja, ich mache meine Arbeit gut, aber die Unternehmen müssen ja auch wirtschaften, da bin ich dann vielleicht zu teuer. Oder es gibt jemand, der meine Arbeit noch besser kann. Vielleicht bin ich nicht gut genug. Vielleicht denke ich nur, ich sei gut, dabei hat den Job vielleicht schonmal jemand besser gemacht. Ich esse zu Hause ja auch allein, da ist das hier gar kein Problem. Wahrscheinlich übernehmen sie mich nicht. Ich will nicht enttäuscht werden. Ich darf nur nicht zuviel erwarten, dann bin ich es nicht. Nur ein bisschen vielleicht.
Die Heilungschancen liegen bei 70%, sagt der Arzt. Ich weiß noch, wie ich geweint habe, als ich von deiner Krankheit erfahren habe. Wie wir beide dasaßen und weinten, Arm in Arm, weil wir es einfach nicht fassen konnten. Es klang so schlimm, jetzt ist es nur noch dreißigprozentschlimm. Morgen um diese Zeit operieren sie dich schon. Wie der Arzt das wohl berechnet hat, die 70%? Ob er da eine Statistik über ähnliche Operationen zu Rate gezogen und einfach die Toten gezählt und von der Gesamtheit aller Operationen abgezogen hat? Ich weiß es nicht. Ob der Arzt bei Studienantritt wusste, wieviel Mathematik er in seiner beruflichen Laufbahn noch begegnen wird? Ob er da enttäuscht war? Ich wäre es wohl gewesen. Ich war in Mathe auch nie besonders gut. Womöglich hätte ich mich auch hier verrechnet und den Angehörigen ganz falsche Hoffnungen gemacht. Morgen abend werde ich dich dann im Krankenhaus besuchen. Zu 70%.
Und wenn nicht? Wo wirst du sein, wenn du nicht mehr lebst? Bist du dann überhaupt noch? Irgendwo? Im Himmel vielleicht, wie man es uns damals im Konfirmandenunterricht erzählte? Weißt du noch? Wärest du enttäuscht, weil du noch soviel machen wolltest, unten auf Erden. Wir wollten doch noch gemeinsam die Wohnung streichen, erinnerst du dich? Ganz rot, weil du weiß so spießig findest.
Ich wäre wohl enttäuscht. Enttäuscht, dass Enttäuschungen auch nach dem Tod nicht aufhören. Ich hab's dir immer gesagt, erwarte nur nicht zuviel, dann bist du nicht so sehr enttäuscht. Nur ein bisschen vielleicht. Gerade frage ich mich, wie es wäre, wenn du morgen abend gar nicht mehr wärst. Wenn nach dem Tod kein Leben kommt. Wärst du auch enttäuscht, wenn es kein Leben mehr gibt, wenn das irdische Leben vorbei ist? Nein, wie solltest du auch? Du könntest ja gar nicht enttäuscht sein, wenn du nicht mehr bist.
Ich will doch gar kein Geschenk. Ich brauche den Job doch überhaupt nicht, auch keine Kollegen um mich in der Mittagspause. Alles, was ich brauche, sind dreißigprozent mehr, um diese Nacht zu überstehen. Um nur nicht zuviel zu erwarten. Ich will dich morgen abend besuchen. Ich will mit dir zu Mittag essen. Ich will rote Wände. Es ist doch bald Weihnachten.
Zu 70% bin ich morgen abend nicht enttäuscht. Für die verbleibenden dreißigprozent wünsche ich dir, dass zumindest du es nie mehr sein musst, selbst wenn es vielzuviel erwartet ist.
Dieses Jahr habe ich ein besonders tolles Geschenk für dich zu Weihnachten. Ich will nicht enttäuscht sein. Enttäuscht, weil du kein Geschenk für mich hast. Ich will dir nur eine Freude machen. Du hast viel um die Ohren und kommst sicher nicht dazu, dir ein schönes Geschenk für mich auszudenken. Das ist schon okay.
Meine Probezeit ist bald rum. Ich mache meinen Job ganz gut, denke ich. Hab' mich schnell eingefunden hier. Die Kollegen gehen zusammen mittagessen. Sie kennen mich noch nicht so gut, vielleicht nehmen sie mich mal mit, zum Essen, wenn ich übernommen werde. Ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht übernommen werde, glaube ich. Ja, ich mache meine Arbeit gut, aber die Unternehmen müssen ja auch wirtschaften, da bin ich dann vielleicht zu teuer. Oder es gibt jemand, der meine Arbeit noch besser kann. Vielleicht bin ich nicht gut genug. Vielleicht denke ich nur, ich sei gut, dabei hat den Job vielleicht schonmal jemand besser gemacht. Ich esse zu Hause ja auch allein, da ist das hier gar kein Problem. Wahrscheinlich übernehmen sie mich nicht. Ich will nicht enttäuscht werden. Ich darf nur nicht zuviel erwarten, dann bin ich es nicht. Nur ein bisschen vielleicht.
Die Heilungschancen liegen bei 70%, sagt der Arzt. Ich weiß noch, wie ich geweint habe, als ich von deiner Krankheit erfahren habe. Wie wir beide dasaßen und weinten, Arm in Arm, weil wir es einfach nicht fassen konnten. Es klang so schlimm, jetzt ist es nur noch dreißigprozentschlimm. Morgen um diese Zeit operieren sie dich schon. Wie der Arzt das wohl berechnet hat, die 70%? Ob er da eine Statistik über ähnliche Operationen zu Rate gezogen und einfach die Toten gezählt und von der Gesamtheit aller Operationen abgezogen hat? Ich weiß es nicht. Ob der Arzt bei Studienantritt wusste, wieviel Mathematik er in seiner beruflichen Laufbahn noch begegnen wird? Ob er da enttäuscht war? Ich wäre es wohl gewesen. Ich war in Mathe auch nie besonders gut. Womöglich hätte ich mich auch hier verrechnet und den Angehörigen ganz falsche Hoffnungen gemacht. Morgen abend werde ich dich dann im Krankenhaus besuchen. Zu 70%.
Und wenn nicht? Wo wirst du sein, wenn du nicht mehr lebst? Bist du dann überhaupt noch? Irgendwo? Im Himmel vielleicht, wie man es uns damals im Konfirmandenunterricht erzählte? Weißt du noch? Wärest du enttäuscht, weil du noch soviel machen wolltest, unten auf Erden. Wir wollten doch noch gemeinsam die Wohnung streichen, erinnerst du dich? Ganz rot, weil du weiß so spießig findest.
Ich wäre wohl enttäuscht. Enttäuscht, dass Enttäuschungen auch nach dem Tod nicht aufhören. Ich hab's dir immer gesagt, erwarte nur nicht zuviel, dann bist du nicht so sehr enttäuscht. Nur ein bisschen vielleicht. Gerade frage ich mich, wie es wäre, wenn du morgen abend gar nicht mehr wärst. Wenn nach dem Tod kein Leben kommt. Wärst du auch enttäuscht, wenn es kein Leben mehr gibt, wenn das irdische Leben vorbei ist? Nein, wie solltest du auch? Du könntest ja gar nicht enttäuscht sein, wenn du nicht mehr bist.
Ich will doch gar kein Geschenk. Ich brauche den Job doch überhaupt nicht, auch keine Kollegen um mich in der Mittagspause. Alles, was ich brauche, sind dreißigprozent mehr, um diese Nacht zu überstehen. Um nur nicht zuviel zu erwarten. Ich will dich morgen abend besuchen. Ich will mit dir zu Mittag essen. Ich will rote Wände. Es ist doch bald Weihnachten.
Zu 70% bin ich morgen abend nicht enttäuscht. Für die verbleibenden dreißigprozent wünsche ich dir, dass zumindest du es nie mehr sein musst, selbst wenn es vielzuviel erwartet ist.
Saturday, November 18, 2006
Schwarzes Schaf
Es brannte in jener Nacht, in der er schlafwandelnd vor einen heranbrausenden Löschzug lief. Er brach sich beim Aufprall diverse Knochen in diversen Körperregionen, doch nach wenigen Wochen konnte er entlassen werden. Er war froh aus dem Krankenhaus zu sein, in welchem er von Schwester Tina stets wortarm und lieblos abgefertigt wurde. Wie ein Kaugummipäckchen, das über den Supermarktscanner gezogen wird.
Seine Mutter holte ihn ab, sagte kaum ein Wort, sah ihn kaum an, sah nur auf die Straße, wie ein Zombie blickte sie drein, wie eine Tote unter den Lebenden.
Als sie zu Hause ankamen, war außer den beiden niemand daheim. Normalerweise ist sein Vater um diese Zeit hier. Er hatte sich darauf gefreut, mit ihm ein wenig Autorennen zu spielen, auf der Konsole, doch er traute sich nicht zu fragen, wo er denn sei, der Vater. Er kam auch nicht zu Besuch, als er im Krankenhaus lag. Als einziges Familenmitglied besuchte ihn die Großmutter. Vater arbeitet, er arbeitet ja so viel, sagte diese stets. Mutter geht es nicht gut, die Mutter hat viel zu tun. Nun sah er mit eigenen Augen, dass es Mutter nicht gut ging. Doch er traute sich nicht zu fragen, warum. Auch fragte er nicht, wo denn sein Vater sei. Er fürchtete sich vor der Antwort, ohne genau zu wissen, weshalb.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, da war seine Hand ans Bettgestell gekettet. Er erschrak und schrie, bis endlich seine Mutter auftauchte, um ihn loszumachen. Er sah, dass sie weinte, weinte selbst, rief seinen Vater, doch er kam nicht und seine Mutter schluchtzte nur noch mehr. Sie fasste ihn bei der Hand, nahm ihn mit in den zweiten Stock, wo sein Vater oft bis spät in der Nacht am Computer saß und arbeitete. Doch der Computer war nicht da, nur schwarz, überall schwarz.
Er stürmte in sein Zimmer zurück, kettete sich ans Bett und wollte schlafen, nur noch schlafen und die Sirenen loswerden, die seinen Kopf nicht mehr verließen.
Seine Mutter holte ihn ab, sagte kaum ein Wort, sah ihn kaum an, sah nur auf die Straße, wie ein Zombie blickte sie drein, wie eine Tote unter den Lebenden.
Als sie zu Hause ankamen, war außer den beiden niemand daheim. Normalerweise ist sein Vater um diese Zeit hier. Er hatte sich darauf gefreut, mit ihm ein wenig Autorennen zu spielen, auf der Konsole, doch er traute sich nicht zu fragen, wo er denn sei, der Vater. Er kam auch nicht zu Besuch, als er im Krankenhaus lag. Als einziges Familenmitglied besuchte ihn die Großmutter. Vater arbeitet, er arbeitet ja so viel, sagte diese stets. Mutter geht es nicht gut, die Mutter hat viel zu tun. Nun sah er mit eigenen Augen, dass es Mutter nicht gut ging. Doch er traute sich nicht zu fragen, warum. Auch fragte er nicht, wo denn sein Vater sei. Er fürchtete sich vor der Antwort, ohne genau zu wissen, weshalb.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, da war seine Hand ans Bettgestell gekettet. Er erschrak und schrie, bis endlich seine Mutter auftauchte, um ihn loszumachen. Er sah, dass sie weinte, weinte selbst, rief seinen Vater, doch er kam nicht und seine Mutter schluchtzte nur noch mehr. Sie fasste ihn bei der Hand, nahm ihn mit in den zweiten Stock, wo sein Vater oft bis spät in der Nacht am Computer saß und arbeitete. Doch der Computer war nicht da, nur schwarz, überall schwarz.
Er stürmte in sein Zimmer zurück, kettete sich ans Bett und wollte schlafen, nur noch schlafen und die Sirenen loswerden, die seinen Kopf nicht mehr verließen.
Sunday, October 22, 2006
Wie der Mann, der immer alles falsch machte, keinen Selbstmord beging
...und als er es wieder einmal vermasselt hatte, sprang der Mann, der immer alles falsch machte, hinter den Zug und musste schließlich selbst ein wenig lachen, während die kräftigen Männer der S-Bahn-Wache ihn von den Gleisen zogen.
Wednesday, October 11, 2006
Kirschkreislauf
Heute sagte jemand zu mir, der Sommer sei wohl vorbei. Dies war für diese Person kein schöner Gedanke, also versuchte ich sie aufzuheitern, indem ich ihr sagte, der Sommer sei gar nicht vorbei, er sei nur jetzt woanders. Vergebens.
Es ist an sich jedoch irgendwie beruhigend, dass er nie wirklich aufhört, der Sommer. Oder das Tageslicht. Selbst der schönste Sonnenuntergang ist irgendwo unendlich. Er wandert einfach nur weiter.
Manchmal glaube ich fast, Gefühle seien wie Jahreszeiten. Sie kommen und gehen, halten nie an, wandern nur weiter, weil alles sich dreht. Als hörte man nie auf die selbe Person zu lieben, auch wenn man nun vielleicht den Sonnenuntergang mit jemand anderem teilt. Als wandere nur alles vom Bewussten ins Unbewusste, als verdränge der Herbst den Sommer, der Winter den Herbst, der Frühling den Winter bis schließlich ein neuer Sommer den alten in Vergessenheit geraten lässt.
Und doch ist der neue Sommer gleichzeitig der alte, der gewanderte. Er kehrt zurück und man erkennt ihn nicht wieder, weil er sich doch verändert haben muss, nach all der Zeit. Doch der Sommer ist der selbe wie im letzen Jahr. Es ist der selbe Sommer wie seit Urzeiten. Der Sommer verändert sich nicht. Der Winter zwingt ihn nur immer und immer wieder zu einem Neuanfang. Was war bedeckt er mit Schnee und Eis, bis die ersten Sonnenstrahlen die dicke Schicht zum Schmelzen bringen und alles neu heranwachsen kann.
Doch wachsen an einem Kirschbaum nicht plötzlich Äpfel. An einem Nussbaum gedeihen auch nicht auf einmal Melonen. Es wachsen die gleichen Früchte, die auch im Jahr zuvor schon dort wuchsen. Die gleichen Kirschen und Nüsse. Vielleicht schmeckten die vom letzten Jahr irgendwie besser, vielleicht bildet man es sich jedoch auch einfach nur ein. Dann wünscht man sich, man hätte damals ein paar eingefroren, um sie jetzt noch essen zu können. Doch im Hinterkopf weiß man, dass sie dadurch wohl an Geschmack verloren hätten.
So akzeptiert man irgendwann einfach den Kreislauf all jener Dinge, denkt von Zeit zu Zeit vielleicht noch einmal an diese Kirschen, die besonders gut waren und wartet darauf, dass es wieder wärmer wird. Vielleicht war der letzte Sommer auch einfach zu verregnet um gutes Obst hervorzubringen.
Es ist an sich jedoch irgendwie beruhigend, dass er nie wirklich aufhört, der Sommer. Oder das Tageslicht. Selbst der schönste Sonnenuntergang ist irgendwo unendlich. Er wandert einfach nur weiter.
Manchmal glaube ich fast, Gefühle seien wie Jahreszeiten. Sie kommen und gehen, halten nie an, wandern nur weiter, weil alles sich dreht. Als hörte man nie auf die selbe Person zu lieben, auch wenn man nun vielleicht den Sonnenuntergang mit jemand anderem teilt. Als wandere nur alles vom Bewussten ins Unbewusste, als verdränge der Herbst den Sommer, der Winter den Herbst, der Frühling den Winter bis schließlich ein neuer Sommer den alten in Vergessenheit geraten lässt.
Und doch ist der neue Sommer gleichzeitig der alte, der gewanderte. Er kehrt zurück und man erkennt ihn nicht wieder, weil er sich doch verändert haben muss, nach all der Zeit. Doch der Sommer ist der selbe wie im letzen Jahr. Es ist der selbe Sommer wie seit Urzeiten. Der Sommer verändert sich nicht. Der Winter zwingt ihn nur immer und immer wieder zu einem Neuanfang. Was war bedeckt er mit Schnee und Eis, bis die ersten Sonnenstrahlen die dicke Schicht zum Schmelzen bringen und alles neu heranwachsen kann.
Doch wachsen an einem Kirschbaum nicht plötzlich Äpfel. An einem Nussbaum gedeihen auch nicht auf einmal Melonen. Es wachsen die gleichen Früchte, die auch im Jahr zuvor schon dort wuchsen. Die gleichen Kirschen und Nüsse. Vielleicht schmeckten die vom letzten Jahr irgendwie besser, vielleicht bildet man es sich jedoch auch einfach nur ein. Dann wünscht man sich, man hätte damals ein paar eingefroren, um sie jetzt noch essen zu können. Doch im Hinterkopf weiß man, dass sie dadurch wohl an Geschmack verloren hätten.
So akzeptiert man irgendwann einfach den Kreislauf all jener Dinge, denkt von Zeit zu Zeit vielleicht noch einmal an diese Kirschen, die besonders gut waren und wartet darauf, dass es wieder wärmer wird. Vielleicht war der letzte Sommer auch einfach zu verregnet um gutes Obst hervorzubringen.
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