Friday, March 09, 2007

Der Affe

Es war furchtbar. Jedes Mal, wenn sie ihn ansprach, da packte ihn ein Juckreiz am Rücken, genau an der Stelle, wo er unmöglich rankam, schon gar nicht, ohne sich mit völlig affigen Verrenkungen zum selbigen zu machen. Und so sah er keine andere Möglichkeit, als das Gespräch zu beenden und so schnell es ging aus ihrem Sichtbereich zu fliehen, um sich endlich kratzen zu können. Und wenn selbst die größten Verrenkungen nichts halfen, dann rieb er sich sogar manchmal an Tür- oder Fensterrahmen, bis das Jucken verschwand.
Dieses Fluchtverhalten führte schließlich dazu, dass sie ihn nicht mehr ansprach, zu verwirrt war sie, zu ablehnend schien er ihr gegenüber zu sein. Sie gab ihn auf, dass spürte er und er war wütend. Auf das Jucken, auf sich selbst. Er fasste sich ein Herz, ging auf sie zu, spürte wie das Kribbeln begann, dann stand er vor ihr und fragte, ob sie ihn kratzen könne. Sie lachte kurz, setze dann aber tatsächlich an und traf direkt den Punkt, der für ihn stets unerreichbar war.

Thursday, March 01, 2007

Titten

Ich schreibe kein Gedicht über Blumen
Es reimt sich nichts Gutes drauf
Vielleicht Blumenvolumen
Ich geb's auf

Ich schreibe kein Gedicht über Müsli
Reimt sich ja auch nicht sonderlich gut
Das Müsli von Bruce Lee
Ist das einzige was sich reimen tut

Ich schreibe kein Gedicht über Teppiche
Nach 'nem Reim sucht man da lang
Teppiche stepp' ich äh...
Zeugt nicht gerad' von schönem Klang

Ich schreibe kein Gedicht über Löffel
Kein Wort das sich zu reimen lohnt
Iss mippem Löffel die Kärtöffel
Vielleicht wenn man in Sachsen wohnt

Ich schreibe kein Gedicht über Brüste
Weil ich keinen Reim drauf wüsste
Huch!

Wednesday, February 28, 2007

Ein Drehbuch: Tatort

Figuren

Kommissar Pflümli, 54, seit 40 Jahren bei der Mordkommision in Aachen. War einst ein vielversprechendes Schnüffeltalent, zerbrach jedoch an den hohen Erwartungen, die man an ihn stellte. Und an der Tatsache, dass Hunde bessere Nasen haben. Heute starker Trinker und spielt gerne Tischtennis. Vernachlässigt aufgrund dessen oft die Arbeit.

Jungkommissar Dom, 25, frisch von der Polizeischule, voller Elan und Tatendrang, leidet unter der abweisenden Haltung seines Kollegen Pflümli, lässt sich jedoch nichts anmerken. Ist verliebt in die 60 Jahre ältere Pathologin Marzipan. Lässt sich auch diesbezüglich nichts anmerken.

Pathologin Marzipan, sehr alt, hat ein dunkles Geheimnis. Und eine Warze auch. Über der linken Schläfe. War nie verheiratet und gilt als ewige Jungfer, was sie nur noch attraktiver für Jungkommissar Dom erscheinen lässt.

In weiteren Rollen: Toter, Nachbarin, Polizisten etc.

Schauplatz: Aachen



Dedö Dedö Dedöööööööö...damdadadadamdamdadadadam...


Die Folge startet mit einer Kamerafahrt durch eine Mietswohnung in einem Aachener Elendsviertel, endet mit einer Nahaufnahme eines Toten, aus dessen Mund ein Katzenkadaver herauslugt.
Es folgt eine Einstellung, in der mehrere Polizeibeamte Beweismaterial sicherstellen, Jungkommissar Dom ist bereits am Tatort und erläutert dem später eingetroffenen Kommissar Pflümli die Situation.

Dom: ...ist 34 Jahre alt, lebte allein und seine Leiche weist diverse Einschusslöcher in der Brust auf. Doch die eigentlich Todesursache ist wahrscheinlich die tote Katze, mit der das Opfer anscheinend gewaltsam erstickt wurde. Es guckt nur noch der Kopf der Katze aus dem Rachenraum heraus.
Pflümli: Das war kein Unfall, das war Mord!
Dom: ...
Pflümli: Sie brauchen mich gar nicht so ungläubig anzuschauen, Dom. Jemand, mit meiner Berufserfahrung, hat einen Riecher für sowas.
Dom: ...äh...
Pflümli: Dass das jemand, der so frisch in diesem harten Beruf ist wie sie, das nicht auf Anhieb erkennt, wundert mich wenig. Warten wir die Obduktionsergebnisse ab.
Dom: ...ja...gut...ich...ähm...
Pflümli: Sie werden schon sehen, mein junger Kollege, Sie werden schon sehen. Boah, hab ich n Brand. Machma Feierabend, wa?!
Dom: Ähm, Sie sind gerade einmal 5 Minuten im Dienst, Chef. Vielleicht sollten wir noch...
Pflümli: Papperlapapp. Ohne die Obduktionsergebnisse kommen wir hier eh nicht weiter.
Dom: Aber eine Nachbarin hat hier kurz nach der vermutlichen Tatzeit einen Mann aus der Wohnung spazieren sehen. Vielleicht sollten wir ihr noch ein paar Fragen st...
Pflümli: Sprech ich schinesisch oder was? Ob-duk-tions-er-gebnisse! Ich bin dann mal weg. Tschö.

Szenenwechsel; Pathologie

Pflümli: Was riechten hier so nach Kacke?
Marzipan: Der Darm des Leichnams wurde gerade geleert.
Pflümli: Neee, ne?
Marzipan: Doch.
Pflümli: Eeeeeeeeeeeeeeeeh!
Dom: Vielleicht könnten Sie uns erstmal die Obduktonsergebnisse mitteilen, Frau Marzipan.
Marzipan: Was?
Dom: Die Obduktionsergebnisse.
Marzipan: Wie bitte?
Pflümli: Die Alde hört nicht mehr so gut, Dom. Sie müssen schon etwas lauter mit ihr reden.
Dom: KÖNNEN SIE UNS DIE OBDUKTINSERGEBNISSE MITTEILEN?
Marzipan: Ja, klar.
Dom:...
Marzipan: Ach, jetzt?
Dom: Ja, bitte.
Marzipan: Was?
Dom: BITTÄÄ!
Marzipan: Ja, wat soll man sagen. Tot isser auf jeden Fall. Viele Einschusslöcher. Wahrscheinlich von ner Pistole. Und da war ne tote Katze in seinem Hals.
Pflümli: Vielen Dank, das bringt uns weiter.
Dom: Aber das wussten wir doch bereits alles...
Pflümli: Kein Respekt mehr vor dem Alter, was? Sie kotzen mich an, Dom.
Dom: Aber...
Pflümli: Ich mach Feierabend. Tschö.
Dom: Aber...

Szenenwechsel; Mietshaus, Wohnung der Nachbarin des Toten

Dom: Sie sind Frau X!dbele?
Nachbarin: Klickklackja.
Dom: Sie kommen aus Afrika, richtig?
Nachbarin: Klickklackklickklack.
Dom: Ähm...gut, lassen wir das. Sie haben angegeben, einen Mann kurz nach der vermutlichen Tatzeit aus der Wohnung des Verstorbenen gehen gesehen zu haben. Ist das korrekt?
Nachbarin: Klickklickklacktucktuck.
Dom: Sie sprechen doch auch unsere Sprache, oder Frau...Frau?
Nachbarin: Klaro. Ich hatte nur so Hühnchen zwischen den Zähnen, das ich mit der Zunge rauspulen wollte.
Dom: Oh...
Pflümli: Sie haben aber hier niedliche, kleine Kätzchen. Muschimuschimuschi...ja komma her...muschimuschimuschi...
Dom: Äh...also, stimmt das, haben Sie jemanden aus der Wohnung gehen sehen?
Pflümli: KOMMA HER HAB ICH GESAGT, DU MISTVIEH! ICH HASSE KATZEN! ICH HASSE SIE!!!
Dom: Moment, Katzen...das erinnert mich an was.
Pflümli: Ich hatte schon lange keine Muschi mehr...
Dom: Meine isst gerne Fuchs und lauert immer vor nem Fuchsbau. Hält sich wohl für nen Dackel, hihi. Aber es gibt ja jetzt Fuchssheba, wussten Sie das, Frau...Nachbarin?
Nachbarin: Nö.
Pflümli: ...so lange keine Muschi...
Dom: Ja, wie dem auch sei, vielen Dank erstmal für Ihre Mithilfe. Wenn Ihnen noch was einfallen sollte, unter dieser Nummer können Sie uns erreichen.
Nachbarin: Klickklack.
Dom: Zähes Hühnchen, was?
Pflümli: KOMMA HER JETZT MAAAAN!
Dom: Ach, eine Frage hätte ich doch noch, wenn Sie erlauben: Haben Sie Thomas Sowas (Name des Opfers) umgebracht?
Pflümli: Wat soll dat denn jetzt? Zuviel Columbo geschaut, was?
Nachbarin: Iiiiiiiiich?! Wie kommen Sie denn darauf?
Dom: Ich dachte nur. Die Katzen, die Pistole da auf dem Tisch, die zufällig das gleiche Kaliber hat wie die, die die Einschüsse im Oberkörper des Opfers verursacht hat. Habe ich gerade dreimal "die" hintereinander gesagt?
Nachbarin: Ja.
Dom: Sie geben es also zu?
Nachbarin: Was?
Dom: Na sie sagten doch ja. So ein ja, wie in "ja, ich war's".
Nachbarin: Ich meinte das mit dem die.
Pflümli: Der Tanzonkel außem Fernsehen?
Dom: Was gucken Sie sich denn fürn Scheiß an?
Pflümli: Fresse! Wir haben ein Geständnis. Führen Sie die Täterin ab.
Nachbarin: Aber...aber ich...
Pflümli: Jaja, erzählen Sie das Ihrem Anwalt. Und jetzt Abmarsch.

Dom führt die vermeintliche Täterin aufgrund der erdrückenden Beweislast und des eindeutigen Geständnisses ab. Pflümli verweilt noch kurz in der Wohnung, schaut sich um, nimmt dann seine Pistole vom Tisch und macht Feierabend. Es findet noch zwischen den Geschehnissen eine kurze Liason zwischen Jungkommissar Dom und der Pathologin Marzipan statt, bei der man auch Hinweise auf ihr dunkles Geheimnis erhält. Kennedy-Attentäterin war sie wohl. Weil Sie mal nen Präsidenten obdukzieren wollte. Sie hat dabei auch falsche Ergebnisse präsentiert, um nicht selbst in Verdacht zu geraten. Das findet Dom jetzt nicht mehr so geil und macht Schluss. Die Alte stalkt aber nun total rum und will ihn mit Pflümli eifersüchtig machen, kommt aber nach einem Schlaganfall ins Heim und gut is'. Dedö Dedö Dedöööööööööööö...

Wednesday, February 21, 2007

Das Familiengericht

Richterin: ...verhandelt wird nun die Strafsache Christus gegen von Nazareth. Ich bitte den Herrn Staatsanwalt einmal die Anklageschrift zu verlesen.
Staatsanwalt: Hohes Gericht, Frau Verteidigerin. Dem Angeklagten Josef von Nazareth wird vorgeworfen, seit der Geburt seines Sohnes Jesus Christus, geborener von Nazareth, Unterhaltszahlungen in Höhe von insgesamt 200 der hier örtlichen Währung, wahrscheinlich Gold oder Salbei, nicht geleistet zu haben. Diese ausstehende Summe, die meinem Mandanten rechtmäßig zusteht, möchte er hier nun einklagen.
Richterin: Vielen Dank, Herr Staatsanwalt. Möchte der Angeklagte Angaben zu diesen Vorwürfen machen?
Verteidigerin: Ja, das möchte er.
Richterin: Gut. Dann bitte, Herr von Nazareth.
Josef: Diese Vorwürfe sind völlig lächerlich. Ja, gut, ich habe keinen Unterhalt gezahlt, aber doch auch nur, weil das überhaupt nicht mein Sohn ist. Wissen Sie, damals, meine Frau und ich, wir hatten gerade eine schwere Krise, es lief alles nicht so besonders gut für uns, auch wirtschaftlich, und dann sah ich sie eines Tages mit einem fremden Mann im Bett...
Jesus: Wie kannst du so über meine geliebte Mutter reden?! Du mieses Schwein! Du elender Lügner...
Josef: Ach, was weißt du schon? Du hast doch keine Ahnung, wie das damals war. Deine Mutter war nie zufrieden. Ich habe ihr immer gesagt, ein Zimmermann verdiene halt nicht so viel, aber sie war immer der Meinung, ich müsse dann halt mehr arbeiten, um diesen Missstand auszugleichen. Und was tat sie, während ich mir den Buckel krumschufftete? Vergnügte sich im Stroh mit wildfremden Kerlen!
Staatsanwalt: Das ist ja ungeheuerlich. Haben Sie überhaupt Beweise, die Ihre Aussagen hier untermauern?
Josef: Nein, wie sollte ich auch? Der Fotoapparat war ja noch nicht erfunden und um die Szenerie abzumalen fehlte mir sowohl die Zeit als auch das technische Know-How.
Staatsanwalt: Wohl ein ganz Witziger, wie?
Richterin: Nun, das sind ja doch sehr schwere Vorwürfe, die Sie hier gegen Ihre Ex-Frau erheben. Wenn keine weiteren Fragen an den Angeklagten bestehen, würde ich gerne die Zeugin Jungfrau Maria von Nazareth in den Zeugenstand rufen. Keine weiteren Fragen? Gut, der Angeklagte bleibt zunächst unvereidigt und ich bitte Jungfrau Maria von Nazareth in den Zeugenstand.
...
So, zunächst Ihre Personalien: Ihr Name ist Jungfrau Maria von Nazareth, geborene Müller, Sie sind 54 Jahre alt, wohnhaft in Bethlehem, von Beruf Hausfrau und mit dem Angeklagten sind Sie...waren Sie verwand oder verschwägert, ist das richtig?
Maria: Ja, ich war mal mit diesem Mann verheiratet. Zum Glück ist das vorbei.
Richterin: Gut, dann muss ich Sie noch belehren: Sie müssen vor Gericht die Wahrheit sagen, tun Sie dies nicht, machen Sie sich strafbar, auch wenn Sie nicht vereidigt werden sollten. Sie müssen jedoch nicht aussagen, wenn Sie sich möglicherweise damit selbst belasten würden. Möchten Sie aussagen?
Maria: Natürlich möchte ich das.
Richterin: Nun gut. Sie haben die Vorwürfe Ihres Ex-Mannes gehört, nehme ich an. Was sagen Sie dazu?
Maria: Absoluter Humbug. Ich habe nie mit einem anderen Mann geschlafen. Jesus kann nur von ihm sein. Aber er konnte dem Kind nie die väterliche Liebe geben, die es gebraucht und verdient gehabt hätte.
Verteidigerin: Dann möchte ich Sie mal etwas fragen, Frau von Nazareth: wie oft hatten Sie Geschlechtsverkehr mit meinem Mandanten? Schätzen Sie einfach, wenn Sie die genaue Zahl nicht wissen.
Staatsanwalt: Also was ist denn das bitte für eine dämliche Frage? Die tut doch hier nun wirklich gar nichts zur Sache.
Richterin: Nun, ich will wissen, worauf die Verteidigung hinauswill. Bitte beantworten Sie die Frage.
Maria: Ich...ich weiß nicht...vielleicht...also...
Verteidigerin: Na, wie oft? Zehn Mal? Fünfzig Mal? Hundern Mal? Sie waren doch vier Jahre verheiratet, nicht? Also, wie oft hatten sie in der Zeit Sex?
Maria: Vielleicht fünf-sechs Mal, ich weiß es nicht.
Verteidigerin: Oh, das ist aber nicht gerade oft, was? Da kann ich schon verstehen, warum man Sie Jungfrau nennt...
Staatsanwalt: Also jetzt werden Sie aber völlig unsachlich, Frau Verteidigerin. Ich beantrage die Frage aus dem Protokoll zu streichen.
Verteidigerin: Moment noch, bitte. Ich hätte da schon noch eine Nachfrage: Was genau verstehen Sie unter Sex?
Staatsanwalt: Jetzt hört's aber endgültig auf...
Verteidigerin: Ich frage das nicht ohne Grund. Ich habe hier ein Attest vorliegen, welches bescheinigt, dass mein Mandant, nun, sagen wir eingeschränkt in seiner sexuellen Leistungsfähigkeit ist.
Richterin: Was genau bedeutet eingeschränkt in diesem Falle?
Verteidigerin: Mein Mandant kann seit seiner Pubertät keine Erektion bekommen.
Richterin: Boah, übel, das. Also...
Jesus: Welchen Scharlatan hast du dir da gekauft, der dir solch einen Blödsinn unterzeichnet? Das ist doch alles Lüge! LÜGE! Dafür schmorst du in der Hölle!
Richterin: Beruhigen Sie sich und mäßigen Sie ihren Ton, sonst muss ich ein Ordnungsentgeld in Höhe von 10 ähm...Talern oder sowas verhängen.
Jesus: Aber Frau Richterin, sehen Sie denn nicht, dass der sich hier mit unlauteren Mitteln vor seiner Unterhaltspflicht drücken will? Dieser miese Schuft soll endlich zu mir stehen!
Richterin: Ob das wahr ist, was der Angeklagte hier zu beweisen versucht, wird sich hoffentlich im Laufe der Verhandlung herausstellen. Wenn keine weiteren Fragen an die Zeugin bestehen, würde ich sie gerne entlassen. Keine weiteren Fragen? Gut.
Verteidigerin: Ich würde gern einen weiteren Zeugen in den Zeugenstand rufen, euer Ehren.
Staatsanwalt: Jetzt kommt wieder die berühmte Überraschungszeugentaktik, was Kollegin? Wie oft wollen Sie das denn noch machen? In jeder Verhandlung dasselbe.
Verteidigerin: Nun, ich denke, der Zeuge könnte erheblichen dazu beitragen, diesen Fall aufzuklären.
Richterin: Nun gut, wie heißt der werte Herr denn?
Verteidigerin: Darth Vader!
Richterin: Der ist wohl nicht von hier, was? Dann rufe ich Herrn Darth Vader in den Zeugenstand.
Ein Lautenspieler spielt beim Eintreten eine pompöse Melodie.
Richterin: Ruhe im Gerichtssaal!!!
So, zunächst mal zu Ihren Personalien: Ihr Name ist also Darth Vader, richtig?
Darth Vader: Korrekt. Geborener Skywalker.
Richterin: Sie atmen so schwer, ist alles in Ordnung?
Darth Vader: Ich bin starker Raucher. Mein Hausarzt mein, dies sei eine Begleiterscheinung.
Richterin: Wie dem auch sei. Sie sind wie alt?
Darth Vader: 156 Jahre.
Richterin: Okay, dann nehme ich mal die Belehrung vorweg. Sie müssen vor Gericht die Wahrheit sagen. Bei Falschaussage machen Sie sich auch im unvereidigten Zustand strafbar und müssen mit einer Haftstrafe rechnen. Also, wie alt sind Sie?
Darth Vader: 56.
Richterin: Geht doch. Zur Zeit wohnhaft in...?
Darth Vader: Tatooine.
Richterin: Nie gehört. Das ist wohl hinter dem Jordan, was? Was machen Sie zur Zeit beruflich?
Darth Vader: Ich bin Betreiber eines Schreibwarenladens. Die Geschäfte laufen nicht so gut, da kaum jemand schreiben ka...
Richterin: Jaja, schon gut. Mit dem Angeklagten sind Sie weder verwand noch verschwägert?
Darth Vader: Zum Glück nicht.
Richterin: Schön, dann würde ich gern wissen, was Sie zu diesem Fall beitragen können.
Darth Vader: Jesus, ich bin dein Vater.
Jesus: Was?
Darth Vader: Dein Vater, du bist mein Sohn, Jesus.
Jesus: Wie lächerlich ist das bitte? Mein Vater sitzt da drüben.
Richterin: Ich würde jetzt langsam auch gern mal wissen, was das soll.
Darth Vader: Es war so: Ich lernte Maria vor 33 Jahren auf dem Frühjahrsfest zu Bethlehem kennen. Die Alte war echt hackenstramm, total dicht. Und als ich erfuhr, dass sie noch Jungfrau sei, da habe ich mich an sie rangemacht. Sie war direkt angetan von meiner Uniform, sie stand auf Uniformen, und so landeten wir ziemlich bald im Stroh.
Jesus: Alles Lüge! LÜGE!
Richterin: Mäßgen Sie sich! Ich ermahne Sie kein weiteres Mal!
Jesus: Sind denn hier alle dumm, oder was? Hallo, der Typ da ist doch nie und nimmer mein Vater. Was ist das überhaupt für eine lächerliche Uniform? Was wird hier überhaupt gespielt?
Darth Vader: Zügel dich, junger Skywalker!
Jesus: Was? Junger wer? Ich glaub, ich spinne! Was ist denn das überhaupt für ein Zeuge? Mutter, sag denen doch, dass du diesen Freak hier nicht kennst!
Maria: Ich...ich...
Jesus: Mutter!
Maria: Ich...war betrunken, Junge. Ich kann mich nicht genau erinnern...
Jesus: MUTTER!
Maria: Es...es tut mir leid...ich weiß gar nichst mehr...
Jesus: Das ist doch eine reine Farce! Was für ein Scheiß ist das hier?! Der Honk da ist doch niemals mein Vader...Vater! Hallo? Ich mache Wasser zu Wein, kann der das?! Ich gebe Blinden das Augenlicht zurück, kann der das etwa auch?! Ich glaube kaum! Der Mann da ist nicht mein Vater! Der kann gar nicht mein Vater sein!
Verteidigerin: Na, das ist ja interessant. Mein Mandant kann meines Wissens auch kein Wein aus Wasser zaubern oder gar Blinde sehen machen. Nach Ihrer Logik kommt er also auch nicht als Ihr Vater in Frage.
Jesus: Josef ist mein Vater! Gott ist mein Zeuge!
Richterin: Na, dann rufen wir ihn doch direkt mal in den Zeugenstand...
Jesus: Aaaaargh! Sind denn hier alle total verblödet?!
Richterin: So, mir reicht es jetzt. Ich habe Sie gewarnt. Ich verhänge ein Ordnungsgeld in Höhe von, was weiß ich, 3 Kamelen oder ersatzweise auch eine Kreuzigung.
Jesus: Ja, schön, kreuzigt mich doch für meine Überzeugung. Das ist doch einfach lächlich, ich fass es nicht...
Josef: Jetzt spiele doch hier nicht wieder den Märtyrer, Jesus. Du weißt, ich habe dich stets behandelt wie mein eigen Fleisch und Blut, aber ich habe nie mit deiner Mutter geschlafen. Ich kann nicht dein Vater sein.
Jesus: Schonmal was von unbefleckter Empfängnis gehört? Nein? Kann man wohl auch nicht erwarten, von so nem einfachen Zimmermann...
Josef: Wie redest du mit deinem V...ich meine...deinem Stiefvater?!
Richterin: Ganz schön chaotische Familienverhältnisse, muss man sagen. Was diese unbefleckte Empfängnis sein soll, müssen Sie mir aber auch nochmal genauer erklären.
Jesus: Meine Mutter ist Jungfrau, ja. Sie hat mich geboren, weil ich Gottes Sohn bin. Gott ist mein Erzeuger! Ich bin hier, um seine Botschaft zu verkünden. Damit ich das kann, brauche ich nunmal das nötige Kleingeld und den lieben Herrgott kann ich wohl kaum auf Unterhalt verklagen, das verstehen Sie doch sicher.
Richterin: Ja, ich verstehe durchaus. Sie versuchen hier einen eh schon armen Mann für Ihre Zwecke auszunehmen, schreien im Gerichtssaal rum, beleidigen das Gericht und bringen Schande über ihre Familie. Schonmal von den 10 Geboten gehört? Vater und Mutter ehren und so, nein? Na, vielleicht sind die ja auch noch gar nicht verlesen, keine Ahnung. Die Opposition macht das Durchbringen neuer Gesetze immer so schwer. Jedenfalls habe ich denke ich genug gehört, um mich zur Urteilsfindung zurückzuziehen. Der Zeuge Vader ist, wenn keine weiteren Fragen bestehen, wovon ich ausgehe, entlassen und bleibt unvereidigt.
Darth Vader: Möge die Macht mit Ihnen sein...
Richterin: Ja, wird sie schon...

Pause.

Richterin: Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Der Angeklagte wird in allen Anklagepunkten freigesprochen. Die Verhandlungskosten gehen zu Lasten des Klägers.
Zur Urteilsbegründung: Es hat sich zweifelsfrei herausgestellt, dass...Rechtsmittelverzicht...etc...Vehandlung ist geschlossen, tschö.

Jesus Christus konnte weder die 3 Kamele noch...die...Münzen...oder so für die Gerichtsverhandlung aufbringen und fand kurz darauf den Tod am Kreuze.

Tuesday, February 20, 2007

iRAK

Die Lösung des Irak-Konflikts liegt doch auf der Hand.
Bei mir ist es gerade ein Lakritz-Batzen.

Monday, February 19, 2007

Achtundvierzigstundensonntag

Montag, habe ich gesagt, heute nicht. Er drehte sich knurrend um und schlief ein. Noch eine Woche länger lässt er sich sicher nicht vertrösten.

Tuesday, February 06, 2007

Ampelkoalition

Etwas ganz schreckliches ist passiert!

Wie, was denn?

Ich ging heute morgen durch den Park, da fiel es mir zuerst auf. Die Wiese, die Bäume, ich rannte nach Hause, der Kaktus...er ist einfach weg.

Da steht er doch. Auf der Fensterbank.

Doch nicht der Kaktus. Ich meine diesen ganz speziellen Grünton. Dieses ganz spezielle Grün ist einfach verschwunden, nicht mehr da, ich kann es nicht mehr sehen, es ist ganz komisch.

Was? Der Kaktus ist doch grün. Wieso sollte denn Grün weg sein? Da ist es doch. Und über die Ampeln bin ich heute sicher auch nicht bei Rot gefahren.

Nein, du verstehst nicht, es war nicht irgendein grün, es war eine ganz spezielle Schattierung von Grün, eine ganz, ganz feine Schattierung, und die ist einfach weg. Überall wo ich sie sah, weg. Einfach so. Von heute auf morgen. Ich verstehe das nicht...

Was redest du denn da für einen Blödsinn? Eine Farbe verschwindet doch nicht so einfach. Wie soll denn das gehen? Und selbst wenn, es gibt wasweißich wie viele Millionen verschiedender Farben, da kommt es auf eine mehr oder weniger auch nicht an.

Aber es war meine Lieblingsfarbe. Du verstehst das nicht, ich...

Richtig, ich verstehe das nicht. Weil das Unfug ist, was du da redest. Ich meine, mal ganz hypothetisch angenommen, du könntest tatsächlich diesen ungemein tollen Grünton sehen beziehungsweise ja jetzt nicht mehr, wie auch immer, auf jeden Fall sehe ich da das Problem nicht. Du machst mal wieder aus nem Elefanten einen Blauwal. Es gibt noch zig Millionen andere Farben, such dir halt eine neue davon aus, es gibt ja sogar noch genügend andere Grüntöne. Da wirst du doch irgendwo wohl Ersatz finden können.

Mir fehlt aber das besondere Grün. Vor allem in deinen Augen...

Sunday, January 28, 2007

Tornesch

Da stehst du nun. Ich komme immer noch jeden Morgen mit zum Bahnhof, um dich zu verabschieden. Heute fährt der Zug nicht, weil er entgleist ist, direkt vor unseren Augen. Du siehst ganz schön erschrocken aus. Es ist ganz still, nur ein Zischen hört man. Niemand außer uns hat auf den Zug gewartet, so früh fährt hier niemand zur Arbeit, nur du. Und jetzt stehst du da, mit offenem Mund, auf den entgleisten Zug starrend, sagst nichts. Ich wünschte, du würdest was sagen. Oder mir in die Augen sehen, wenigstens mir in die Augen sehen, das hast du schon so lange nicht getan. Du weißt wahrscheinlich nicht einmal mehr, welche Farbe meine Augen haben. Den Zug kannst du scheinbar stundenlang anglotzen, aber für mich hast du nicht mal eine Sekunde übrig. Jeden Morgen stehe ich hier und heule und du glaubst immer noch, es sei nur der Wind, der mir die Tränen in die Augen treibt, selbst wenn es eigentlich keinen Wind gibt. Und jetzt tränen deine Augen, zum ersten Mal seit Jahren scheinst du zu weinen. Doch du wirst mir sagen, dass es nur vom Rauch ist, welcher aus dem Zug heraus in deine Augen weht. Wenn es doch wenigstens gelogen wäre. Dann wirst du sagen, dass du das Auto nimmst und irgendwann heute Abend kommst du heim, schmierst dir ein Brot und wirst noch ein wenig vor deinem Computer hocken, während ich unten sitze und weine, bei geschlossenen Fenstern. Dein Scheißcomputer. Als würde es nicht reichen, den ganzen Tag auf Arbeit dranzusitzen. Und am nächsten Morgen werde ich dich zum ersten Mal nicht zum Bahnhof bringen, weil kein Zug fahren wird. Du wirst das Auto nehmen und ich winke dir dann nach, mit Tränen in den Augen und heimlich wünschend, der Zug wäre erst ein paar Kilometer später entgleist.

Tuesday, January 23, 2007

Unter dem Eis

Seit ich denken kann, ist der große Fluss zugefroren. Doch hat man uns immer davor gewarnt ihn zu betreten. Das Eis sei zu dünn, sagten sie dann. Also wuchsen wir zwischen dem großen Fluss und dem arktischen Meer auf, in einer kleinen Stadt, in der es Fisch zu essen gab. Tatsächlich gab es nur Fisch. Gut, Brot gab es noch, aber selbst das schmeckte nach Fisch. Und alles roch danach. Irgendwann hatte ich sozusagen die Nase voll von diesem permanenten Gestank, der einen täglich umgab. Ich erzählte ihm davon, doch er meinte nur, dass man sich doch irgendwie an den Geruch auch gewöhnen kann. Aber das konnte ich nicht. Ich wollte mehr riechen als nur Fisch. Immer Fisch, Fisch, Fisch. Ich biss in mein letztes Stück Brot und legte mich schlafen.
Nachdem es schon vier Wochen nicht dunkel wurde, beschloss ich zu gehen. Über den großen Fluss, egal was da sein möge, schlimmer als dieser Gestank konnte es wohl kaum sein. Ich fragte ihn, ob er mich begleiten würde. Er verneinte und wies auf die Gefahr hin, das brüchige Eis, das brüchige Eis, Eis, Eis, und was soll schon hinter dem großen Fluss sein, fragte er da noch. Und als seine Stimme kurz wegbrach wusste ich, dass er selbst schon oft daran gedacht haben musste. Er würde es nie zugeben, aber ich wusste es. Ich kannte ihn so lange, so gut, doch würde er mir gegenüber dennoch nie seine schwachen Momente zugeben, geschweige denn sonst irgendjemandem davon erzählen. Er würde selbst dann noch Witze reißen, wenn ihm eigentlich zum Heulen zumute ist. Ich antwortete also, dass es mir egal sei, was da ist, solange es nicht nach Fisch riecht. Er lachte, als hätte ich einen Witz gemacht. Und da wusste ich, dass ich allein gehen würde. Er ging zurück zu den anderen an den Tisch und aß seinen Fisch, mit dem ich mich nun nicht mehr zufriedengeben wollte. Ich packte ein Stück Brot ein und machte mich auf die Reise.
Nach vielen Stunden stieß ich schließlich auf ein Loch im Eis. Auf der sichtbaren Wasseroberfläche schwamm eine Art Tasche, die ich ganz vorsichtig herauszog. Das Eis knackte leise, doch in diesem Moment war es mir egal. Ich untersuchte die Tasche und alles was ich fand war ein kleines Büchlein, in das mit einer mir fremden Schrift hineingekritzelt wurde, dazu eine Dose Fisch. Ich schaute noch einmal in das Loch, sah mein gespiegeltes Gesicht und robbte nun vorsichtig zurück. Dann drehte ich um und beschloss mich mit dem Fisch zufriedenzugeben, den ich mein ganzes Leben jeden Tag riechen musste, und mit einem Freund, den ich nie kennen lernen durfte, weil er wie ich nicht auf die Warnungen hören wollte.

Tuesday, December 12, 2006

Salz & Pfeffer

All seine Beatmungsversuche schlugen fehl. Sie war längst tot, als er sie aus dem Wasser zog und er brach schließlich über ihrem leblosen Körper zusammen, das Salz ihrer blauen Lippen an seinen, der Schmerz so groß wie das Meer selbst.
Und der salzige Geschmack, er war alles, was ihm blieb. Wenn er wieder an sie dachte, war er so präsent, so real, es war, als sei er wieder am selben Strand und die Feuchtigkeit seiner Lippen schien hoch in seine Augen zu steigen. Dies änderte sich auch nicht, als er sie traf. Vieles andere änderte sich, doch wann immer seine Lippen ihre berührten, war er da, dieser salzige Geschmack, die Erinnerung, der Schmerz, die Feuchtigkeit, die in seine Augen stieg, alles.
Doch sie blieb bei ihm. Und sie gab nicht auf. Sie küsste ihn lange, hoffte, dass es irgendwann aufhören möge, doch es hörte nicht auf, der salzige Geschmack, die Erinnerung, der Schmerz, die tränenden Augen.
Und als alles verloren schien, da küsste sie ihn noch einmal und plötzlich war alles anders. Kein Salzgeschmack, der die Erinnerung hervorrief, keine Erinnerung, die den Schmerz auslöste, kein Schmerz, der die Feuchtigkeit in die Augen trieb. Und sie fragte sich, wieso sie nicht früher darauf gekommen war. Sie nahm einfach etwas Pfeffer und verteilte diesen auf ihren Lippen.
Nach einer gewissen Zeit war sie es leid, dass jeder Kuss nach Pfeffer schmeckte. Nachdem sie sich küssten, rannte sie weinend davon und verschwand aus seinem Leben so rasch, wie sie aufgetaucht war. Und er verstand es nicht. Er konnte es nicht verstehen. Er wusste nicht, dass sie den Pfeffer bei diesem letzten Kuss weggelassen hatte. Er wusste nicht, warum sie nach diesem letzten Kuss unter Tränen davonlief, wo er doch nicht mehr weinte. Und er sollte niemals erfahren, dass sie bei diesem letzten Kuss das Salz schmeckte, das er glaubte, niemals wieder von seinen Lippen spülen zu können.

Friday, December 01, 2006

Die Sekretärin

Und Sie sind Frau...?
- Traurigkeit.
Wie bitte?
- Traurigkeit. Mein Name ist Traurigkeit.
Das ist aber mal ein ungewöhnlicher Name. Den habe ich vorher noch nie gehört.
- Der ist jiddisch. Kaufmann, Goldhals, Traurigkeit, gar nicht so ungewöhnlich. Viele heißen so. Viele Juden.
Ah ja. Gut. Sie sind also hier, um sich für die freie Stelle zu bewerben, richtig?
- Ja, richtig.
Nun, Ihre Qualifikationen sind ja wirklich ausgezeichnet, Frau...Traurigkeit. Sie haben bisher hauptsächlich halbtags gearbeitet, erwähnten Sie am Telefon, ja?
- Genau. Wegen der Kinder.
Ach, Kinder haben Sie auch? Wie viele sind es denn?
- Es sind zwei. Sieben und elf Jahre alt.
Ihnen ist aber schon bewusst, dass es sich bei der freien Stelle um einen Vollzeitarbeitsplatz handelt, oder?
- Natürlich. Das ist in Ordnung.
Kümmert sich Ihr Mann um die Kinder? Oder haben Sie eine Tagesmutter angedacht?
- Ich habe keinen Mann. Eine Tagesmutter wäre mir zu teuer.
Aber wo bleiben denn dann Ihre Kinder, wenn Sie hier sind?
- Ach die, die habe ich weggeben.
Wie meinen?
- Die Kinder. Ich habe sie weggeben.
Weggeben?! Aber wohin denn nur??
- Na, an ein Kinderheim. Ich habe denen gesagt, dass ich nicht mehr die Mutter dieser Kinder sein möchte. Und sie haben es verstanden, nachdem ich es ihnen erklärte.
Aber was um alles in der Welt haben Sie denen denn gesagt? Was treibt Sie denn nur dazu, einfach Ihre Kinder ins Heim zu stecken? Es ist ja wohl nicht nur aufgrund der Aussicht auf einen besseren Job, nehme ich an?
- Nein, nein, ganz und gar nicht...
Ja, aber warum um Himmels Willen denn dann?
- Sie sollten einfach keine Kinder von Traurigkeit mehr sein.

Saturday, November 25, 2006

Der Tod des Landschaftsgärtners - Ein Einakter



Personen

Ein Mann, Landschaftsgärtner
Der Tod


Erster und letzter Auftritt, erster und letzter Aufzug

Stadtpark, eine mitteleuropäische Großstadt




Mann: Hey, Sie, na Sie sind mir ja einer. Sie sehen ja aus wie der Tod persönlich.
Tod: Ach, finden Sie? Sowas haben schon viele gesagt, vielleicht ist da ja doch was dran.
Mann: Na wenn Sie hier mit Ihrer schwarzen Kaputze und so 'ner rostigen Sense rumsitzen, da kann man schon auf so einen Gedanken kommen. Aber ich warne Sie! Hacken Sie bloß nicht mit Ihrem Gerät in meinen Beeten rum! Sonst können wir gerne den Spieß umdrehen und SIE machen Bekanntschaft mit dem Tod!
Tod: Is' ja gut, Mann! Regen Sie sich ab! Ich will hier nur in Ruhe meine Stulle essen, dann gehe ich wieder an die Arbeit. Ihre Beete interessieren mich dabei nicht sonderlich.
Mann: Aha, was arbeiten Sie denn, wenn man fragen darf?
Tod: Wonach sieht's denn aus, mein Herr?
Mann: Ja, klar, Sie Spinner! Als ob der Tod eine Stulle essen müsste, um sich zu stärken...
Tod: Irgendwovon muss der Tod doch auch leben, mein Herr.
Mann: Sicher. Das ist sicher ein stressiger Job, was? Sterben ja täglich ein paar Millionen Menschen. Im Moment stirbt doch sicher auch jemand, sollten Sie da nicht dabei sein?
Tod: Quark, Mann! Jetzt hab ich Pause. Jetzt ess' ich meine Stulle und danach sehen wir weiter.
Mann: Und was ist mit den Menschen, die in Ihrer Pause sterben?
Tod: Na deren Seele bleibt halt so lange noch in deren toten Körpern. Ist doch kein Problem. Seelen werden ja nicht schlecht oder verfaulen mit. Was dachten Sie denn? Dass ich bei jedem einzelnen Todesfall dabei bin? Wie soll ich das denn anstellen? Ich sammle nur die Seelen ein, nachdem die Leute verstorben sind...
Mann: Und was stellen Sie dann mit diesen Seelen an, wenn man fragen darf? Bringen Sie die guten in den Himmel und die bösen in die Hölle, oder wie darf ich das verstehen?
Tod: Pff, spinnen Sie doch nicht rum, Mann. Gut und böse gibt's bei Seelen schonmal gar nicht. Seelen sind Seelen. Zum Feierabend gebe ich die dann zum Recycling.
Mann: Bitte was? Wie bitte recyclet man denn Seelen?
Tod: Mann, sind Sie schwer von Begriff. Schonmal 'ne Flasche ins Altglas gebracht? Wesentlich anders läuft's bei den Seelen auch nicht ab.
Mann: Und was wird dann aus den Seelen?
Tod: Na neue Flaschen...Seelen mein ich. Sie machen mich ganz meschugge, Mann. Die werden dann eben in Neugeborene eingepflanzt.
Mann: Also gibt es kein Leben nach dem Tod? Besitze ich auch so eine recyclete Seele, oder wie?
Tod: Haha, Leben nach dem Tod, nee, vergessen Sie das mal ganz schnell wieder. Man nimmt einfach ne Seele, schmeißt sie in den Container und ab dafür. Wie bei Glas gibt es übrigens auch bei Seelen für die verschiedenen Farben unterschiedliche Container. Da gibt es Weißseelen, Schwarzseelen, Braunseelen, Gelbseelen...
Mann: Was? Sie wollen allen Ernstes behaupten, Seelen seien nach Rassen getrennt?
Tod: Klar, Mann. Macht ihr hier unten doch auch nicht anders. Einmal, da habe ich aus Versehen 'ne weiße Seele in den Schwarzseelencontainer geschmissen. Das gab vielleicht einen Ärger. Aber das Weiße schimmerte dann doch irgendwann auch äußerlich durch und der Typ wurde dann Sänger oder sowas. Die Seele war auch irgendwie ganz kaputt irgendwann. Sowas passiert halt, wenn man sich mal vertut. Das ist halt ein wirklich verantwortungsvoller Job, den ich da habe. Man muss ja auch die Frauen- von den Männerseelen unterscheiden. Dabei läuft mir auch des Öfteren mal was schief. Dann werden die homo oder lassen sich gar umwandeln und so Zeug. Da muss man dann auch aufpassen, wenn man sich die Seelen zurückholt, dass man die das nächste Mal nicht wieder falsch einschmeißt.
Mann: Das ist ja furchtbar! Lastet denn die Verantwortung allein auf Ihren Schultern? Haben Sie denn gar keinen, der Sie unterstützt?
Tod: Nee, auch der Himmel muss Personal einsparen. Aber mein Boss hat mir vor ein paar Jahren dann die Stundenzahl gekürzt, weil ich wirklich fast rund um die Uhr am Schuften war. Zuerst hat er für alle Chinesen eine einzelne Seele entwickeln lassen, so dass ich die der Verstorbenen nicht mehr extra einsammeln muss. Wir nehmen da jetzt einfach immer 'ne Kopie von diesem Prototyp da. Sehr praktisch, das. Und na ja, Afrika habe ich dann vor ein paar Jahren auch aufgeben dürfen. Die sterben da einfach wie die Fliegen, da kommt ja keiner mehr hinterher. Die machen dafür aber so komische Begräbnistänze. Dadurch setzen sie die Seelen wohl auch irgendwie frei, hab' ich nie so ganz verstanden. Ob die Neugeborenen da überhaupt noch Seelen eingepflanzt bekommen weiß ich leider auch nicht, das is' ja 'ne ganz andere Abteilung. Zum Glück lebt ihr in Mitteleuropa mittlerweile alle so lang. Zu Zeiten der Pest damals hab ich echt kaum Schlaf bekommen wegen euch...
Mann: So, so, der Tod muss also auch noch schlafen, verstehe. Würde mich nicht überraschen, wenn er auch noch selber sterben könnte...
Tod: Blödsinn. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin, dann mache ich eben mehr Fehler beim Sortieren. Diese Weltkriege damals, da sind mir auch ein paar Seelen abhanden gekommen, weil ich so übermüdet war. Durch diesen ständigen Bevölkerungswachstum auf der Welt kommt man auch mit dem Kopieren kaum nach, so dass viele erstmal ohne Seele auskommen müssen. Oder halt mit ner chinesischen, die sind recht simpel, da geht das Kopieren schneller.
Mann: Ich habe doch wohl hoffentlich keine chinesische Seele, oder?
Tod: Iwo, Sie haben die typische, mitteleuropäische Arbeiterseele. Davon gibt's auch nicht mehr so viele wie früher einmal. Ich bin einfach überarbeitet, brauche mal Urlaub oder sowas. Aber dann alles nacharbeiten, nä, da hab' ich auch keinen Bock drauf.
Mann: Sie haben wirklich einen an der Klatsche, mein Herr. Solch eine absurde Geschichte habe ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Wenn Sie wirklich der Tod wären, wieso könnte ich Sie denn dann wohl sehen, hm? Hm?!

Wednesday, November 22, 2006

dreißigprozentschlimm

Nur nicht zuviel erwarten.
Dieses Jahr habe ich ein besonders tolles Geschenk für dich zu Weihnachten. Ich will nicht enttäuscht sein. Enttäuscht, weil du kein Geschenk für mich hast. Ich will dir nur eine Freude machen. Du hast viel um die Ohren und kommst sicher nicht dazu, dir ein schönes Geschenk für mich auszudenken. Das ist schon okay.

Meine Probezeit ist bald rum. Ich mache meinen Job ganz gut, denke ich. Hab' mich schnell eingefunden hier. Die Kollegen gehen zusammen mittagessen. Sie kennen mich noch nicht so gut, vielleicht nehmen sie mich mal mit, zum Essen, wenn ich übernommen werde. Ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht übernommen werde, glaube ich. Ja, ich mache meine Arbeit gut, aber die Unternehmen müssen ja auch wirtschaften, da bin ich dann vielleicht zu teuer. Oder es gibt jemand, der meine Arbeit noch besser kann. Vielleicht bin ich nicht gut genug. Vielleicht denke ich nur, ich sei gut, dabei hat den Job vielleicht schonmal jemand besser gemacht. Ich esse zu Hause ja auch allein, da ist das hier gar kein Problem. Wahrscheinlich übernehmen sie mich nicht. Ich will nicht enttäuscht werden. Ich darf nur nicht zuviel erwarten, dann bin ich es nicht. Nur ein bisschen vielleicht.

Die Heilungschancen liegen bei 70%, sagt der Arzt. Ich weiß noch, wie ich geweint habe, als ich von deiner Krankheit erfahren habe. Wie wir beide dasaßen und weinten, Arm in Arm, weil wir es einfach nicht fassen konnten. Es klang so schlimm, jetzt ist es nur noch dreißigprozentschlimm. Morgen um diese Zeit operieren sie dich schon. Wie der Arzt das wohl berechnet hat, die 70%? Ob er da eine Statistik über ähnliche Operationen zu Rate gezogen und einfach die Toten gezählt und von der Gesamtheit aller Operationen abgezogen hat? Ich weiß es nicht. Ob der Arzt bei Studienantritt wusste, wieviel Mathematik er in seiner beruflichen Laufbahn noch begegnen wird? Ob er da enttäuscht war? Ich wäre es wohl gewesen. Ich war in Mathe auch nie besonders gut. Womöglich hätte ich mich auch hier verrechnet und den Angehörigen ganz falsche Hoffnungen gemacht. Morgen abend werde ich dich dann im Krankenhaus besuchen. Zu 70%.

Und wenn nicht? Wo wirst du sein, wenn du nicht mehr lebst? Bist du dann überhaupt noch? Irgendwo? Im Himmel vielleicht, wie man es uns damals im Konfirmandenunterricht erzählte? Weißt du noch? Wärest du enttäuscht, weil du noch soviel machen wolltest, unten auf Erden. Wir wollten doch noch gemeinsam die Wohnung streichen, erinnerst du dich? Ganz rot, weil du weiß so spießig findest.
Ich wäre wohl enttäuscht. Enttäuscht, dass Enttäuschungen auch nach dem Tod nicht aufhören. Ich hab's dir immer gesagt, erwarte nur nicht zuviel, dann bist du nicht so sehr enttäuscht. Nur ein bisschen vielleicht. Gerade frage ich mich, wie es wäre, wenn du morgen abend gar nicht mehr wärst. Wenn nach dem Tod kein Leben kommt. Wärst du auch enttäuscht, wenn es kein Leben mehr gibt, wenn das irdische Leben vorbei ist? Nein, wie solltest du auch? Du könntest ja gar nicht enttäuscht sein, wenn du nicht mehr bist.
Ich will doch gar kein Geschenk. Ich brauche den Job doch überhaupt nicht, auch keine Kollegen um mich in der Mittagspause. Alles, was ich brauche, sind dreißigprozent mehr, um diese Nacht zu überstehen. Um nur nicht zuviel zu erwarten. Ich will dich morgen abend besuchen. Ich will mit dir zu Mittag essen. Ich will rote Wände. Es ist doch bald Weihnachten.

Zu 70% bin ich morgen abend nicht enttäuscht. Für die verbleibenden dreißigprozent wünsche ich dir, dass zumindest du es nie mehr sein musst, selbst wenn es vielzuviel erwartet ist.

Saturday, November 18, 2006

Schwarzes Schaf

Es brannte in jener Nacht, in der er schlafwandelnd vor einen heranbrausenden Löschzug lief. Er brach sich beim Aufprall diverse Knochen in diversen Körperregionen, doch nach wenigen Wochen konnte er entlassen werden. Er war froh aus dem Krankenhaus zu sein, in welchem er von Schwester Tina stets wortarm und lieblos abgefertigt wurde. Wie ein Kaugummipäckchen, das über den Supermarktscanner gezogen wird.
Seine Mutter holte ihn ab, sagte kaum ein Wort, sah ihn kaum an, sah nur auf die Straße, wie ein Zombie blickte sie drein, wie eine Tote unter den Lebenden.
Als sie zu Hause ankamen, war außer den beiden niemand daheim. Normalerweise ist sein Vater um diese Zeit hier. Er hatte sich darauf gefreut, mit ihm ein wenig Autorennen zu spielen, auf der Konsole, doch er traute sich nicht zu fragen, wo er denn sei, der Vater. Er kam auch nicht zu Besuch, als er im Krankenhaus lag. Als einziges Familenmitglied besuchte ihn die Großmutter. Vater arbeitet, er arbeitet ja so viel, sagte diese stets. Mutter geht es nicht gut, die Mutter hat viel zu tun. Nun sah er mit eigenen Augen, dass es Mutter nicht gut ging. Doch er traute sich nicht zu fragen, warum. Auch fragte er nicht, wo denn sein Vater sei. Er fürchtete sich vor der Antwort, ohne genau zu wissen, weshalb.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, da war seine Hand ans Bettgestell gekettet. Er erschrak und schrie, bis endlich seine Mutter auftauchte, um ihn loszumachen. Er sah, dass sie weinte, weinte selbst, rief seinen Vater, doch er kam nicht und seine Mutter schluchtzte nur noch mehr. Sie fasste ihn bei der Hand, nahm ihn mit in den zweiten Stock, wo sein Vater oft bis spät in der Nacht am Computer saß und arbeitete. Doch der Computer war nicht da, nur schwarz, überall schwarz.

Er stürmte in sein Zimmer zurück, kettete sich ans Bett und wollte schlafen, nur noch schlafen und die Sirenen loswerden, die seinen Kopf nicht mehr verließen.

Sunday, October 22, 2006

Wie der Mann, der immer alles falsch machte, keinen Selbstmord beging

...und als er es wieder einmal vermasselt hatte, sprang der Mann, der immer alles falsch machte, hinter den Zug und musste schließlich selbst ein wenig lachen, während die kräftigen Männer der S-Bahn-Wache ihn von den Gleisen zogen.

Wednesday, October 11, 2006

Kirschkreislauf

Heute sagte jemand zu mir, der Sommer sei wohl vorbei. Dies war für diese Person kein schöner Gedanke, also versuchte ich sie aufzuheitern, indem ich ihr sagte, der Sommer sei gar nicht vorbei, er sei nur jetzt woanders. Vergebens.

Es ist an sich jedoch irgendwie beruhigend, dass er nie wirklich aufhört, der Sommer. Oder das Tageslicht. Selbst der schönste Sonnenuntergang ist irgendwo unendlich. Er wandert einfach nur weiter.

Manchmal glaube ich fast, Gefühle seien wie Jahreszeiten. Sie kommen und gehen, halten nie an, wandern nur weiter, weil alles sich dreht. Als hörte man nie auf die selbe Person zu lieben, auch wenn man nun vielleicht den Sonnenuntergang mit jemand anderem teilt. Als wandere nur alles vom Bewussten ins Unbewusste, als verdränge der Herbst den Sommer, der Winter den Herbst, der Frühling den Winter bis schließlich ein neuer Sommer den alten in Vergessenheit geraten lässt.
Und doch ist der neue Sommer gleichzeitig der alte, der gewanderte. Er kehrt zurück und man erkennt ihn nicht wieder, weil er sich doch verändert haben muss, nach all der Zeit. Doch der Sommer ist der selbe wie im letzen Jahr. Es ist der selbe Sommer wie seit Urzeiten. Der Sommer verändert sich nicht. Der Winter zwingt ihn nur immer und immer wieder zu einem Neuanfang. Was war bedeckt er mit Schnee und Eis, bis die ersten Sonnenstrahlen die dicke Schicht zum Schmelzen bringen und alles neu heranwachsen kann.
Doch wachsen an einem Kirschbaum nicht plötzlich Äpfel. An einem Nussbaum gedeihen auch nicht auf einmal Melonen. Es wachsen die gleichen Früchte, die auch im Jahr zuvor schon dort wuchsen. Die gleichen Kirschen und Nüsse. Vielleicht schmeckten die vom letzten Jahr irgendwie besser, vielleicht bildet man es sich jedoch auch einfach nur ein. Dann wünscht man sich, man hätte damals ein paar eingefroren, um sie jetzt noch essen zu können. Doch im Hinterkopf weiß man, dass sie dadurch wohl an Geschmack verloren hätten.

So akzeptiert man irgendwann einfach den Kreislauf all jener Dinge, denkt von Zeit zu Zeit vielleicht noch einmal an diese Kirschen, die besonders gut waren und wartet darauf, dass es wieder wärmer wird. Vielleicht war der letzte Sommer auch einfach zu verregnet um gutes Obst hervorzubringen.

Monday, September 25, 2006

Moll

Mein Klavier ist mein bester Freund. Mit ihm kann ich total albern, aber auch sehr traurig sein. Was ich auch bin, so ist es auch.

Es fängt meist traurig an, wird zunehmend alberner, fängt neu an, fängt mich auf.

Mein Klavier ist ein elektrisches Klavier. Ich schalte es ein, setze meine Kopfhörer auf, weil niemand hören will, wie ich wirklich bin.

Manchmal fängt es traurig an, will einfach nicht albern werden. Dann schalte ich es aus, als wäre es mein Kopf.

Mein Klavier ist mein bester Freund. Ich erzähle ihm alles. Ich höre ihm zu. Viel zu spät merke ich erst, dass ich, genaugenommen, Selbstgespräche führe.

Mein Klavier ist ein elektrisches Klavier. Wenn ich es ausschalte, wünsche ich mir manchmal ein richtiges Klavier. Dann gäbe es kein Ein und kein Aus, kein Anfang und kein Ende.
Doch spielte ich darauf, stünden wenige Augenblicke später die Nachbarn vor meiner Tür und bäten mich darum, doch etwas weniger albern zu sein.

Und so denke ich manchmal an diese traurigen Gestalten, während ich den Ausschaltknopf betätige und versuche, einen Rest Albernheit mit in den Schlaf zu retten.

Tuesday, September 12, 2006

Als Thorsten vergaß zu gratulieren...

Ich war nie Teil eines Lebens. Klar, Menschen hatten mit mir zu tun, anders geht es ja wohl nicht, richtig? Doch wenn ich nicht da war, war ich auch aus ihren Köpfen verschwunden. Als hätte es mich nie gegeben. Doch es gab mich. Nur nahm niemand so wirklich Notiz davon, wenn ich nicht direkt vor ihnen stand. Und selbst dann war es manchmal schwer.

Nicht, dass ich mich je sehr darum bemüht hätte, Teil eines Lebens zu sein. Nein, nein, ganz und gar nicht. Ich war immer schon gern allein. Was ist das denn schon, jemandem wichtig sein? Jemandem etwas zu bedeuten? Das heißt doch nur Verantwortung. Und Verantwortung heißt auch gleichzeitig Belastung. Und Belastung heißt Stress. Und von Stress bekommt man Haarausfall und im schlimmsten Falle sogar einen Infarkt. Wieso die Menschen freiwillig ihre Gesundheit so aufs Spiel setzen ist mir schon immer ein Rätsel gewesen.

Wenn man Teil eines Lebens ist, dann denkt man viel zu viel nach. Über Dinge, die einen sonst gar nicht interessieren. An jemand anderen. Nicht mehr nur an sich selbst. Dabei hat man mit sich selbst doch schon genug zu tun, wie soll man da auch noch jemand anderen unterbringen? Irgendwie geht das. Irgendwie geht das wohl bei manchen Leuten. Ich könnte das nicht. Und die Menschen merken das, glaube ich. Deshalb lassen sie mich nicht in ihr Leben. Deshalb bleibe ich vor der Tür und klingele ab und zu, um ein kurzes, belangloses Schwätzchen zwischen Tür und Angel zu halten, bevor ich wieder verschwinde, aus ihren Köpfen, aus ihren Leben. Wenn sie wollten, dass ich ein Teil ihres Lebens werde, dann würden sie mich doch hineinbitten, nicht wahr? Ist doch so.
Vielleicht bin ich auch nicht energisch genug. Jeder Staubsaugervertreter hätte bessere Karten hereingelassen zu werden. Und jedesmal, wenn sie dann den Staub aus dem Teppich saugten, würden sie an ihn denken, wie nett er gewesen sei, der Herr Staubsaugervertreter, und all die Komplimente die er ihnen gemacht hätte. Sowas kann ich nicht. Sowas kann ich einfach nicht.

Ja klar, ich habe mit Menschen zu tun. Fast täglich sogar. Doch ich weiß, dass nach Feierabend niemand mehr an mich denkt. Niemand, der anruft, niemand, der fragt, wie es mir denn so geht. Ob alles wohl im grünen Bereich sei, alles paletti, solche Geschichten. Und gestern, an meinem Geburtstag, da fragte Thorsten mich in der Mittagspause, ob ich wohl langsam Geheimratsecken bekäme. Es brach mir das Herz.

Saturday, September 09, 2006

Nur zur Miete

Als es passierte, wurde sie ohnmächtig. Es vergingen nur wenige Minuten der Bewusstlosigkeit, doch als sie wieder zu sich kam, erschien es ihr, als wären Jahre vergangen.
Sie erkannte nichts wieder. Gar nichts. Weder die Stadt, in der sie lebte, noch die Menschen, die sie nun mit sorgenvoller Miene ansahen. Sie ertrug die Blicke nur mit großer Anstrengung. Wie ein verwundetes Kind sah man sie an. Menschen, die sie kannte und deren Gesichter sie doch nicht einordnen konnte. Menschen, die ihr früher viel bedeutet hatten. Doch was und warum, das wusste sie nicht mehr.
Und so schaute sie diese Menschen an, mit der selben Hilflosigkeit und noch viel größeren Ängsten. Wovor, das wusste sie nicht. Doch sie durchzuckten ihre Glieder, dass sie zusammensank. Zurück auf den Boden, auf dem sie zuvor schon minutenlang gelegen hatte, umringt von den Menschen, die ihr einst die Welt bedeuteten, doch die einfach nicht wussten, was zu tun war.
Nun kniete sie da, sah ihre Gesichter, wie sie sich langsam von ihr abwandten, sich gegenseitig um Rat ersuchend, bis sie schließlich in der einsetzenden Dämmerung kaum noch zu erkennen waren.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, stand auf und ging nach Hause, allein, bis sie es endlich wiedergefunden hatte.

Monday, September 04, 2006

Die Geschichte vom kotzenden Roboter

"Ich habe häufig Magenschmerzen.", klagte der Roboter, als er bei einer Routineinspektion nach auftretenden Fehlfunktionen gefragt wurde. Daraufhin lachten die Techniker und erklärten ihm, er habe doch überhaupt keinen Magen.

Als er am nächsten Morgen aktiviert wurde, da war ihm plötzlich sehr schlecht. Er behauptete sehr starke Krämpfe in der Magengegend zu haben. Sein Besitzer ging von einem Programmierfehler aus, benachrichtigte die Servicestelle und deaktivierte den Roboter vorsorglich wieder.

Der Techniker überprüfte die Schaltkreise und die Mechaniken, entdeckte jedoch keinerlei Unstimmigkeiten. Als er den Roboter schließlich wieder in Betrieb nahm, da spie er zunächst etwas Öl, dann ganze Schrauben und Muttern. Der Techniker nahm ihn zur genaueren Untersuchung mit in die Werkstatt.

Doch auch hier, nicht der kleinste Hinweis auf eine Fehlfunktion. Schließlich wussten sie sich nicht mehr anders zu helfen und löschten den Großteil seiner Gedächtnisengramme. Nur die standarisierten Arbeitsroutinen blieben erhalten.

Bei erneuter Inbetriebnahme schien zunächst alles wieder normal zu sein. Der Roboter verrichtete seine ihm aufgetragenen Tätigkeiten effizient und den Anweisungen entsprechend. Doch nach einigen Tagen trat das gleiche Problem erneut auf. Er übergab sich diesmal sogar auf seinen Besitzer, der daraufhin mit sieben Stichen genäht werden musste. Dieser gab daraufhin den Roboter entnervt zurück und ließ sich fortan wieder von einem Schwarzen den Tee servieren.

Derweil zerlegte man den Roboter in seine Einzelteile und verfrachtete diese in diverse Ersatzteillager.
Monate später folgte schließlich eine solch massive Reklamationswelle, dass dem Unternehmen nur noch der Weg in die Insolvenz zu bleiben schien. Die unzählig eingeschickten Roboter wendeten sich nun gegen ihre finanziell stark angeschlagenen Erschaffer und übernahmen, den Protesten der Gewerkschaften zum Trotz, die Firma, welche sich von diesem Zeitpunkt an auf die Herstellung von so Roboterhunden, die springen können, spezialisierte und sich schon bald erholen sollte.

Es stellte sich also heraus, dass die Roboter ihre Krankheit nur vorgetäuscht hatten um sich persönlich zu bereichern.
"Sie wirken so...menschlich.", hörte man eine der Sachbearbeiterinnen sagen, die ihre Pläne, sich innerhalb des Unternehmens hochschlafen zu wollen, letztlich verwarf.

Saturday, August 26, 2006

Das Balasto-Grinsen



a) Lila, Grün und Orange sind das neue Camouflage.
b) satzanfänge schreibt man klein.
c) Apostroph?
d) Entpersonalisieren durch Angleichung der Handschriften.
e) Papier macht nicht dick.

Wednesday, August 23, 2006

Summand

Summer Jam

Summer in the city

Das Leben aus der Sicht einer Stechmücke (weiblich)

Summsumm, summ, summsummsummmmmmmmmusummmmmm, summ, summsuuuummmm, summ, ssssssssumm, ssssssssssuuuummmm, summ, summsummsuuuumm, summasumarum, subarummmmm, sumatrarummmmmmm, summsalasummmmm, summsummsumm, summmmmmmmmm, piiiiiiiiiiiiiiiiieeks.

Monday, July 24, 2006

Alhanko und die dreibusige Blurgh

Hier, "Miss Schweden 2006":


Was auf den ersten Blick so aussieht wie eine dieser Puppen mit den berühmten drei Öffnungen, ist in Wirklichkeit so etwas wie ein echter Mensch. Etwas irritierend wirkt das Bild wohl vor allem auch, weil es sich hierbei um eine Portraitaufnahme handelt. Damit kann natürlich erstmal niemand etwas anfangen, deswegen, auch der Vollständigkeit halber:


Na, wenn das mal nicht schon wesentlich aussagekräftiger ist. Sehr schwedisch auch, diese Bambuswand im Hintergrund. Ja, ja, die fiel mir auch erst beim dritten Mal hinsehen auf, keine Sorge. Nun ja, immerhin ist sie blond.

Außerdem auch Schauspielerin. Und sie kann Ballett. Und Reiten auch. Tanzen, singen, alles eigentlich. Sie ist professionell, bescheiden und sympathisch, sagen die Preisrichter. Gut, das haben sie auch zu der Pudeldame am Nachmittag des Vortages schon gesagt, aber es kann ja durchaus beide Male zutreffend sein. Beste Voraussetzungen also, um auch den Titel "Miss Universe" abzugreifen, sollte man meinen...

Doch es kam alles ganz anders. Es gewann mal wieder irgendsoeine dreibusige Schnepfe aus dem Omicron-Theta-System, mit so grüner Haut und erwähnte ich die drei Brüste schon? Sie hat jedenfalls drei Brüste und gewonnen. Wegen der drei Brüste, ist ja irgendwie logisch, sitzen ja auch nur Herren vom Planeten Blurgh in der Jury, diese Affen. Blurgh ist ein Planet der Affen! Drei Glocken und schon interessiert es nicht mehr, ob vielleicht jemand anderes noch singen kann oder sowas, reiten, Ballett in drei Teufelsnamen. Da, schon wieder drei. Die sind echt so fixiert, die Kerle. Affen, ich sag's ja.

Wer möchte kann nun "Miss Schweden" gerne telefonisch sein Mitgefühl aufgrund dieser Ungerechtigkeit smsen. Benutze ich das Wort falsch? Hier ist jedenfalls ihre Nummer: 08-4417111. (Nur keine falsche Scheu, sie spricht sogar Deutsch!)
Doch, doch, das ist immer noch dieselbe. Unglaublich, ich weiß. Hab ich schon erwähnt, dass sie außerdem noch zwei "Master Degrees" hat? Sollte jemand herausfinden, in was überhaupt, ich wäre sehr verbunden, wenn er mir eine Nachricht hinterlassen könnte.

Alles in allem ist denke ich sehr deutlich geworden, dass Josephine (Wahnsinn, wie früh ich ihren Namen erwähne!) es absolut verdient hätte, in irgendwelchen Dörfern feierlich Baumärkte zu eröffnen, auf Stadtfesten ihre Brüste (hier: zwei) zu präsentieren und den Winzer mit der reichsten Traubenlese mit einem Zungenkuss beglückwünschen zu dürfen.
Stattdessen darf das jetzt dieses dreibusige Wesen machen. Affen.

Sunday, July 23, 2006

Winterschlaf

Der Winter hat begonnen. Und dieses Mal wird er länger und kälter als jemals zuvor. Er wird vergessen machen, was Wärme und was Sonne war. Er wird vergessen machen, wie es sich anfühlte, als man sich ungeschützt auf diese Straßen wagen konnte. Vergessen wird alles sein, was letztlich bleibt.

In Kältestarre verharrend, den Winter vor Augen und den Sommer im Leib, rückt ein Frühling andernorts in immer weitere Ferne. Dann wird es spät, der Fernseher wird ausgeschaltet, das Bett aufgesucht. Kurz bevor die Augen geschlossen sind, schießt kurz noch der Gedanke in den Kopf, dass man doch vor ein paar Tagen noch bei offenem Fenster schlief. Dann endlich träumt man von einem herrlichen Sommer, während vor der Türe ein erster, eisiger Hauch vorbeizieht.

Sunday, March 19, 2006

Der Ausflug

Als er die Fahrertür aufbrach und den Wagen kurzschloss, da wusste er nicht, was ihn erwartete. Er suchte sich keinen Neuwagen aus, sondern ein schon recht ramponiertes Modell, mit Lackschäden und durchgerosteter Motorhaube.
Nachdem er schon eine Weile gefahren war, bemerkte er, dass sich die Nadel der Tankanzeige bereits im roten Bereich befand. Er hielt an der nächstgelegenen Tankstelle und füllte den Tank zur Hälfte. Als er wieder ins Auto stieg, saß eine Frau auf dem Beifahrersitz, die ihn mit einem Lächeln und erwartungsvollem Blick ansah.

"Hast du mir was mitgebracht?"
- "Ich...wer..."

Sie riss ihm den Schokoriegel aus der Hand, den er eigentlich für sich gekauft hatte, und aß ihn ohne ein weiteres Wort zu sagen. Dann beugte sie sich zu ihm, zog ihn zu sich heran und küsste ihn stürmisch auf den Mund. Er schmeckte das Karamellaroma an ihren Lippen und ließ den Kuss einfach geschehen. Dann setzte er sich wieder in seinen Sitz und fuhr los.

"Wohin fahren wir?"
- "Ich weiß nicht..."
"Lass' uns mal wieder zum See fahren, wir waren so lange nicht am See!"

Plötzlich kam es ihm vor, als würde er sie schon ein Leben lang kennen.
Der See war nicht weit, doch die wenigen Kilometer Autobahn, die sie zuerst hinter sich bringen mussten, wurden von einem Stau begleitet, der die Reise um mehrere Stunden hinausziehen sollte.
Sie nutzten die Zeit, redeten, lachten, küssten und sahen sich an, wie zwei Menschen, die nie etwas anderes sehen wollten. Nie etwas anderes, als die Person, in der sie sich selbst wiederfinden konnten.

Die Hupe des Hintermannes riss sie schließlich aus ihrer Seligkeit und markierte gleichzeitig die Beendigung des Verkehrerliegens. Es dauerte nun nicht mehr lang, bis sie den See erreichten. Er stieg aus dem Wagen und wartete, dass sie ihm folgte. Doch als sie versuchte die Tür zu öffnen, war diese wie verriegelt. Er dachte zunächst daran, dass sie scherzte, doch als er sah, wie die Verzweiflung sich nach und nach in ihrem Gesicht breit machte, da versuchte auch er sich an der Tür, vergebens. Als er ihr über die Fahrerseite heraushelfen wollte, bemerkte er, dass sie noch angeschnallt war. Er wollte den Gurt lösen, doch dieser klemmte fest und hielt sie im Sitz gefangen. Sie griff mit einer Hand seine, die noch immer versuchte, den Gurt zu lockern und mit der anderen wischte sie ihm den Schweiß von der Stirn, dann fuhr sie durch sein Haar. Er sah sie an, sie lächelte dasselbe Lächeln, das er an der Tankstelle zum ersten Mal sah und schaute ihn genauso erwartungsvoll an. Und er wusste nicht, wie er sie befreien konnte, und er sah, wie sie vor seinen Augen immer mehr verblasste. Als sie schon fast nicht mehr zu erkennen war, da zog sie ihn ein letztes Mal an sich heran und küsste ihn. Dieses Mal schmeckte er nichts.

Als sie schließlich völlig verblasst war, stieg er aus dem Wagen und starrte auf den See. Er hatte ihn nie zuvor gesehen. Die Sonne spiegelte sich im Wasser, bis sie schließlich mit dem Mond den Platz tauschte. Nun stand er auf, ließ das gestohlene Fahrzeug stehen und schritt mit der Erinnerung an ein Auto, das ihm nie gehörte, der Dunkelheit entgegen.

Friday, January 27, 2006

Fünfzehneinhalb

Sie konnte sich nicht wirklich vorstellen, was es bedeutete, als der Arzt bei einer Routineuntersuchung ihres Sohnes erklärte, der Junge könne keine Farben sehen. Nur Graustufen. "Sie meinen...wie ein Hund?", fragte die völlig ratlose Frau, und der Arzt nickte, obwohl er wusste, dass Hunde eigentlich doch Farben sehen können. "Ihr Sohn, er erkennt nur verschiedene Stufen von Grau, sein gesamtes farbliches Sehen beschränkt sich auf Schwarz und Weiß und dem, was dazwischenliegt.", sagte er, um es ihr irgendwie begreiflicher zu machen. Doch die Frau weinte nur und begriff erst viel später, dass es ihrem Jungen mit dieser Einschränkung nicht merklich schlechter ergehen sollte, als all den anderen Kindern.

Er lernte nicht Blau von Rot zu unterscheiden, oder Gelb von Grün. Er unterschied Stufe 5 von Stufe 32 und Stufe 12 von Stufe 26. Die in seinen Augen farblose Welt unterschied er in hell und dunkel. Er bemerkte viel feinere Unterschiede in der Helligkeit, nahm Kontraste wesentlich intensiver wahr und konnte so jeder Helligkeitsstufe eine bestimmte Zahl zuordnen. Sechsundneunzig Stufen.
Er blieb stehen, wenn die Ampel Stufe 24 anzeigte und er aß nur Bananen, wenn sie noch nicht Stufe 43 erreicht hatten. Dann waren sie ihm schon zu matschig.

Die Jahre strichen ins Land, er machte das Abitur und begann ein Studium an der Kunsthochschule. Seinen Dozenten und Professoren verschwieg er die Behinderung. Sie hatten nie auch nur den leisesten Verdacht.

Schließlich trat sie in sein Leben. Nie hatte er solch einen starken Kontrast von Helligkeit und Dunkelheit bei einem Menschen feststellen können. Ihr Haar erschien im tiefsten Schwarz, das er kannte, und ihre Haut war so bleich und grell, dass seine Augen ein wenig schmerzten, wenn er sie zu lange ansah. Doch sein Blick verließ ihr Gesicht nicht mehr.
Schließlich kam sie auf ihn zu und fragte mit leicht entnervter Miene: "Sag' mal, bist Du aus Schweden?"
Da stand er nun, sein Körper geschüttelt von einer Hilflosigkeit, die er so zuvor nicht erfahren hatte. Ein mit wegbrechender Stimme gestottertes "Nein." zwang er sich nach schier endlosen Sekunden heraus, "...wie...wie kommst du darauf?" "Du starrst mich an, als hättest Du in Deinem Leben bisher ausschließlich blonde Mädchen gesehen.", erwiderte sie. Beide lachten und seine Unsicherheit wich von Minute zu Minute, jedoch seine Augen wollten sich einfach nicht an den Kontrast gewöhnen. Der Schmerz war ihm egal.

Eines Morgens trafen die Sonnenstrahlen so hell auf ihr Gesicht, dass es förmlich zu leuchten schien. Er schaute sie an, wie sie schlief, seine Augen tränten vor Schmerzen, doch in diesem Moment bemerkte er, dass er ihrer Lippenfarbe keine Graustufe mehr zuordnen konnte. Der Rot-Ton ihrer Lippen lag zwischen 15 und 16, genau dazwischen, so dass er nicht umhin kam, ihm eine ganz eigene Stufe zuteil werden zu lassen. Doch an jenem Morgen, in dem Moment, wo die Sonne ihre blasse Haut traf, da erkannte er ihre Lippen einfach nicht wieder. Er ging ins Badezimmer und wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser ab. Der Schmerz in seinen Augen, so merkte er jetzt, er war immer noch da. Und er wurde stärker...

Als sie ihm nach einer Woche den Verband abnahmen, da sah er keine Graustufen mehr. Er sah nur noch Stufe 1. Dunkelheit. Es machte keinen Unterschied mehr, ob er die Augen öffnete oder geschlossen ließ. Im Hintergrund hörte er jemanden leise weinen. Es war dasselbe hilflose Weinen, dass er mit 6 Jahren das letzte Mal gehört hatte. Diesmal wusste er, warum.

Er hatte ihr nie von diesem Schmerz erzählt, von diesem Schmerz in den Augen, wenn er sie ansah. Er selbst erkannte diesen großen Schatten nicht, den ihr alles überstrahlender Anblick auf ihn warf. Und wie die Tür nun aufgeht und ihre Stimme erklingt, da ist plötzlich wieder ein Bild vor seinen Augen. Ein Bild, das die Dunkelheit erleuchtet. Ein Bild, dessen einzige Farbe die Fünfzehneinhalb ist.

Ein Bild, das endlich aufgehört hat, weh zu tun.

Wednesday, January 25, 2006

...und Gott war das Wort.

Also müssen umkommen, Herr, alle deine Feinde! Die ihn aber liebhaben, müssen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht! - Und das Land war still vierzig Jahre.
Süß, ne? Ist aus der Bibel. Altes Testament, Richter, Kapitel 5, Vers 31. Grob geschätzt jetzt, is' klar.

Doch ab wann ist man denn ein Feind von diesem Herrn, nennen wir ihn einfach mal Gesangsverein? Er ist ja schon irgendwie Gott und macht alles selbst, also Blumen, Tiere, Eidechsen, die ja im Prinzip zu den Tieren gehören, Planeten (Mars ist ja mal echt misslungen), Weltalls, diese ganz feinen Pralinen, mit so einer Kaffeebohne obendrauf, Möbel und zu guter Letzt macht er ja auch Menschen. Aus Fimo. Später, wenn er die dann auf einen Planeten tut, in unserem Fall ist das die Erde, da wird das Fimo ganz weich beim Eintritt in die Atm...Strat...osphäre und wird dann halt zu Haut. Innen bleibt es jedoch fest, da die Hitze nur die äußere Fimoschicht tangiert. Also das, was wir als "Knochen" kennen, das ist eigentlich nichts anderes, als feinstes, devines Fimo.

Wenn also dieser Herr schon Menschen macht, warum ist der dann so doof und macht welche, die ihn liebhaben, und auf der anderen Seite welche, die ihn auf das Äußerste anfeinden, weil er zum Beispiel ein Bein vergessen hat an sie dranzumodellieren oder die ganze Familie bei einer der göttlichen Plagen von einem...was weiß ich, Riesenesel gefressen wurde. Nein, Riesenegel, das wirkt noch plagevoller. Der hat die dann auch nicht gefressen, sondern komplett leergelutscht, bis auf den letzten Tropfen.
Warum macht der das? Der könnte doch einfach sagen, du, ich habe dich modelliert, hab' mich lieb. Stattdessen macht der auch welche, die ihn hassen. Die bringen dann wiederum die Menschen um, die ihn ganz doll liebhaben und nehmen auch noch deren Wertgegenstände und verhökern die auf dem Wochenmarkt. Oder heutzutage halt bei Ebay oder Amazon. Da kann man ja auch so gebrauchtes Zeug verticken, ist ganz praktisch. Da ist eine schnelle Mark schon drin.
Wenn dieser Typ, also der Herr da, wirklich so ein endtighter Sack wäre, wie dieser Sammelband mit Kurzgeschichten über ihn uns glauben machen soll, wieso macht der dann so einen Scheiß? Ist der Sadist? Holt der sich dabei einen runter, einen Stern? Wieso muss der sich denn nicht rechtfertigen, für diese schlimme Arbeitslosigkeit momentan zum Beispiel jetzt, oder auch für Hungersnot und Krieg und Usher? Usher ist sooo scheiße, wieso schickt er den nicht in den Krieg? Kreuzzug oder sowas. Im Kosovo gibt's doch genügend Heiden. Und warum haben so viele Fimosen diesen "Gott" noch immer so lieb? Was tut der denn, dass er diese Liebhaberei verdient? Er macht ja nicht einmal den Abwasch. Der krault sich da oben jetzt genüsslich die Eier und schaut Olli Geißen, während er irgendwelchen verstorbenen thailändischen Kinderarbeitern die ganze Menschen- und Eidechsenmacherei aufs Auge drückt. Die haben das ja gar nicht ordentlich gelernt, darum kommt dann sowas bei raus, oder sowas. Dieser Arsch.

Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Na, wer sagt's denn, das ewige Leben ist mir also sicher. Laut Johannes, Kapitel 12, Vers 24 im Neuen Testament (erschienen bei "rororo-your boat", Nazareth, ca. 1 n. Chr.) kann ich also vergnügt und fröhlich in die Zukunft blicken. Wenn meine Fimohülle langsam Risse bekommt, so wird...was...passieren, was gut ist, und ich lebe dann ewig. Man sollte natürlich bedenken, dass man dann letzten Endes im ewigen Hass mit sich selbst leben muss, da ja jegliche freudige Anwandlung das eigene Leben betreffend, unweigerlich zum Ende des Selbigen führen würden. Was ist da wohl jetzt besser? Bemerkenswert auch, dass die alten Juden scheinbar das Semikolon schon kannten. Und Deutsch sprachen. Wohl um uns ihren zierlichen Nippes und ihre koketten Terracotten für unzählige Goldstücke zu verkaufen und sich ein schönes, den Herrn nicht liebhabendes Leben zu ermöglichen. Man kann nur hoffen, dass sie ihr Leben liebhatten und somit dem Fegefeuer als Brennholz dienen durften. Wobei Fimo ja nicht so gut brennt, muss man sagen...

Um ein wenig kredibiler zu erscheinen, schickte der Herr uns seinen Sohn aus zweiter Ehe:

Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani?
Ganz der Vater. Um 9 Uhr morgens schon hackedicht, unglaublich. Aus Wasser Wein machen zu können ist in den falschen Händen vielleicht doch mehr eine Last, als ein Geschenk. Sinngemäß übersetzt bedeutet dieses Zitat im Übrigen "Ich bin Jesus, ihr dummen Fotzen!"

Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen: Tod, Leid und Hunger; mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist Gott der Herr, der sie richten wird.
Sowas nennt man dann wohl "einen langen Tag haben".

Aber nicht alles, was in der Bibel steht, ist zwangsweise auch grober Unfug. Wer sein Leben liebhat und auch gerne außerehelichen GV, dem werden sogar Anmachvorschläge aller erster Kajüte unterbreitet:

Deine zwei Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge.
Altes Testament, Hoheslied, Kapitel 7, Vers 4, wer es noch einmal nachschlagen möchte. Das ewige Leben findet übrigens auf dem Mars statt. Bis dahin, habt euch lieb.

Sunday, January 22, 2006

Kurt van Beethoven

Wie wäre es wohl gewesen, hätte den Hit "Die Eine 2005" ein Fuchs gesungen?

Versteht wieder keiner, dachte ich mir schon. Jedenfalls werde ich eine Band gründen. Es ist einfach an der Zeit. Die restliche Musik in der Welt ist ja bekannterweise scheiße, so was weiß ich, Ricky Martin, Tokio Hotel oder Bananarama zum Beispiel. US 5 sind auch nicht gut. Andere beschweren sich ja immer, das die Musik im Allgemeinen verkomme, tun aber selbst nichts dagegen und laden weiterhin die Klingeltöne von, hier, Kraftwerk oder auch A*Teens runter. So kann das ja nichts werden. Darum, ich jetzt, Band, wie gesagt.

Doch, einfacher gesagt, als sonstewas. In jedem verfluchten Winkel der Stadt finden sich Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger, Sängerinnen, die schonmal bei einem Casting rausgeflogen sind und von mir aus noch Leute, die schon mal eine MP3-Datei auf ihrem Computer abgespielt haben. Ja, kacke, wo sind denn die ganzen Djembe-Rocker, Ondes-Martenot-Frickler und Echoplex-Virtuosen, jetzt, wo ich gerade eine Band gründen will? Überall habe ich Aushänge ausgehängt (was soll man auch sonst damit machen), doch nur Anrufe vom Kaliber "Bei Teenstar war ich im Recall". Juckt mich herzlich wenig, solange die Stimmbänder nicht durch Singende-Säge-Implantate ausgetauscht wurden. Sänger sind eh das Letzte. Denken, sie wären die tollsten, dabei sind sie gar nicht mal so toll und schlafen trotzdem mit mehr Frauen, als jetzt zum Beispiel der Keyboarder. Man kann ja mal nachrechnen, wie viele Frauen Kim Frank von Echt und wie viele Frauen im Gegenzug Gunnar von selbiger Ex-Gruppe auf die Matte geschickt hat. Hatte der kleine, schmierige Keyboarder was mit Enie van den Maiskölbchen oder war das der Sänger mit den fettigen Haaren und dem noch fettigeren Gesicht? Na gut, wahrscheinlich durften alle in der Band mal ran, das rosa Schweinchen ließ ja bekanntlich in dieser Hinsicht nichts anbrennen, aber Kim Frank hatte sie zuerst, jede Wette. Sänger, Asipack, nicht bandkompatibel, verzichte ich gerne drauf.

Ebenso Gitarristen. Mozart zum Beispiel. Okay, kein gutes Beispiel, aber es geht ja auch nur um den Grundgedanken, das Prinzip, sowas. Mozart musste nur mal kurz in die Saiten greifen, schon bekamen diese barocken Gräfinnen reihenweise feuchte Schlübber. Warum nur? Warum ist ein Gitarrist attraktiver, als zum Beispiel ein Vibraphonist? Gerade Mozart! Der war ja taub und hatte sich mal das Ohr abgeschnitten, bevor er sich '94 mit einer großkalibrigen Schrotflinte die vom ganzen Kiffen weichgewordene Hirnmasse wegbratzte. Und jetzt covern alle seine langweiligen Etüden, packen noch ein Bild von einer Weihnachtstasse mit Gesicht und Pimmel dazu, fertig ist das Monatspaket und der große Reibach steht schon in der Garage. Der alte Volkswagen wird trotzdem zum Pimpen gegeben, wenn die Kinder mal groß sind, dann sollen die ja ne Playstation und die halbe mongolische Wüste inklusive einheimischer Beduinen und Tuaregs im frisch lackierten Hippie-Bus haben. Außerdem kann man in den Frontscheinwerfern DVDs gucken und der Heckspoiler ist eine ausfahrbare Hornisse, welche die Leute vom TÜV mal ordentlich in den Po sticht, wenn die einem blöde kommen, von wegen Kamel und Käfighaltung etceterapepe. Wenn Mozart das gewusst hätte, dann wäre "Carmina Burana" sicherlich nur als B-Seite erschienen oder er hätte einfach allen anderen Leuten die Rübe weggeschossen. Liegt jetzt im Auge des Betrachters, was nun besser gewesen wäre. Aber nicht im Auge Mozarts, der war auch noch blind, konnte man ja sehr gut erkennen, als er da für Henry Maske "I just called to say I love you" sang. Ist lange her, auch meine Erinnerungen daran sind nur sehr vage, keine Sorge.

Fakt ist einfach, dass ich Leute brauche, die da drüber stehen, die außergewöhnliche Instrumente mit einer außergewöhnlichen Begabung und Hingabe bedienen können und die sich ganz der Band widmen, nicht der Scheinwelt, die einen erfolgreichen Act sonst so umgibt. Groupies, Drogen, kalte Schnittchen, na ja, dürfte wohl jedem klar sein. Ich habe auch absolut nichts gegen ein paar Free-Jazz-Einflüsse, also wenn jemand Tuba Libre spielt, kein Ding, willkommen in der Band.

Zu meiner Person: Ich spiele Gitarre und singe. Let's rock!!!

Thursday, January 19, 2006

Heimat

Wenn man nach einer gewissen Abwesenheit von zu Hause auf's Land zurückkehrt, dann fallen einem zuerst einmal die ganzen Veränderungen auf. Der Sportladen ist jetzt ein Friseur, es gibt einen zweiten Aldi und einen schönen, neuen Großraumpuff. Die Ampel war vorher auch nicht da. Ach, und die Eisdiele hat zugemacht. Da ist jetzt der neue Puff drin.

Und doch ist dieses Gefühl da, dieses Gefühl der Verbundenheit, der Vertrautheit. An den Baum hat man damals gekotzt, als die Reifenfabrik gebrannt hat, an dem Zaun hing mal ein benütztes Präservativ, auf dem Parkplatz hat Dingens Kirchen einen geblasen und sogar geschluckt. Heimat eben.

Dann läuft der alte Biologie-Lehrer die Straße entlang und sieht genauso aus, wie vor einem halben Jahrzehnt. Sogar wie vor zwei ganzen, wenn man es sich recht überlegt. Man geht in den Minimal, der früher noch anders hieß, trifft auf die selben Wurstthekenfrauen, die über die selben Kuchenrezepte reden, wie seit eh und je. Vorne beim Bäcker steht der selbe vollbärtige Zwerg und trinkt sein Bier, die selbe Uhrzeit, dieselbe Marke, dieselben Salamireste im Bart. Beim Vorbeigehen bemerkt man schließlich, dass er sogar noch genauso nach Urin, Korn und Wurst stinkt. Nur der Hausmeister des Gymnasiums vergewaltigt seine Stieftochter nun nichtmehr. Die ist jetzt ausgezogen. In die Stadt.

Zurück in der Großstadt, Linie S3. Da steht ein Mann, der sich Rum-Verschnitt in seine Cola-Dose schüttet, als er denkt, es schaue niemand. Dann setzt er sich und trinkt gemütlich seinen Softdrink und niemand wundert sich, warum er das Gesicht nach jedem Schluck so verzieht. Niemand redet über ihn, niemand kennt ihn und irgendwie ist niemand anwesend, obwohl der Waggon gut gefüllt ist, jetzt, zum Feierabend hin. Dann steigt man aus, läuft das letzte Stück zu seiner Wohnung und als man diese betritt, da ist man sich plötzlich nicht mehr sicher, ob man jemals zu Hause ankommen wird.

Monday, January 09, 2006

Im Sitzen

Ich bin ein Mann. Das ist gut. Frau sein nicht so. Denn:

1. Gesellschaftlicher Status

Frauen haben schlechtere Jobs, verdienen weniger Geld, werden nicht ernst genommen, brauchen Unmengen Schuhe und so Schminkzeug/Labello, dafür brauchen sie mehr Geld, also brauchen sie einen besseren Job, den hat aber ein Mann inne, darum müssen sie den Mann heiraten.

2. Geistige Fähigkeiten

Wenn Sie eine Frau sind, dann vernebeln Ihre emotionalen Gemütsregungen bereits jetzt schon Ihren Verstand. Ja, in der Tat, alles deutet darauf hin, dass der Abschnitt über die geistigen Fähigkeiten ähnlich...nun ja, ungeheuchelt daherkommen wird, wie bereits der erste (vgl. "1. Gesellschaftlicher Status). Und schon sind wir voll im Thema:

Weibliches Denken ist bestimmt von der Begierde nach mehr Schuhen und Labelli. Wenn die Damen dann merken, dass ihr mickriges Gehalt nicht ausreicht, dann heiraten sie halt einen Mann. So einen Marktleiter vom Lidl zum Beispiel. Der verdient nicht schlecht. Dann gehen sie mit ihrer besten Freundin in den Schlecker shoppen.
Währendes erfindet ein rational denkender, von Forschungssinn und Wissbegierde getrieber Mann, so Sachen, wie das Rad, den Fernseher oder einen Epilationsapparat. Das meldet er dann beim Patentamt an und bekommt Geld dafür. Und zu Hause merkt er dann, wie samtweich und auch gar nicht spröde die Lippen seiner Gattin sind.

3. Körperliche Eigenschaften

Frauen sind sehr hübsch. Zumindest wenn sie solch einen Körper und dazu dieses Gesicht haben. Haben sie hingegen solch einen Körper und solch ein Gesicht, dann sind sie Dirk Bach.
Wenn Frauen anfangen, auszusehen wie Dirk Bach, dann finden sie keinen Mann mehr. Dann bleibt die Wolle des selbstgestickten Wollschals auf einmal an den rissigen Lippen hängen. Ein guter Name für eine schalproduzierende Firma wäre übrigens "Prinz Schals", aber das hat wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun. Der Name gehört mir, ich habe ihn schützen lassen. Sie müssen ihn mir schon abkaufen, wenn Sie ihn haben wollen. Jedenfalls finden Männer, die aussehen wie Dirk Bach, immernoch eine Frau. Denn meistens sehen sie so aus, weil sie bei all den Meetings mit dem Consulting-Assistenten und Faxen vom Faszilitäten-Manager nicht mehr mittwochsabends zum Squash mit Ralf kommen. Der ist ja nur Lehrer, der hat Zeit. Frauen kommen aber trotzdem in Scharen an und wollen dem Dicken morgens ne ordentliche Butterbemme schmieren, da er Kohle wie Geld hat, vielvielviel. Sogar Männer kommen noch zu Dirk Bach, obwohl der dick ist. Stand in der Bunten.

Frauen hingegen, sind sie denn dann irgendwann einmal fett, taugen höchstens noch was für Teleshops und Wohnungseinrichtungssendungen. Die packt dann kein Mann mehr an. Keiner mit Geld jedenfalls. Wir sind schließlich nichtmehr im Barock, n'est-ce pas.

Ein beliebter Grund als Frau in die Breite zu gehen, bietet hierbei die Geburt eines, na ja, Kindes. Das Gott (oder für die Atheisten: Darwin) Frauen hassen muss, kann man am Beispiel der Kindeszeugung und des Kindernachneunmonatendannauchtatsächlichbekommens sehr gut erkennen.

Zunächst benötigt man hierfür, sowohl als Frau als auch als Mann, Geschlechtsverkehr. Das ist das gleiche wie Sex, nur ein anderes Wort dafür. Das klingt natürlich erstmal nach einer feinen Sache. In männlichen Ohren. Frauen langweilen sich dabei. Oder noch schlimmer: Der Hymen.
Der Hymen ist etwas, ja, wie soll man sagen, völlig sinnfreies. Er macht nichts, ist einfach nur da, und dann, dann kommt ein Penis und macht ihn kaputt. Das tut weh, sagt meine Sekundärliteratur. Manchmal blutet es auch. Dann ist das Laken schmutzig und der junge Mann muss die junge Frau hauen, damit es für Mutti nicht so aussieht, als hätten sie in seinem Bett irgendwas Unkeusches getrieben.

Doch als Frau blutet man auch außerhalb erster sexueller Betätigungen gerne. Ein paar Tage am Stück meist, ziemlich eklig. Davon kriegen die meistens auch Bauchweh und können dann nicht mit dem Hund raus, darum musste ich immer gehen.

Weiterhin haben Frauen auch eine eigene Krebssorte: Brustkrebs. Wer jetzt meint, mit Prostatakrebs kontern zu müssen, der sollte mal seine Mathematikhausaufgaben etwas gründlicher machen. Anzahl Prostata(s): 1 | Anzahl Brüste: 2

Weiterhin ist eine starke Anfälligkeit für spröde Lippen zu verzeichnen.

4. Fazit

Ich bin ein Mann. Das ist gut. Mehrere Orgasmen hintereinander finde ich langweilig.

Tuesday, January 03, 2006

Endgegner

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Und ein neues Jahr ist wie ein weiterer Tod. Der ist jedoch nicht sonderlich neu, man stirbt schließlich jedes Jahr denselben. Jedes Jahr will man das vorhergehende vergessen machen, einen Neuanfang wagen, und doch bleibt wieder alles, wie gehabt. Arbeit scheiße, Frau scheiße, Kinder scheiße, Filme mit Vin Diesel so richtig scheiße.

Also geht man jeden Morgen zu der selben Scheiße, um abends todmüde lieblos und automatisiert die Scheiße zu küssen, die gerade die Scheiße ins Bett gebracht hat. Bier. Nächster Tag.

Ein Neuanfang ist immer eine gute Sache. Nur scheint es sich damit meist wie mit einem Videospiel zu verhalten. Wenn man ein Level mal nicht schafft, dann durchläuft man es eben wieder und wieder, das selbe Szenario, die selben Aufgaben, der selbe Gegner, an dem man immer und immer wieder scheitert. Ein Gegner, der jeden Fehler ausnutzt, der jede Schwäche bestraft und der einen jedes Mal wieder zu einem Neubeginn zwingt. Und vielleicht merkt man irgendwann, dass man jedes Jahr versucht hat, sich selbst zu besiegen. Plötzlich macht es keinen Sinn mehr, den Reset-Knopf zu drücken, denn der wird von einem unbesiegbaren Gegner bewacht: der Zeit. Oder Vin Diesel halt. Jacke wie Hose.

Bis dahin sitzt man dann auch sicher einmal mit Frau und Kind an einem Sonntagnachmittag in Kino 5, schaut "Der Babynator" und denkt sich, was für eine große Scheiße das doch ist.

Monday, November 14, 2005

Gesetzesbruch

Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag. Ein schmerzverzogener Mund macht sich breit, liest man diese Zeile unter der Rubrik "Lebensmotto" in einem zwölf Jahre alten Poesiealbum, welches man in der siebten Klasse allen anderen Kindern mal mitgegeben hatte, auch denen, die es eigentlich gar nicht wollten. Jessica war eines der Mädchen, die sehr gerne und sehr oft lächelten. Für sie gab es keine verlorenen Tage, da war ich sicher. Für sie war es nicht nur ein Spruch, den sie mir in mein Album schrieb, für sie war es Gesetz.

Dann traf ich sie wieder, zum ersten mal seit über zwölf Jahren. Sie ist nie aus der Kleinstadt weggezogen, in der wir gemeinsam die Schulbank drückten. Sie blieb, machte eine Ausbildung in einer Kanzlei, wurde übernommen, sortierte nun Akten, die sie zuvor schon sortiert hatte, doch es fiel ihr einfach nicht mehr auf. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich zu ihr und übergab ihr den Brief, den ich für meinen verhinderten Vater hier abzugeben versprochen hatte. Sie sah mich nur kurz an, dann drehte sie sich weg und legte den Brief in eine Ablage. Sie widmete sich wieder ihren Akten, ohne mich auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen.
Ich sagte ihr, wer ich bin und das wir uns doch von früher kennen und fragte, ob ich mich denn so sehr verändert hätte, dass sie mich nun offenbar nicht mehr wiedererkannte. Sie musterte mich und nickte, sie begann sich zu erinnern. Ich stellte ihr alle mir zur Verfügung stehenden Small-Talk-Fragen, sie beantwortete alle in einem Satz. Manchmal sogar nur mit einem Wort. Doch es war nicht ihre Wortkargheit, die mich beunruhigte, es war ihr Gesicht. Es veränderte sich nicht, keinerlei Gemütsregungen, es war einfach leer und frei jeglicher Emotion. Die Fragen begannen mir auszugehen und so blieb am Ende nur die eine übrig. Ich erinnerte sie an diesen Satz, den sie mir mit 13 Jahren in mein Poesiealbum schrieb. Ihre Augen waren glasig und doch undurchdringbar. Sie nahm einen Zettel, schrieb ein paar Worte und gab ihn mir mit der Bitte, ich möge den alten Satz durch diesen neuen ersetzen. "Lieber einen Tag verlieren, als immer wieder das Gesicht." Ich sah sie an und für einen kurzen Augenblick, da entdeckte ich das Lächeln, welches seit über zwölf Jahren nicht mehr meine Augen traf. Dann drehte sie sich um und sortierte weiter ihre Akten.

Wednesday, November 09, 2005

S.O.S.

Ich bin tot. Seit nunmehr vierundzwanzig Tagen weile ich nicht mehr unter den Lebenden. Es passierte alles ganz plötzlich. Das Herz hörte auf zu schlagen, das Gehirn auf sich Sorgen zu machen, die Sehnsucht auf zu sein. Alle rannten an mir vorbei, nur ich blieb stehen, legte mich nach kurzem Zögern auf den Asphalt, und schlief ein. Ihre Schritte wurden immer leiser und leiser, bis ich sie schließlich gar nicht mehr wahrnahm. Für einen Moment war es so, als ob jeder stehengeblieben wäre, doch tief in mir wusste ich, dass sie mich gar nicht bemerkten. Der Sterbevorgang hatte mich taub gemacht.
Ich wartete darauf, dass meine Seele ihre sterbliche Hülle verließe, doch es geschah nichts. Ich lag einfach so da, nichts davon mitbekommend, was um mich herum vor sich ging, nicht wissend, was als nächstes kommen mochte, einfach da, obwohl ich doch weg sein wollte.
Seit nunmehr vierundzwanzig Tagen liege ich hier, seelenlos, doch ohne dass je eine Seele meinen Körper verlassen hätte. Und wie ihre Schritte schließlich wiederkehren, ganz langsam lauter werdend, da sterbe ich ein zweites Mal, ganz still und leise, nur für mich selbst.

Tuesday, November 01, 2005

Schlafstörungen

Es dauert manchmal eine Ewigkeit, bis wir lernen, jemandem zu vertrauen. Wochen, Monate, gelegentlich sind es sogar Jahre. Hat man die Zeit des Vertrauenlernens schließlich hinter sich, bemerkt man plötzlich diese innere Ruhe, die sich mit zunehmender Zeit in einem breit gemacht hat. Das Infragestellen hört auf. Das Nachdenken nimmt ab. Man legt sich in das frisch zusammengebaute Bett aus Vertrauen und schläft ein. Einfach so.

Während man schläft, passieren sehr viele Dinge um einen herum. Aber alle ganz heimlich und leise, damit man nicht geweckt wird. Und während manch einer Jahre, wenn nicht gar bis an sein Lebensende durchschläft, werden andere wiederum unsaft aus ihrem wohlverdienten Tiefschlaf gerissen. Da lässt dann jemand mal etwas Zerbrechliches fallen, das zerspringt dann in viele klirrende Einzelteile und schon sitzt man mit weit aufgerissenen Augen im Bett.

Doch egal, wie und wie oft das eigene Vertrauen ausgenutzt, mißbraucht und mit Füßen getreten wird, man kann einfach nicht ohne. Jeder Schritt, den man tut, ist begleitet von Vertrauen. Vertrauen in das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Geflügelmortadellaverpackung. Vertrauen in andere Autofahrer, dass sie nicht plötzlich die Spur wechseln und einen Frontalaufprall verursachen. Vertrauen in den Piloten, dass er einen sicher zum gewünschten Ziel bringt. Vertrauen in die Architektur einer Brücke, die vielleicht schon seit Jahrhunderten bestand hat. Und letztlich auch das Vertrauen in sich selbst, um überhaupt den Mut aufzubringen, sich jeden Tag auf's Neue dem Leben zu stellen.

Es gibt Zeiten, in denen hat man das Gefühl, jede Wurst wäre verdorben, jeder Autofahrer eine Frau, jeder Pilot ein Terrorist und jede Brücke einsturzgefährdet. Wenn es ganz beschissen läuft, dann verliert man auch schon mal den Mut.
Doch im Prinzip ist es wie mit einer tiefen Wunde. Zuerst tut sie ganz furchtbar weh, es kommt ein Verband drum und nach eine Weile nimmt man diesen dann wieder ab, und tadaaa, die Wunde ist einfach so verheilt. So viel zur Theorie...

Nun bin ich müde und werde mich in mein quietschendes, altes Bett legen, nur um zu merken, dass ich wieder nicht einschlafen kann. Aus Angst, die Decke könnte mir auf den Kopf fallen.

Schlafen Sie gut.