Saturday, January 03, 2009

Alternative Enden

Hallo. Viele Filme haben ein sehr langweiliges Ende. Hier die besseren Alternativen:


Stadt der Engel


Meg Ryan fährt vergnügt Fahrrad. Ein Meteorit schlägt ein und zerstört alles Leben auf der Erde. Abspann mit lustigen Outtakes.



American Pie


Die lustigen Boys stehen am Strand und reden über Sex. Ein Meteorit schlägt ein und zerstört alles Leben auf der Erde. Abspann mit lustigen Outtakes.



Spiderman 2...glaube ich


Robotentakelmann geht mit zwei Koffern mysteriösen Inhalts über eine Straße. Ein Meteorit schlägt ein und zerstört alles Leben auf der Erde. Abspann mit lustigen Outtakes. 



Keinohrhasen


Nora Tschirner wartet im Restaurant vergeblich auf Til Schweiger, der sich unbemerkt hinter ihrem Wasserglas versteckt hält. Ein Meteorit schlägt direkt in diesem Restaurant ein. Wie durch ein Wunder stirbt lediglich Til Schweiger. Abspann mit weiteren Nacktszenen Tschirners.



Armageddon


Mehrere Meteoriten schlagen in New York ein und zerstö...ach...brennende Flugzeuge schlagen in hohe Gebäude mitten in New York ein, Bruce Willis weint. Abspann mit den lustigsten Tanzszenen George W. Bushs.


Muss ja nicht immer so ein Geknutsche sein.

Sunday, December 21, 2008

Junge aus dem Keller

Ich lass' alles stehen und liegen
keine Lust mehr das zu tragen
und die Kraft mich zu verbiegen
reicht kaum noch  aus
ich will nicht klagen
nur noch raus

Halt mir den Rücken frei und sag' nicht
du hättest mich  gewarnt
halt' meinen müden Kopf und trag' mich
in die weite Welt hinaus
ich bin enttarnt
und will nach Haus'

Ich will nicht weggehen und nicht bleiben
ich will die Liebe und das Geld
ich schneid' dir mein Herz in Scheiben
wir spielen Katz' und Maus
was mich hält
hält mich nur aus



Ich bin der Junge aus dem Keller
und ich werd' es immer sein
meine Haut ist noch viel heller
als der grellste Sonnenschein
leg' dein Ohr auf die Fliesen
kannst du mich flüstern hören
ich bin der Junge aus dem Keller
ich wohne bei den Möhren
ich bin der Junge aus dem Keller
und will nur dazu gehören
doch bleib' auf halber Treppe stehen.

Tuesday, December 16, 2008

Der Mann an ihrem Bett

Das erste mal sah ich sie auf dem Grund eines Flusses und wusste genau, dass ich den Rest meines Lebens mit ihr verbringen wollte. Sie sah aus, als ob sie schlief, mit einem Lächeln im Gesicht, das von einem wunderschönen Traum zeugen musste. Vorsichtig löste ich ihren Gurt, aus Angst, sie vielleicht aufzuwecken. Ich zog sie hinauf an die Wasseroberfläche und spürte zum ersten Mal die Strömung und die Kälte. So trieben wir einige Minuten flussabwärts, bis ich es endlich schaffte, uns ans rettende Ufer zu bringen. Der Regen wusch mir das Blut aus dem Gesicht, das ich zuvor gar nicht bemerkte und das mir plötzlich bewusst machte, was überhaupt geschehen war. Ihr sah man es nicht an. Es war wie ein Wunder.
Es dauerte nicht lang, da hörte ich die Sirenen der Rettungskräfte. Ich wusste, alles würde gut werden. Doch sie nahmen sie mir weg und ich schrie und ich flehte, doch sie wollten nicht hören und sie fuhren mit ihr davon. Ich spürte den Einstich der Spritze nicht, die sie mir gaben und wachte erst in einem großen, weißen Raum wieder auf. Mein Körper fühlte sich taub an, in meinen Ohren klangen immer noch die Sirenen und das Rauschen des Flusses, der uns fast verschluckte. Uns.

Die Schwester sah mich irritiert an, versicherte mir aber,  sich erkundigen zu wollen. Alles würde gut werden. Ich solle doch erst einmal gesund werden, hieß es dann. Und ich wurde gesund, so schnell es nur ging. Man dürfe mir keine Auskünfte erteilen, das müsse mit den Angehörigen abgesprochen werden, man werde sich kundig machen. Alles muss seine Richtigkeit haben. Am Tag meiner Entlassung bekam ich endlich die Erlaubnis, sie sehen zu dürfen. Sie schlief immer noch. Man sah ihr nicht an, was passiert war. Jetzt musste sie nur noch aufwachen.
Als ich am nächsten Tag wiederkam, saß ein Mann an ihrem Bett und weinte. Er sah mich mit hasserfüllten Augen an. Ich sollte sehen, was ich angerichtet habe, schrie er mir entgegen. Ich verstand nicht, wer er ist und warum er so aufgebracht war. Ich hatte sie doch gerettet. Sie schlief doch nur. Alles sollte gut werden. Doch das wurde es nicht.
Ich wusste von dem Unfall nicht mehr viel. Man hatte mir die Details nicht erzählt, um meinen Genesungsprozess nicht zu gefährden. Der Mann an ihrem Bett hatte dieses Leben, das ich mir flussabwärts treibend nur vorstellen konnte. Er würde jeden Tag hier sitzen, den Rest seines Lebens. Also ging ich und kam nicht mehr zurück.
Es ist das Rauschen, das geblieben ist, und das Heulen der Sirenen. Die Schuld eines zerstörten Traumes, den ich auf dem Grund eines Flusses zurückließ, um einen eigenen zu träumen. Sie wachte nicht mehr auf.

Saturday, December 06, 2008

Perfektion

Es ist still geworden. Er hat den Tisch gedeckt, für sich allein. Er hat immer gewusst, was ihm fehlen würde, wenn es nicht mehr da ist. Jetzt erst versteht er es. Er begießt den Braten immer wieder mit Fond, viel häufiger als eigentlich notwendig. Er will sicher sein, dass es gelingt. Alles muss perfekt sein. Immer wieder schaut er zur Uhr, ganz ungeduldig, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Er schmeckt den Rotkohl ab, den er viel zu früh aufgesetzt hat. Er konzentriert sich auf das leise Ticken der Uhr, um der Ohnmacht zu entfliehen. Dann gießt er ein letztes mal Fond über den Braten, den er anschließend tranchiert. Es kommt ihm vor, als schneide er sich selbst. Schmerzen kann man nicht erinnern, hat er mal gelesen. Er nimmt eine Keule und legt sie zu dem Rotkohl und den längst abgekühlten Klößen auf einen Teller. Nur noch eine Kerze erleuchtet den Küchentisch, an dem er nun sitzt.

Tick. Tick. Tick.

Je mehr man spricht, je mehr läuft man Gefahr, andere zu verletzen, hat er mal gelesen. Er will niemanden verletzen. Er sieht sich die Narben an seinen Händen an. Auch die neuen. Er will nichts sagen und nichts hören. Alles muss perfekt sein.

Tick. Tick. Tick.

Als die Kerze erlischt, steht er auf, schaltet das Licht ein und schmeißt den Braten zu denen der Vortage in den Müll. Er hat keinen Bissen genommen. Jetzt erst versteht er es. Er wischt das Blut vom Tranchiermesser ab, legt sich auf die kalten Fliesen und hört noch einige Zeit dem Ticken zu, bevor er einschläft. Es war wieder einmal ein perfekter Abend.

Tick. Tick. Tick.

Thursday, November 13, 2008

Neujahrslied

Tschüs altes Jahr
du kannst nun endlich gehen
mach Platz für Dinge
die sich nicht im Kreise drehen

Tschüs altes Jahr
wir können ja Freunde bleiben
für die Zeit, die uns noch bleibt
um sie schneller zu vertreiben

Du hast viel zu viel
gefordert und befohlen
du holtest viel zu oft
neues Feuer für die Kohlen

Und ich weiß nicht wohin
treibt mit die Flucht vor deinem Sinn
doch eines weiß ich genau
aus dir werd' ich nicht schlau
aus dir werd' ich nicht schlau

Mach's gut Jahr
und grüß' die alten Kollegen
sag ihnen es sei schon gut
es hätt' an mir gelegen

Dass nichts so war
wie es sein sollte
und mich der Winter
letztlich einfach überrollte

Und ich schaufle dein Grab
bis ich den Schatz gefunden hab
und mir ist schon ganz flau
aus dir werd' ich nicht schlau
aus dir werd' ich nicht schlau

Und ich wink' dir ein letztes Mal
und dann ist es mir auch egal
und dann ist es mir auch egal 

Wednesday, November 12, 2008

Sparring


Hast du aufgegeben
oder hälst du noch fest
an den verlorenen Jahren
nur um diesen Test
an die Wand zu fahren
bau' ein neues Nest
ohne Dach überm Kopf
ein Deckel ohne Topf
nur leicht verletzt

Hast du aufgeben
oder bist du noch mutig
genug um nach Vorne zu schauen
ist deine Nase auch blutig
lass' das Blut sich nicht stauen
lass' es raus, lass es laufen
spül' es ab, crem' dich ein
denn in dem großen Haufen
wird schon jemand sein
der dich schlägt, der dich beißt und
auf deine Liebe scheißt und
mit ein wenig Glück
bleibst du auch diesmal nur
leicht verletzt 
zurück

Monday, November 10, 2008

Der Mann an ihrem Bett

Das erste mal sah ich sie auf dem Grund eines Flusses und wusste genau, dass ich den Rest meines Lebens mit ihr verbringen wollte. Sie sah aus, als ob sie schlief, mit einem Lächeln im Gesicht, das von einem wunderschönen Traum zeugen musste. Vorsichtig löste ich ihren Gurt, aus Angst, sie vielleicht aufzuwecken. Ich zog sie hinauf an die Wasseroberfläche und spürte zum ersten Mal die Strömung und die Kälte. So trieben wir einige Minuten flussabwärts, bis ich es endlich schaffte, uns ans rettende Ufer zu bringen. Der Regen wusch mir das Blut aus dem Gesicht, das ich zuvor gar nicht bemerkte und das mir plötzlich bewusst machte, was überhaupt geschehen war. Ihr sah man es nicht an. Es war wie ein Wunder.
Es dauerte nicht lang, da hörte ich die Sirenen der Rettungskräfte. Ich wusste, alles würde gut werden. Doch sie nahmen sie mir weg und ich schrie und ich flehte, doch sie wollten nicht hören und sie fuhren mit ihr davon. Ich spürte den Einstich der Spritze nicht, die sie mir gaben und wachte erst in einem großen, weißen Raum wieder auf. Mein Körper fühlte sich taub an, in meinen Ohren klangen immer noch die Sirenen und das Rauschen des Flusses, der uns fast verschluckte. Uns.

Die Schwester sah mich irritiert an, versicherte mir aber,  sich erkundigen zu wollen. Alles würde gut werden. Ich solle doch erst einmal gesund werden, hieß es dann. Und ich wurde gesund, so schnell es nur ging. Man dürfe mir keine Auskünfte erteilen, das müsse mit der Familie abgesprochen werden, man werde sich kundig machen. Alles muss seine Richtigkeit haben. Am Tag meiner Entlassung bekam ich endlich die Erlaubnis, sie sehen zu dürfen. Sie schlief immer noch. Man sah ihr nicht an, was passiert war. Jetzt musste sie nur noch aufwachen.
Als ich am nächsten Tag wiederkam, saß ein Mann an ihrem Bett und weinte. Er sah mich mit hasserfüllten Augen an. Ich sollte sehen, was ich angerichtet habe, schrie er mir entgegen. Ich verstand nicht, wer er war und warum er so aufgebracht war. Ich hatte sie doch gerettet. Sie schlief doch nur. Alles sollte gut werden. Doch das wurde es nicht.
Ich wusste von dem Unfall nicht mehr viel. Man hatte mir die Details nicht erzählt, um meinen Genesungsprozess nicht zu gefährden. Der Mann an ihrem Bett hatte dieses Leben, das ich mir flussabwärts treibend nur vorstellen konnte. Er würde jeden Tag hier sitzen, den Rest seines Lebens. Also ging ich und kam nicht mehr zurück.
Es ist das Rauschen, das geblieben ist, und das Heulen der Sirenen. Die Schuld eines zerstörten Traumes, den ich auf dem Grund eines Flusses zurückließ, um einen eigenen zu träumen. Sie wachte nicht mehr auf.

Sunday, October 19, 2008

Donnerstagtermin

Schluckauf ist psychisch bedingt. Davon ist er überzeugt. Zwei Monate dauert seiner mittlerweile an. Einen Hausarzt hat er nicht aufgesucht, aber eine Psychologin konsultiert er nun regelmäßig. Die rät ihm zwar stets, doch mal einen Allgemeinmediziner aufzusuchen, doch da trifft sie bei ihm auf taube Ohren. Letzten Endes zahlt er gut, also geht sie die übliche Routine mit ihm durch. Kindheit, Beziehungen, Arbeit...es gibt viel zu erzählen. Da war mal eine Ohrfeige, die ihm sein Vater verpasste. Halb so wild. Oder als er mit siebzehn seine damalige Freundin mit einem anderen Händchen haltend die Straße entlangschlendern sah. Das brach ihm wohl zu der Zeit das junge Herz, sollte jedoch auch längst überwunden sein. Allgemein findet sich einfach kein Anhaltspunkt, warum er jeden Donnerstag dort sitzt und redet. Es gibt nichts zu therapieren. Außer seinen Schluckauf natürlich. Aber was sollte eine Psychologin schon dagegen tun? Luft anhalten, ein Glas Wasser leeren, ein Löffel Zucker...ihre Ansätze konnten sich bisher nicht die Krone der Kreativität aufsetzen, also beschränkte sie sich fortan auf das, was er ihr zu beichten hatte. 
Er erzählt ihr, wie sehr ihm ein echter Freund fehle, wie lange er schon keine neue Beziehung eingegangen sei und wie sehr ihn sein Job bei der Post langweile. Es sind Allerweltsprobleme, doch für ihn sind sie sein ganz allein. Er berichtet von den Schlafstörungen, die der Schluckauf mit sich gebracht hat und das er so oft sehr lang wach liege und über sein Leben nachdenke, was er gern ändern würde, wie sehr es ihn reize sich einfach in einen Flieger zu setzen und alles hintersichzulassen. Viel wäre es ohnehin nicht. 
Je mehr er erzählt, desto größer wird die Verbindung und die Sympathie zwischen Psychologin und Patient. Sein Schluckauf tritt immer mehr in den Hintergrund und irgendwann fängt auch sie an aus ihrem Nähkästchen zu plaudern. Die Enttäuschung ihrer ersten Ehe, das Bedauern der Kinderlosigkeit, das Schwinden der Jugend...es ist fast, als versuchten sie sich gegenseitig zu therapieren. Doch es bleibt stets bei der einen Stunde am Donnerstagnachmittag, auch wenn insgeheim der Bedarf nach einer weiteren Sprechstunde längst ins Unermessliche gewachsen ist. Dies bleibt eine Grenze, die sie sich nicht zu übertreten wagt.
An einem Donnerstag findet sie schließlich eine Notiz von ihrer Sekretärin auf ihrem Schreibtisch. Der Schluckauf sei verschwunden, er sei ihr sehr dankbar für alles, sie hätte ihm sehr geholfen...es war wie ein Schlag in den Bauch, von dem sie sich nur langsam erholte. Sie erfuhr nicht einmal, wie nun das Ende seines Schluckaufs und ihres Donnerstagtermins zustande kam. Als wäre er selbst nur ein Schluckauf gewesen, der genauso abrupt wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist.
Einige Wochen später sieht sie ihn hinter dem Schalter einer Postfiliale. Sie beobachtet ihn aus der Schlange heraus und sie bemerkt, dass er hickst. Doch sie verlässt das Gebäude und erspart ihm die Konfrontation. Der Schreck hätte schließlich nichts bewirkt. Sein Schluckauf ist psychisch bedingt. Ihre Therapieversuche gescheitert. In jedweder Hinsicht.

Friday, October 17, 2008

Dämonen

Erleichterung die fehlt
wenn ich den Boden verlasse
mit gespannten Flügeln
heb' ich die träge Masse
die mich nicht loslassen will

und das taube Gefühl
eines vergebenen Lebens
hat seine Freunde mitgebracht
die wollen alle nur reden
bis spät in die Nacht
ich will ein guter Mensch sein

und darum lass' ich sie rein
hör' ihnen zu, hör' nicht auf
bis die Ohnmacht mich fragt
was hast du heut' geleistet?
was hast du heut' beklagt?
ja dann weiß, dann weiß ich

nicht genug und ganz scheußlich
sind die Träume am Tage
nach einer so schweren Nacht
eine Last kann nicht fallen
wenn man niemals erwacht
ein Absturz auf Raten

ein Blick in die Karten
verrät die Motten wie das Licht 





(links ist Platz, um einen Dämon seiner Wahl auf den Monitor zu zeichnen)

Wednesday, September 17, 2008

Auf der Jagd

es ist schöner, wenn ich weg bin
so viel schöner noch als hier
es war immer schon viel schöner
ganz woanders zu sein
hier hält mich nichts, nur vieles fest
den Würgegriff werd' ich nicht los
es ist schöner, wenn ich weg bin
nicht mehr hier und nicht mehr da
ich bring' den Müll raus - den Müll raus
in dem ich bis zum Halse stecke
dann ist's als ob nichts war
und dann bin ich nicht mehr da
und nicht mehr hier

denn es ist schöner, wenn ich weg bin
und ich rufe auch nicht an
keine Briefe keine Karten
all die Worte können warten
bis ich nicht mehr weiter kann
bis ich nicht mehr [...]
es ist schöner, wenn ich weg bin

ganz egal was einmal war
es geht vorbei und ich winke noch zum Abschied
es geht vorbei und ich gehe hinterher
ein kurzes Stück
und dann zurück

und dann ist es nicht mehr hier
und dann ist es nicht mehr da
und dann ist es beinah' so
als ob nie etwas war
dann ist es schöner noch viel schöner noch
als wenn ich selbst gegangen wär'
dann ist es schöner noch viel schöner noch
und mein Herz nicht ganz so schwer

es geht vorbei
nicht mehr hier
nicht mehr da
nicht mehr hier 
nicht mehr da
nichts auf der Welt
was mich zusammenhält

es geht vorbei
und ich geh' mit
es geht vorbei
doch ich halt Schritt
und am Ende weiß ich nicht mehr
wer hier der Jäger ist

ich bin entkommen
weil du dageblieben bist
und ich hier

Wednesday, September 03, 2008

Immer aufmerksam, immer wachsam

Bevor ich's vergesse, schreib' ich's lieber auf. Ein Zettel, der mich jeden Tag daran erinnert, gut zu dir zu sein. Immer aufmerksam, immer wachsam. Eine Notiz, die heute keinen Wert hat und doch morgen schon das wichtigste Utensil auf meinem Schreibtisch sein kann. Die Tage werden kürzer und die Nächte kälter und ich kurz angebunden und kalt. Und vergesslich. 
Verregneter Sommer zurück, langer Winter voraus und ein Frühling, der nicht mehr zurückkommen wird. Es ist der Herbst, der mir bleibt und ein Zettel, der aus mir einen besseren Menschen machen soll. Für die Zeit, die noch bleibt. Für die Zeit danach. Es ist so schwer zu begreifen, wie schwer es mir fällt, dir all das zu geben, was ich geben will. Weil es dir zusteht. Weil du keine Zettel brauchst. Weil du etwas besseres verdienst. Ich arbeite daran. Tag und Nacht an meinem Schreibtisch. Bis ich so müde bin, dass ich noch im Büro in den Schlaf falle und davon träume, wie du gegangen bist. Während ich schlief. Ich wollte wach sein, wenn du gehst. Und nie wieder aufwachen. 

Monday, July 28, 2008

Trümmer und Fetzen

Irgendwann haut doch jeder einmal ab. Lässt alles hinter sich. Fängt neu an. Irgendwann kommt einfach der Punkt, wo alle stehenzubleiben scheinen und nicht mehr mitgehen wollen. Manche, weil sie auf halber Strecke schon einen schönen Ort gefunden haben, an dem sie sich niederlassen wollen. Andere, weil ihre Beine lahm und ihre Köpfe müde werden und sie sich erschöpft an einen Laternenpfal klammern, bis sie der Besenwagen einsammelt und zurückbringt. Dann rennt man auf einmal vor den anderen weg, obwohl man doch anfangs zusammen losgelaufen ist. Doch jeder definiert sein eigenes Ziel. Manche kennen Abkürzungen, andere laufen die absurdesten Irrwege entlang, bis sie ihr Ziel letztlich ganz aus den Augen verlieren. Und manch einer, der ist einfach losgelaufen, einfach abgehauen, ohne Ziel, einfach nur weg-weg-weg. So einer kommt nie an. So einer steht lieber mit leeren Händen als mit einem prallgefüllten Kopf da. Alles hinter sich lassen. Neu anfangen. Und im vorbeilaufen kurz winken, damit sich niemand Sorgen macht. Alles ist in Ordnung. Sollen sie das doch denken. Bis sie das tatsächliche Chaos entdeckt haben, ist man längst über alle Berge. Und Flüsse und Seen und Täler und alles, was man sieht, vergisst man auf der Flucht. Alles hinter sich lassen und nichts hinterlassen. Keine Spuren, keine Freude, keine Tränen. Einfach weg. Weg-weg-weg. Und irgendwann ist man so weit gelaufen, dass man wieder am Startpunkt angekommen ist, ohne es zu merken. Vielleicht ist es dann gar nicht mehr so schlimm. Vielleicht bleibt man kurz stehen und sagt hallo zu allen oder manchen. Vielleicht fängt man einfach ganz neu an. Mit all den Wünschen, Träumen und Lügen im Gepäck, das man während der Flucht die ganze Zeit mit sich rumgeschleppt hat. Vielleicht vergisst man diesen schweren Koffer auch irgendwann einmal. Womöglich endet er dann als herrenloses Gepäckstück und wird zur Sicherheit gesprengt. Trümmer und Fetzen. Mehr ist es nie gewesen.

Saturday, July 12, 2008

Fehlende Seiten

Der Klang ihrer Geige ließ ihn wimmern wie ein Baby. Es war das selbe Lied, jedes Jahr im November, wenn die letzten Blätter den Boden erreichten. Das selbe Lied.
Nur mit Bademantel und Socken bekleidet saß sie da. Und sie spielte, unzählige Stunden am Stück, das selbe Lied, immer und immer wieder. In diesem völlig leeren Raum. Nur ein Stuhl in der Mitte, auf dem sie saß und spielte. Bis es dunkel wurde. Dann ging sie zu ihm, nahm ihn in den Arm und wischte ihm die Tränen aus den Augen, während sie mit den eigenen zu kämpfen hatte. Dann schloss sie die Tür, wie man auch ein dickes Buch schließt, das man nicht ausgelesen hat. Mit all dem Wissen von der Ungewissheit, mit dem Drang nach Auflösung und mit der Müdigkeit, die einen auf ein unbestimmtes morgen vertröstet.

Sie schlief immer zuerst ein. Dann legte er seine Hand auf ihren Bauch und es schien ihm, als könnte alles wieder gut sein. Als sei das alles nie passiert. Dann schlief auch er, während nebenan noch immer die Geigentöne nachhallten, die davon erzählten, dass ein Vogel Hochzeit feiern wollte.


Es sollte nur ein Kapitel lang halten und es brach ihnen das Herz. Als der nächste November kam, blieb der leere Raum mit der Geige verschlossen, wie ein dickes Buch, das im Regal verstaubt. Ein dickes Buch, dessen wichtigstes Kapitel herausgerissen wurde und dessen Ende für sie so einfach keinen Sinn mehr ergeben hätte.

Friday, July 11, 2008

Schneekugel

I

Wann fängt es an
wann kann ich sagen
dass der Tag gekommen ist
an dem alle anderen schlafen
und du nicht mehr bei mir bist
wenn all die Menschen die wir trafen
längst schon heimgegangen sind
ich bleib' zurück
nur noch ein Weilchen
ich bleib' zurück
und all die Zeichen
welche wir nicht kommen sahen
die uns unsere Träume nahmen
nur noch ein kleines Stück
ein winzig kleines Stück
und ich werd' verrückt
ich bleib' zurück
nur noch ein Weilchen
zurück
denn all die Zeit schon
wussten wir dass der Moment
in dem man es beim Namen nennt
kein Ende kennt

Wann fängt es an
wann kann ich sagen
dass der Tag gekommen ist
und was bleibt zurück?



II

Nächstes Jahr
komm' später
dieses Jahr braucht noch Zeit
für all die Dinge die ich liebe
und für Gedankenlosigkeit
es ist ein Kampf den ich verliere
glatter Sieg durch K.O.
lass' mir noch ein paar Runden
du gewinnst doch sowieso
nächstes Jahr
wie schön es war
wie schön es war
das letzte Jahr.

Monday, May 26, 2008

Obdachlos


Je langsamer die Wolken vorüberziehen, desto länger bleibt der Regen. Das habe ich gelernt in all den Jahren, die ich jetzt schon unter freiem Himmel schlafe. Das, und sicher noch einiges mehr. Es ist nass und kalt und das Feuer längst erloschen, an dem ich mich wärmte. Ich war nie gut darin, Feuer zu machen, doch es reichte stets zum Überleben. Ich komme wohl immer irgendwie durch.

Man sieht keinen einzigen Stern heute Nacht. Der Regen wird nicht aufhören. Und wie ich den Tropfen beim Aufprall auf den Fluss zusehe, gehst du über die Brücke, unter der ich lebe und ich erinnere alles, was du längst vergessen hast. Als deine Schritte verstummen, steht mir das Herz still, weil ich weiß, was passiert. Meine Glieder gelähmt vor Kälte, mein Willen zu schwach, mein Kopf zu müde. Nein, dieses Mal kann ich dich nicht auffangen, nicht aus dem Wasser ziehen, nicht... ich schwimme selbst schon zu lange in diesem Fluss. Wenn der Regen vorbei ist und die Flut vorüber, weiß ich, dann sehen wir uns wieder. Sofern dich nicht längst jemand anderes gerettet hat.

Oder du dich selbst.

Friday, April 25, 2008

Rauhfaser

Sie schlief immer an der Wand. Sie lehnte sich mit ihrem nackten Oberkörper an die kalte Tapete und genoss die Gänsehaut, die sich über ihren ganzen Körper verteilte. Erst dann konnte sie loslassen.

Es war nicht ihre Schuld, dass sie so geworden ist. Wenn sie aufwachte und sich ihr schweißgebadeter Körper von der Wand löste, dann dachte sie für einen kurzen Augenblick zurück. An all die Dinge, die langsam verblassten, so wie auch sie mit den Jahren immer fahler zu werden schien.

Und er hatte Angst um sie. Im selben Raum sitzend fragte er sich, wo sie wohl steckte. Man konnte sie nicht mehr unterscheiden. Die Wand und sie wurden schließlich eins. Und er wusste, er hatte sie verloren. Er wusste, er würde sie nicht mehr wiederfinden.

Es war nicht seine Schuld, dass sie so geworden ist. Niemand fragte mehr nach der Schuld.
Fortan schlief er an der Wand. Jede Nacht strich er mit seinen Fingern sanft über die kalte, rauhfasertapezierte Wand und stellte sich vor, es sei die Gänsehaut auf ihrem alpinaweißen Rücken. Bis er sie selber spürte. Erst dann konnte er loslassen.

Friday, April 11, 2008

Im Meer baden

Das Wasser kocht über, doch sie steht nur daneben und will nicht mehr. Es zischt wie eine Schlange, die kurz davor ist einem ihr Gift in die Adern zu stoßen. Doch sie setzt sich auf ihren Stuhl und sieht tatenlos dabei zu, wie das Wasser über den Rand schwappt. Dann hält sie es nicht mehr aus, nimmt den Topf runter und trotzdem zischt es, weil das Wasser weiter überläuft und auf die Platte tropft. Nicht mehr aus dem Topf, sondern aus ihren Augen, und das Zischen scheint noch lauter und bedrohlicher zu sein, eine Würgeschlange vielleicht, so eine, die einen als Ganzes verschlingt. Die zischen wahrscheinlich nicht einmal.
Die Nudeln lässt sie stehen und sie vergisst ihren Hunger. Sie geht baden und schläft dabei ein, während der Regen an ihr Badezimmerfenster schlägt. Sie träumt von einem Wasserfall, wie sie sich hinunterstürzt, mit ausgebreiteten Armen und klarem Kopf. Sie träumt vom Eintritt in das Wasser, wie jeder einzelne Knochen in ihrem Körper in tausend kleine Stücke zerspringt, wie ihr bewegungsloser Körper an der Oberfläche weiter flussabwärts treibt, bis er schließlich im Meer angekommen versinkt.
Es ist der schönste Traum, den sie je hatte.

Tuesday, April 08, 2008

ungesagt

Es ist ein Zögern und Warten
ein Durchbrechen der Stille
wie nur wir sie kennen
wie ein Haus aus Karten
welches wir verbrennen
bevor der Wind es uns nimmt

-

Es ist ein Reden und Schweigen
es ist ein Beideszugleich
wie nur wir es kennen
wenn die Köpfe sich neigen
und unsere Wege sich trennen
bevor sie selbst ein Ende finden

--

Es ist ein Hören und Sehen
was nicht entdeckt werden will
so wie wir uns kennen
werden wir zugrunde gehen
wenn wir es beim Namen nennen
kommt der Morgen viel zu früh

---

Es ist ein Halten und Ziehen
es ist ein Bleiben und Fliehen
es ist ein Kratzen und Beißen
es ist ein Kleben und Reißen
es kennt keinen Vergleich
es ist ein Alleszugleich
wie nur wir es kennen
unser gefallenes Reich
doch wir fallen weich
und wir landen hart

----

Alleszugleich

----

kein Anfang kein Ende
kein Kurs keine Wende
kein Start und kein Ziel
es ist nichts und doch viel

-----

Alleszugleich

-----

und nur ein Gedanke
und nur ein Gefängnis
und nur eine Schranke
mein treues Verhängnis
ein Wort zuviel
ein anderes zuwenig
unser gefallenes Reich
es braucht einen König
doch ich kann es nicht sein
nicht alles zugleich


-


Monday, March 31, 2008

Wut

Es war ein Traum, der immer wieder kam. Ein Traum voller Wut. Wut, wie ich sie im wachen Zustand nie fühlte, ja nicht einmal für möglich hielt. Wut, die alles Gute in mir verblassen ließ. Wut gegen das Vergessen, in dem ich lebte. Schreiende Wut gegen die Hinnahme, laute Wut gegen das stille Ertragen, ein Bersten in meinem Brustkorb, das alles Innere nach Außen drängte und mich in Stücke riss.

Wenn ich aufwachte, blieb ein leiser Widerhall, ein rasendes Herz, ein zornerfüllter Schmerz, ein innerer Aufschrei, der nur langsam verstummte und mich wieder schlafen ließ.
All die erloschenen Feuer, deren Rauch ich einatmete und zusehenst daran erstickte.
All die sterbenden Träume, müden Augen, vergebene Chancen und umsonst vergossenen Tränen. Ich war immer zu spät, es ist nie zu spät, nie zu spät aufzugeben, nur zu früh.
So viel Reue, so viel falsch, so viel Gutes nicht erkannt, so viel Leben vergeudet und sich selbst, sich selbst am allermeisten.


Es ist eine Ruine, doch es ist das schönste Trümmerfeld der Welt.


Ich werde darin wohnen, so lange es geht. Für Neues ist es eh zu spät. Ich war immer zu spät und es ist nie zu früh zu Haus' zu bleiben.
Hier bin ich.
Hier gehöre ich hin.
Es ist nur ein Traum, der nicht mehr wieder kommt. Ein Traum voller Wut. Wut, die mich längst nicht mehr träumen lässt. Der Regen wird weiterziehen, ich ziehe nicht mehr mit. Mein Dach ist eingerissen.
Hier bin ich.
Hier gehöre ich hin.
Und zum ersten Mal im Leben möchte ich bleiben. Zum ersten Mal leben.
Es ist nur ein Traum.

Thursday, March 27, 2008

Leichte Beute

Es war das Paradies. Ich hatte alles, was ich brauchte. Du gabst es mir. Tag für Tag. Für eine Weile war ich dein Leben. Als lebtest du nur für mich. Du gabst mir Essen und Trinken, einen Platz zum Schlafen und streicheltest mir den Kopf, wenn es mir nicht gut ging. Es war das Paradies.

Jetzt gibst du mich zum Abschuss frei.

Doch ich bin längst zu träge, um davonzulaufen, zu feige für die Wildnis, zu abhängig von dir und deiner Liebe. Ich rühre mich kein Stück und spüre, wie der Finger an deinem Abzug zittert. Du schenktest mir das Paradies für diesen einen Augenblick, nur für diesen einen Moment, nur für die Jagd. Und du brauchst die Jagd mehr als den Braten. Für sie hast du gelebt, nicht für mich, nicht für mein Fleisch, nicht für meine Liebe.
Du willst, dass ich es dir schwer mache, aber sicher nicht so. Ich bin keine Herausforderung. Ich bin leichte Beute. Nun senkst du dein Gewehr, drehst dich um und gehst nach Hause, wo sie alle auf den Hasen warten, den du hättest erlegen sollen. Sie werden es nicht verstehen.

Und ich. Ich bleibe hier sitzen. Bis ich verhungere oder ein Wolf mich reißt.

Sunday, March 23, 2008

Mathematik

Zwei Unbekannte


Selbstzerstörung > Arbeitslosigkeit


Schnittmenge

Wednesday, March 19, 2008

Freier Fall

Sie schreien mich an, doch ich kann sie nicht hören. Der Wind verweht ihre Worte. Ich kann mir schon denken, was sie mir sagen wollen. "Zieh'! Zieh' die Leine!" Und ich ziehe Leine, aber sicher nicht diese.
Die anderen geben dieses Gefühl zu schnell her, dieses Kribbeln, wenn einem der Wind mit voller Wucht entgegen schlägt, während man fällt. Sanft zu Boden gleiten, das gibt mir nichts mehr. Was nützt mir die Sicherheit, ohne die Gefahr zu kennen? Warum erzählen sie mir von der Gefahr, wenn sie sie selbst nie erlebt haben? Sie wissen doch gar nicht, wie das ist.

Newton hat ihnen Angst gemacht. Sie halten sich alle für einen Apfel. Selbst ich tue dies noch manchmal. Vielleicht zerplatze ich ja tatsächlich, wenn ich vom Baum falle. Vielleicht nicht. Es wäre allemal besser als in einem Obstkorb vor sich hinzugammeln, so wie die anderen. Da fühlen sie sich sicher, weil sie es nicht besser wissen.

Ich lasse meinen Fallschirm zu. Egal was passiert. Mein Fall ist frei. Soll ich doch zerplatzen! In vielen Jahren wird vielleicht aus meinen Überresten ein ganz neuer Apfelbaum wachsen. Mit Äpfeln ohne Fallschirm und ohne Angst davor jemandem auf den Kopf zu fallen, der vielleicht mehr in ihnen sieht als nur überreifes Obst.


"What we know is a drop. What we don't know is an ocean."

Isaac Newton

Saturday, March 15, 2008

Hafenlichter

Ich kann es ertragen
ich erinnere nichts
nur die Lichter im Hafen
der Rest ist verwischt
und ich denke
ich weiß

dass es nicht reicht.

Ich kann es ertragen
ich erinnere nichts
zitternd und fragend
wie ein halbtoter Fisch
blick' ich drein
und weiß

dass es nicht reicht.

Ich kann's nicht ertragen
ich erinnere nichts
Ängste die dich nahmen
nehmen mich in die Pflicht
nur ein Test
ich weiß

wie die Lösung heißt


und dass es nicht



dass es nicht reicht.


Tuesday, March 11, 2008

Ra[s]tlos

Seit sechs Tagen laufe ich. Ich werde ewig weiterlaufen. Ich werde nicht müde. Nicht mehr. Ich laufe, weil ich ein Ziel habe. Ein Ziel, direkt vor meinen Augen. Ich mache keine Rast mehr. ich brauche kein Essen, kein Trinken, keinen Schlaf, nichts brauche ich, nichts brauche ich mehr. Nichts brauche ich mehr als ein Ziel.
Keine Hoffnung, kein Erfolg, jeder neue Schritt sinnloser als der davor. Doch das ist egal.
Solange ich mein Ziel nicht erreiche, solange bleibt es mir erhalten. Solange gibt es einen Grund weiterzulaufen. Bis mich die Kräfte irgendwann vielleicht doch verlassen. Bis meine Beine zu schwer werden. Bis es einfach nicht mehr geht.
Seit sechs Tagen laufe ich. Ich werde ewig weiterlaufen. Ewig.

Bis der Stillstand kommt.

Monday, February 25, 2008

Vom Erdboden verschluckt / Schwarze Welle

von den Sternen ist nicht viel übrig
doch uns bleibt ja noch der Mond
es gibt so viel zu verlieren
was sich zu verlieren lohnt
so viel zu gewinnen
wenn man in den Himmel schaut
so viel zu bestaunen
wenn man sich das Staunen traut

es ist kein voller Mond heut' nacht
der dort oben einsam thront
und so schau' ich auf den Boden
weil im Himmel niemand wohnt
und so schau' ich auf den Boden
auf den Boden
wie gewohnt

und so schau' ich auf den Boden
und versink' mit jedem Schritt
ein Stück tiefer
ein Stück tiefer
ein Stück tiefer mit ihr mit
bis die Flut kommt
bis die Flut kommt
bis die Flut kommt
bleib' ich hier
vielleicht trägt sie
vielleicht treibt sie
vielleicht bringt sie
mich zu dir

Monday, February 18, 2008

Beifahrerflucht

Seit dem Unfall sehe ich doppelt. Da ist zwei von allem, wo vorher eins war. Zwei von dir. Direkt nebeneinander. Meistens sieht es dann so aus, als liefe dein Spiegelbild neben dir her. Doch letztens, da war es für einen Augenblick so, als sei etwas nicht richtig, als seien da tatsächlich zwei verschiedene Seelen in deiner Doppelgängerin und dir. Nur eine kleine Geste, doch sie stellte alles auf den Kopf, denn sie war nur einmal wahrzunehmen, nicht doppelt. Seitdem warte ich darauf, dass es noch einmal passiert. Ich weiß, es klingt verrückt. Vielleicht ist bei dem Unfall ja doch mehr in mir kaputt gegangen, als das eh schon Offensichtliche. Etwas, das die Ärzte übersehen haben.

Jetzt, wo ich endgültig an meinem Verstand zu zweifeln beginne, da ist sie wieder. Nur einmal, nicht doppelt. Eine Geste, ein Fingerzeig, der mich zum Folgen aufruft. Nur einer. Ich gehe dir nach bis du stehen bleibst und den Finger auf den Spiegel an der Wand richtest. Nur einmal, nicht doppelt. Ich sehe hinein und will meinen Augen nicht trauen, schaue dich an, alles dreht sich, alles dreht sich doppelt und dann wird es dunkel, ganz furchtbar dunkel.

Die Ärzte sagen, ich hätte unwahrscheinliches Glück gehabt. Mein erneuter Sturz habe einen reversibelen Effekt gehabt, die Doppelsichtigkeit verschwunden, alles wieder normal, alles einzeln, alles nur noch einmal da. So sitzt du nun an meinem Bett, ganz ohne Doppelgängerin, ganz gestenlos, ganz allein. Mein Lächeln wirkt gequält, doch schon in ein paar Tagen werde ich schmerzfrei sein, sagt man mir.

Heute ist meine Entlassung und ich bin froh, endlich wieder in meine normalen Klamotten schlüpfen zu dürfen. Alles ist wieder, wie es vorher war, als sei nie etwas passiert. Ich ziehe meine Jacke über, da sehe ich dich hinter mir im Spiegel und ich weiß, dass ich heute besser dich fahren lasse, da ansonsten ein weiterer Unfall vorprogrammiert wäre.

Fahr' vorsichtig.

Thursday, February 14, 2008

Der schwierigste Moment

>>> Das ist der schwierigste Moment. Wenn Sie das Leben, mit dem Sie eben noch den Raum erfüllte, mit heraus in die Nacht nimmt. Wenn nichts verharrt, als das Echo in meinem Kopf, das nicht verhallen will, weil es es nicht verhallen soll, weil es alles ist, was mir am Ende des Tages bleibt.

>>> Das ist der schwierigste Moment. Doch es ist eh nicht mein Leben, das da aus meiner Tür stolziert. Mein Leben ist hier, mit mir zusammen in der Stille, die nie wirklich ist, die nicht wirklich sein kann, solange Sie verweilt, wenn Sie gegangen ist.

>>> Das ist der schwierigste Moment. Sie ist nur ein Gast, ein Besucher, ein Freund. Sie geht ein und geht aus und geht hauptsächlich fort und ich weiß nicht, warum Sie wiederkommt, wenn Sie doch nie ganz gegangen ist.

>>> Das ist der schwierigste Moment. Die Erkenntnis, dass Sie nie geblieben ist, sondern nur das Gefühl. Nur das Gefühl, noch am Leben zu sein.

Wednesday, February 13, 2008

Schwerelos

Es ist nicht so. Nicht so, wie du es gerne hättest. Sie nehmen dich auf statt in den Arm und lassen dich wieder fallen, wenn du ihnen zu schwer geworden bist. Junge, du musst endlich abnehmen. So kann dich doch niemand lange halten. Da musst du dich nicht wundern, dass es nie so ist, wie du es gerne hättest. Du musst leichter werden, insgesamt leichter. Anders geht es nicht. Je weniger Gewicht du mitbringst, desto länger können sie dich auch tragen.

Klar, deinen Ballast wirst du nicht so einfach los, da musst du lange dran arbeiten. Jeden Tag die ganzen scheinbar Schwerelosen um dich rum, so leicht wirst du es nie haben. Aber du kannst versuchen, dich ihnen anzunähern. Du wirst sehen, die meisten interessieren sich nur für deine äußeren Werte, dein Gewicht bemerken sie meist gar nicht.

Dann ist es so, wie du es gerne hättest. Dann nehmen sie dich in und nicht mehr auf den Arm. Dann bist du einer von ihnen, fast schwerelos, fast glücklich und beinahe nicht mehr da.

Doch so ist es nicht, auch wenn du es gerne hättest. Darum werde ich fortan härter trainieren, um dich möglichst lange stützen zu können, wenn irgendwann deine Beine dein eigenes Gewicht nicht mehr alleine tragen.

Tuesday, February 12, 2008

Verlierer

Wir spielen Verstecken. Jeder sucht sich seinen Unterschlupf und bleibt dort solange sitzen, bis er gefunden wird. Manche haben es nicht so gut raus und werden schnell entdeckt, andere wiederum, die kann man lange suchen. Dann hocken sie in ihren Schlupflöchern und warten darauf, gefunden zu werden, selbst dann noch, wenn die Sucherei nach ihnen längst aufgegeben wurde. Sie nehmen das Spiel zu ernst, wollen auf keinen Fall verlieren und riskieren dabei sogar manchmal, sich selbst nicht wiederzufinden. Dann kann man noch so lange suchen, die findet man nicht mehr, die sind verloren, weil sie nicht verlieren wollen. Weil keiner weiß, was sie zu verlieren haben und weil keiner wissen soll, was sie schon verloren. Weil sie selbst nicht wissen, dass es nichts zu gewinnen gibt, solange sie nicht auch verlieren. Weil sie nicht wissen, dass sie selbst die Suchenden sind, die niemanden finden, da sie sich statt zu suchen lieber selbst verstecken.

...98, 99, 100. Zuviel Zeit, sich Gedanken um ein gutes Versteck zu machen.

Saturday, February 09, 2008

Unwesentliches streichen

Als der letzte Textmarker ausgetrocknet war, blieb nur noch ein schwarzer Stift, der jedoch ein Umdenken erforderlich machte.

Tuesday, February 05, 2008

Kompass

So sehr ich mich auch im Kreise drehe, die Nadel zeigt mir den Norden nicht. Sie kommt nicht zum Stillstand, schlägt immer wieder aus, wenn man gerade das Gefühl hat, auf dem richtigen Wege zu sein. So irre ich umher, auf der Suche nach dir und deinen Spuren im Schnee, auf der Suche nach deinem Weg in die Kälte. Ewig rastlos, wie du bist, so werde ich sein, wenn es doch nur hilft, dich zu finden, dich aus dem ewigen Eis zu ziehen und ins Warme zurückzuholen.

Doch die Wärme war nie deins. Du warst stets auf der Flucht und du wirst es so lange sein, bis meine Nadel gefriert und meine Suche endet. Wenn ich schließlich durch die Kälte irre, mit gefrorenem Kompass und verzagendem Blick, wird es schwer ihn zu finden, den Weg zurück. Zurück ins Warme. Ohne Kompass. Ohne dich.

Monday, February 04, 2008

Zahnschmerzen

Es wächst in mir heran, wie ein Tumor. Es breitet sich aus, bis es mich schließlich irgendwann ganz auffrisst.

Jeden Tag spüre ich die Zähne, wie sie sich in meine Zellen verbeißen und mir vor Schmerz das Atmen fast unmöglich machen.

Die Ärzte sagen, sie können nichts für mich tun. Nur abwarten kann man jetzt, sagen sie. Vielleicht gehe es ja von selbst wieder weg.

Dann sitze ich in der Bahn und spüre die Blicke. Ich weiß, man sieht es mir an, das ist das Allerschlimmste daran, man sieht es mir an, mit jedem Blick sieht man es mir an.

Doch ich will sein, wie die mutigen Menschen. Ich will mich nicht verstecken. Nicht vor den Leuten, nicht vor der Gewissheit, nicht vor mir selbst.


Ich habe keine Angst mehr vor den Zähnen. Ich kann nur abwarten und hoffen, dass sie nichts von mir übrig lassen.

Thursday, January 24, 2008

Leuchtturm


Du bist mein Leuchtturm. Ich passe auf, dass du strahlst, sehe zu, wie du die stürmische See mit deinem Licht beruhigst und die großen Schiffe nach Hause führst. Du bist mein Leuchtturm, du bist alles, was ich habe. Jetzt, im Winter, da bilden sich kleine Eisblumen an deinen Fenstern und das Licht bricht sich darin. Selbst in der nebeligsten Nacht zauberst du mir einen Sternenhimmel ans Firmament. Du bist mein Leuchtturm, mein ein und mein alles. Manchmal schlafe ich ein und dann träume ich uns weg, träume uns an den Nordpol, wo es dunkel ist, ein halbes Jahr, nur dunkel. Dann wache ich auf und sehe das Licht und ich weiß, ich weiß, das deines erlischt, weil wir hier nicht im arktischen Winter sind. Ich nehme meine Jacke und gehe nach Haus, sehe noch einmal zurück und weiß ganz genau, dass ich den Weg nicht finde, weil ich den Weg nicht weiß, weil ich den Weg nicht sehe, wenn du nicht scheinst. Du bist mein Leuchtturm, meine Sonne, mein Licht. Doch bei Tag erkenn' ich dich nicht.

Tuesday, January 22, 2008

Loslassen


Ich kann nicht ewig wach bleiben, ich weiß. Ich kann die Nacht nicht davon abhalten, sich dem Ende zuzuneigen. Ich kann nicht. Wenn es hell wird, wird nicht nur sie gegangen sein, alles geht mit ihr. Mit verschwommenem Blick schaue ich dem neuen Tag dabei zu, wie er sie verdrängt und an sich reißt, was ich nicht loslassen will. Dann wird es wieder laut in meinem Kopf und ich merke erst jetzt, wie still er war. So still wie noch nie.
Vielleicht ist es der Lärm der Straße, der mich an diesem Morgen nicht schlafen lässt. Vielleicht der Lärm in mir selbst. Hab' die Nacht längst losgelassen, doch hält sie mich fest, als sei die Sonne nie zurückgekehrt, der Tag nie erwacht. Sie nimmt meine Hand, wiegt mich sanft in den Schlaf und wird verschwunden sein, wenn sich meine Augen wieder öffnen.
Ich kann nicht ewig wach beiben, ich weiß. Ich kann nicht.

Heimfehlt

Träume

Jedes Jahr, wenn sich der Tag jährte, an dem sie von ihm gegangen war, spielte er ihr Lieblingslied, obwohl er all seine Träume längst begraben hatte...

Sunday, January 20, 2008

Drahtseilpakt

Es ist so schwer die Balance zu halten, auf einem Seil, an dem zunehmend jemand rüttelt und zieht und nur darauf wartet, dass man endlich fällt. Ich brauche ein Netz, einen doppelten Boden oder doch gleich einen Fallschirm, so tief wie ich falle, so tief, so tief. Mir wachsen Flügel aus Furcht, im Moment meines Sturzes, tragen mich zurück auf das Seil, an dessem Ende du stehst, mit gezücktem Messer, leisem Lächeln und lautem Blick.
Hab' schon die Flügel ausgebreitet, da steigst du zu mir rauf und reichst mir die Klinge, mit bejahenden Augen und nickendem Kopf.

So durchschneide ich das Seil, mit angelegten Flügeln und stürze mich mit dir in die Tiefe. Kurz bevor ich aufschlage, da breitest du sie aus: deine Flügel, noch so viel größer als meine, und fliegst zurück, nur um ein neues Seil zu spannen.

Friday, January 18, 2008

Seife

mehr vergeht als geschieht
verschwindet
und kommt erst zurück
wenn man's nicht mehr sieht
weil man selbst verschwunden ist

es ist mit der sehnsucht
wie mit einem stück seife
das - mit feuchten fingern versucht
zu fassen -
einfach aus den händen rinnt
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~O
liegt sie auf dem boden~~~~~~~~/|\
rutscht man auf ihr aus ~~~~~#.~~|\
von den tausenden toden
die mir widerfuhren
brach sie mir das genick
nicht das herz
nicht das herz
nicht einfach nur das herz .

Sunday, December 30, 2007

-

Eine Maus kann keinen Elefanten ins Herz schließen. Dafür ist der Elefant zu groß, das Herz zu klein...
wie auch immer man es dreht und wendet, er passt einfach nicht hinein.
Von Zeit zu Zeit passiert es, da treffen solche zwei aufeinander und der Elefant sucht trompetend das Weite. Dabei ist es doch die Maus, die um ihr Leben fürchten sollte. Doch sie bleibt und sieht ihm enttäuscht hinterher, sich wünschend, er wäre noch ein wenig geblieben.


Ein Elefantenherz hätte doch auch genügend Platz für ein ganzes Dutzend kleiner Mäuse. Doch er lässt keine hinein, nicht
eine,
er hält Abstand.


Mäuse sind ihm nicht gut genug und er bleibt lieber unter seinesgleichen,
vielleicht ist es das.

Die Maus wird sich mit diesem Gedanken abfinden und ihrer Wege gehen, abseits der Trampelpfade ihres großen Freundes, der nie ihr Freund sein wollte. Und der Elefant liegt da und windet sich vor Schmerz, da die Maus, deren Herz er vorm Platzen schützen wollte, in seinem eigenen langsam zu einem Blauwal heranwächst.


Wednesday, October 17, 2007

Straßenlaternen austreten

Er macht das, weil er betrunken ist. Straßenlaternen austreten. Dann wartet er zwei Minuten, bis sie wieder angehen und wiederholt den Vorgang. Bis es hell wird und die Lampen nicht mehr angehen. Dann hat er gesiegt und geht nach Hause, schläft seinen Rausch aus und wenn er aufwacht, wird er sich nicht mehr erinnern. Warum sein Fuß schmerzt. Noch stärker, als das Tageslicht in seinen Augen. Könnte er dieses nur auch austreten. Doch er gewöhnt sich daran. An das Tageslicht und an die Schmerzen. Beides wird am Abend verschwunden sein, wenn er wieder loszieht, um Straßenlaternen auszutreten.
Letztens, da haben ihn die Bullen erwischt und nach Hause gebracht. Da haben ihn seine Eltern dann gefragt, warum er das tue. Als er schließlich nach erklärenden Worten rang, sich alles versuchte bewusst zu machen, bemerkte er, dass es ihnen tatsächlich um das Lampenaustreten ging. Er verwarf daraufhin alles, was er sagen wollte. Er macht das, weil er betrunken ist. Mehr will keiner wissen.

Monday, October 08, 2007

Meine Mutter ist ein Wischmop


Format: Sitcom
Status: Pilot (noch nicht abgedreht)
Dauer: ca. 20 Minuten
Darsteller (Vorschläge): 1. Ein Mop, vornehmlich mit so Striemen, die aussehen, wie eine lustige Frisur, Gesicht wird computeranimiert, falls Budget gering: auch aufkleben möglich (Schablonen vorhanden); 2. Mann, weiß, Ende 30, Typ: Familenvater. Olli Geißen wird empfohlen. NICHT GÖTZ GEORGE!!!; 3. Junge, weiß, ca. 7-9 Jahre. Typ: kleiner Frechdachs. Macaulay Culkin wird empfohlen. Müsste allerdings Deutsch lernen; 4. Mädchen, weiß, 1 Jahr älter als 3. Damit ist der Junge gemeint, also nicht 4. Das ist das Mädchen, nicht ihr Alter. Der ist ja schon 2. Typ: hinterlistiges, kleines Biest, das vordergründig den kleinen Engel mimt. Wegen langer Drehzeiten empfiehlt sich die kleine Frau, die das Sams gespielt hat (fällt nicht mehr unter das Jugendschutzgesetz); (5.) Eigentliche Mutter, verstirbt in erster Folge und wird durch 1 ersetzt. Handpuppe mit dem Äußeren einer typischen Mitdreißiger-Mutti genügt.

Rahmenhandlung: Durch den plötzlichen Tod der Mutter, gerät das Familienidyll der Kaläwes ins Wanken. Es herrscht Chaos, da niemand mehr da ist um zu Kochen und zu Putzen. Doch die anfängliche Trauer und Unordnung weichen großer Freude und Heiterkeit, als Tochter Kimberly bemerkt, dass der Geist ihrer just verstorbenen Mutter in dem Mop, der im Keller steht, gefangen ist. Dies ist der Beginn zahlreicher kurioser und verzwickter Situationen. Denn wenn das Jugendamt davon erführe, würde es die Halbwaisenrente streichen...



Skript 1; Folge 1 (Pilot): "Totgesagte fegen länger"


Szene 1; Küche des Hauses

2: Kinder, ich muss euch was sagen. Eure Mutter ist eben gestorben. Da liegt sie. (Zoom auf die Handpuppe, Blut ist zu sehen)
3. Aaaaaaaaaaaaaaaah!
4. Aaaaaaaaaaaaaaaah!
2. Ja, hat sich den Kopf gestoßen und nun das! Überall das Blut und die einzige Person, die es wegmachen könnte, liegt mittendrin und ist TOT! (rein- und rauszoomen auf die 5)
3. (weint) Aber was sollen wir denn jetzt nur tun?!
2. Ich weiß es nicht, mein Sohn. Wir müssen jetzt einfach tapfer sein. Wir werden nun wohl jede Woche ein neues Haus kaufen müssen, weil es stinkt, wenn niemand zum Putzen da ist und wir können nur noch bei Mäcces essen, da niemand mehr kocht. Das wird echt voll teuer. Ich gehe mal schnell zum Amt und beantrage Halbwaisenrente. Dann kommen wir sicher irgendwie durch...
4. (unter Tränen) Ich mag kein Mäcces. Ich will meine Mutti wiederhaben. Ihr seid alle doof! Ich hasse euch! Muttiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!!! (läuft in den Keller und schließt sich ein)

Szene 2; Keller des Hauses

4. (weint) Buhuhu, was soll ich nur ohne meine Mutti tun, buhuhu...
1. (leise flüsternd, mit so einem leichten Zischen bei s-Lauten) Aber hier bin ich doch, mein Kind. Warum bist du denn so traurig?
4. (erschrickt) Aaaaaaaaaaaah!
1. Aber nun erschrecke doch nicht so. Ich bin's do...
4. Das heißt "erschrick"!
1. Was?
4. Erschrecke.
1. Das hab ich doch gesagt...
4. Du bist ein Wischmop.
1. Wie sprichst du mit deiner Mutter?!
4. (hält ihr einen kleinen Spiegel vor) Da!
1. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH! Meine Haare!!!!

Szene 3, Küche des Hauses

4. Guck mal Pimmel, Mutti lebt. Sie ist jetzt ein Wischmop!
3. Ich heiße Pelle, du Wurst!
4. Pimmel bestehen doch größtenteils aus Pelle, hat Onkel Franz mir gezeigt.
1. Was hat Onkel Franz?!
3. AAAAAAAAAAAAAH!
4. Erschreck doch nicht so, das ist Mut...
1 und 3 zusammen: DAS HEISST "ERSCHRICK"!

Szene 4, Wohnzimmer des Hauses

2. (zur Tür reinkommend) Hallo Kinder! Alles klar, das mit der Halbwaisenrente sollte klappen. Der Mann vom Amt kommt nachher nur kurz vorbei, um sich zu vergewissern, dass Mutter auch wirklich hin ist. Und ich hab euch zur Aufmunterung ein Happy Meal mitgebracht!
4. Ich hasse Mäcces!
3. Mutter ist gar nicht tot!
2. Ich weiß, das ist eine schwere Zeit, die ihr durchmachen müsst. Mit fällt es auch schwer zu glauben, dass eure Mutter auf einmal nicht mehr da ist, weil sie...sich gestoßen hat...am Tisch...mit dem Kopf, woran ich völlig unschuldig bin...jedenfalls ist sie tot, hier, da ist n Rennauto drin...und ein Hello Kitty!-Kugelschreiber. Bitte.
1. Dein Sohn hat Recht, Ottfried. Ich lebe!
2. AAAAAAAAAAAAAAAH!
(1, 3 und 4 schauen sich an, lachen dann gemeinsam)
2. Was gibt es da zu lachen?! Ich habe mich richtig erschreckt!
(1, 3 und 4 lachen noch lauter)
2. Ach, weil es "erschrocken" heißen müsste, nä? Jetzt hab ich's.

Szene 5, Küche des Hauses

2. Aber was soll ich denn jetzt nur machen? Die Halbwaisenrente habe ich ja schon beantragt, da gibt es kein Zurück mehr. Wenn nachher der Herr vom Amt kommt, dann darf er auf keinen Fall davon Wind bekommen, dass eure Mutter jetzt ein Mop ist.
1. Das könnte dir so passen, was? Du hast mich doch erst in diese Lage gebracht! Wegen dir bin ich jetzt ein Wischmop, so ist es doch!
2. Jetzt mach aber mal einen Punkt! Das mit dem Totschlag tut mir ja aufrichtig leid, ich war einfach so fertig, weil ich auf der Arbeit so gemobbt werde und nun fängst du auch noch damit an.
(3 und 4 beginnen zu kichern)
2. Was gibt's da zu lachen?
3. Na...Mutti mobbt dich, verstehste?
2. Ach so, ja.
4. Weil sie doch jetzt ein Wischmop ist...
2. Jaja, schon klar.
4. Ein Wischmop, der dich mobbt...
2. Jaha, Herrgottnochmal, ich hab's verstanden!
(es klingelt an der Tür)
2. Oh nein, das ist der Herr vom Amt! Schnell, geh wieder in den Keller...äh...Vileda, oder wie auch immer du dich jetzt nennen magst.
1. Ich werde mich kein Stück fortbewegen. Wäre ja noch schöner, wenn ich dich beim Ämterbetrügen noch unterstützen würde...
2. Kinder, bringt eure Mutter in den Keller!
3. Warum machst du es nicht einfach selbst?
2. Ich...bin der Mann, halloho?! Nie im Leben würde ich nen Mop anfassen!
1. Dafür aber zu gern die Putzfrau, wie?!
2. Ach, kehre doch lieber erstmal vor deiner eigenen Türe, bevor du hier so große Sprüche kloppst! (kichert)...versteht ihr Kinder?! Vor der eigenen Türe kehren...eure Mutter! Die ist doch ein Mop jetzt!
4. Zum kehren nimmt man einen Besen, Vati. Keinen Mop.
2. Gerade mal 7-9 Jahre alt, aber schon so altklug, was.
3. Meine Schwester ist so klug!
2. Pass bloß auf, sonst musst du gleich mit Mutter deine eigene Schleimspur wegwischen...versteht ihr?!
(entnervte Blicke wenden sich Richtung Haustür, an der es zum wiederholten Male schellt)
Ach, dann bleib halt hier, verdammt! Aber sag keinen Ton, während der Herr vom Amt deine Leiche begutachtet!
1. Ich garantiere für nichts!

Szene 6; Küche des Hauses

2. So, dahinten liegt sie, die Ärmste. Ganz tot. Gucken sie ruhig genauer hin...völlig leblos, wirklich!
Herr vom Amt (6): Joah, sieht echt nicht mehr so frisch aus...
1. Das sagt der Richtige!
6. Wie war das? Wer hat das gesagt?
2. Wie war was? Was? Also ich hab nichts gehört. Vielleicht war es der Wind, der durch die Fenster zischte...bestimmt war es das...
1. (leise) Zissssssssch ab!
6. Der Wind, soso. Ich könnte schwören, ich hätte jemanden sprechen hören.
2. Ich bitte sie, außer mir und ihnen ist hier doch nur dieser Wischmop. Und, ha, ha, seit wann können wohl Wischmöppe reden?!
6. Ist der Plural echt "Wischmöppe"?
2. Wirklich erschräckend, die deutsche Sprache manchmal.
6. Sagten sie gerade "erschräckend" mit ä?
2. Nein!
1. Ja!
6. Was denn nun?
2. Ja! Ja, sagte ich. Ich bin so dumm. Bitte, tot ist sie, ja? Gut, wo muss ich unterschreiben?
6. Achso, ja, hier.

Und hier!


Uuuund hier!

1. Und hier!
6. Nein, da nicht mehr.
2. Mist, jetzt hab ich schon.
6. Damit ist der Antrag leider ungültig. Ich komme morgen mit einem neuen vorbei. Dann vergewissere ich mich auch nochmal, ob ihre Frau noch tot ist. Tschüs. (geht ab)
2. Ach verdammt! Das hast du extra gemacht! So ein Dreck!
1. Ich hab schon eine Idee, wie ich den Dreck wieder wegmachen kann, Süßer...(schmiegt sich an 2)

Schlussszene; elterliches Schlafzimmer

1. Uh ja, ich bin schon ganz feucht...mach weiter...
2. Okay, so geht das nicht...
1. Aber was hast du denn?!
2. Du bist jetzt ein Wischmop, verstehst du...keine Vagina und so...
1. Und wie gefällt dir das...(legt ihre Striemen auf seinen Schoß)
2. Ganz gut.
(kurzer Schnitt, beide liegen eng beieinander)
2. Whohooo, das war super.
1. Oh ja, mein allererster Dreier...
2. Watt?! Dreier?
1. Mhmm, du, ich und... MR. PROPPER!!!!!

Ende

Schlusscredits, ggf. Outtakes. Vorschau auf Folge 2: "Die Putzfrau", in der es eine polnische Reinigungskraft durch eine spaßige Verwechslung mit dem Eigenleben ihres Reinigungsgerätes zu tun bekommt. Wenn das der Herr vom Amt wüsste...

Sunday, September 30, 2007

Wo du bist

Es ist spät, dort wo du bist. So gerne würde ich mit dir reden, doch du schläfst jetzt tief und fest. Wo du bist. Wo du bist ist alles anders. Das Wetter, die Menschen, die Gedanken... muss man sich überhaupt welche machen, dort wo du bist? Ich mache mir zu viele. Ich denke zu oft darüber nach, über dich. Über dich und wo du bist. So viele Fragen, so wenige Gelegenheiten, sie dir zu stellen.
Dort, wo du bist, scheint alles heller zu sein. Alles freundlicher. Und so leicht. Ich wünschte so sehr, ich könnte bei dir sein, doch ich weiß, dass es nicht geht. Es wird nie gehen.
Wie gerne wäre ich bei dir. Vielleicht nur zu Besuch. Am liebsten für immer. Es wäre heller, die Menschen so freundlich und alles so leicht. So leicht, dass man es gar nicht fassen könnte, wenn man einmal hier gewesen ist. Ein paar Tage, ich würde alles dafür geben.
Es geht einfach nicht. Wo du bist, kann ich nicht sein. Das wissen wir beide. Ich schaue dich an und höre deinen leisen, tiefen Atemzügen zu, würde so gerne wissen, was du träumst, wäre so gern ein Traum von dir. Ich hoffe, du weißt, dass du immer bei mir schlafen kannst, solltest du dich jemals hierher verirren. Wenn auch nur zu Besuch.

Wednesday, September 19, 2007

Ende einer Reise

Wir haben sie verloren. Irgendwo auf dem Weg. Vielleicht ist sie aus meinem Rucksack gefallen, der war offen. Oder hast du sie doch zu Hause liegen lassen? Spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Um zurückzufahren und sie zu suchen ist es zu spät. Vielleicht kommen wir auch ohne sie ans Ziel. Vielleicht haben wir Glück und niemand fragt nach ihr.
Es fühlt sich wie schwarzfahren an. Nur mit der dumpfen Gewissheit, dass man erwischt wird. Denn selbst wenn niemand nach ihr fragt, unsere Gesichter sind zu verräterisch. Sie schreien es einem praktisch ins Gesicht, dass wir sie nicht dabei haben.
Ich will dir keine Vorwürfe machen, ich mache es trotzdem. Blind vor Wut gebe ich dir die Schuld, doch bin ich eigentlich nur wütend auf mich selbst, nicht besser darauf aufgepasst zu haben. Bestimmt fiel sie aus meinem Rucksack. Warum habe ich auch nicht darauf geachtet, ihn gut zu verschließen? Und jetzt schreie ich dich an. Du schreist zurück und ich realisiere, dass wir beide im Unrecht sind. Dann wird es still. Ganz still.
Ich versuche dem Grenzbeamten nicht ins Gesicht zu sehen, während ich ihm die Pässe gebe und er uns anschließend mit einem Lächeln und einem "Gute Reise weiterhin." freundlich durchwinkt. Ich weiß, wir fahren nicht mehr zurück. Ich weiß, du willst nie mehr dorthin, wo du mich mit ihr zurückgelassen hast. Und du wirst mich wieder zurücklassen. Ohne sie. Nur mich und meinen leeren Rucksack.

Wednesday, September 12, 2007

Das, was fehlt, ist durch nichts zu ersetzen.


O
/|\
/\ Kopf hoch.

Monday, August 13, 2007

Mondreise

Der Mond ist auch nur da, weil er nicht weiß wohin. Zieht er halt seine gewohnten Kreise. Traut sich nur noch nachts raus, wenn keiner guckt. Manchmal lugt er sogar nur halb hinter seinem schwarzen Vorhang hervor, da kann man ihm noch so gut zurufen, hat keinen Zweck. Als sei es ihm unangenehm, dass sich jemand um sein Wohl sorgt. Tut er so, als wäre er gern allein. Doch das ist er nicht. Er hätte sicher gerne wieder mehr Gesellschaft, so wie damals, '69, als ihn die Amerikaner besuchten. Da wirkte er viel glücklicher. Auf den Bildern jedenfalls.
Es ist ihm unangenehm, dass er nicht gastfreundlicher sein kann, so ganz ohne Atmosphäre, ohne Wasser und Luft, ohne eigenes Leben. Da kommen Menschen einfach nicht gern zu Besuch. Sonst ist niemand hier, der für ihn da sein kann.


Wenn er gegen 5 dann nach Amerika weiterzieht, dann schaue ich ihm nach und denke während ich langsam einschlafe, dass ich ihn vielleicht nicht mehr wiedersehe. Weil irgendjemand ihn vielleicht doch noch auf die richtige Bahn lenkt, Richtung Jupiter, wo er sich zu 63 Gleichgesinnten gesellt und fortan nicht mehr alleine seine Wellen schlagen muss. Es wäre sogar okay, wenn mich infolgedessen die Nordsee weckt.

Sunday, July 15, 2007

Lebenszeichen

Gib mir ein Lebenszeichen. Ein Signal, ein Blinken auf dem Radar, ein Leuchtfeuer. Ein Wort, eine Antwort.
Im Dunkel segelnd, suche ich das Meer nach Punkten, nach Licht, nach dir ab.

Gib mir ein Lebenszeichen. Ein Herzschlag, ein Echo für das Sonar, ein Ruf, nach Hilfe, nach mir. Doch alles bleibt dunkel und stumm. Nur das Rauschen des Meeres erhebt sich über die Stille, erhebt sich über mich.
Und als mein Schiff versinkt, mitsamt der Hoffnung, dem Glauben, da springe ich über Bord und tauche hinab, bis es nicht mehr weitergeht. Vielleicht hat dich ja ein Wal gefressen.

Tuesday, July 10, 2007

Sperrmülluniversum

Fernseher kaputt. Kein Problem. Komm' ich mit klar. Läuft eh nur Quark. Außerdem besitze ich alles Nötige, um mir einen Neuen zu basteln. Zwei Flaschen Eistee und einen Zollstock!

Hier schaue ich gerade eine Sendung über Biologie [moderiert von (das tut jetzt sogar mir weg) Patrick Linder]:



Wäre natürlich jetzt doof, jedesmal zum Umblä...schalten aufstehen zu müssen. Komfort wird bekanntlich groß geschrieben, nicht zuletzt auch, weil es sich hierbei um ein Nomen handelt. Fernbedienung also. Bidde:



War da gerade Hitler in meinem Biologiebuch? Na ja, ist ja auch alt, der Schmöker.
Weiter im Text. Im Videotext! Wäre natürlich auch nicht verkehrt, klar. Wenn man mal schnell die Uhrzeit braucht oder das Neueste in Sachen Datum, unverzichtbar. Und ich verzichte auf gar nichts!




Und gleich, nach den Prospekten, werde ich mir dann noch ein paar DVDs ansehen. Die Filme kenne ich ja eh, da reicht die Hülle vollkommen aus. Gott, bin ich deprimiert...

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Wednesday, July 04, 2007

Standby me

Du bist immer auf Standby. Niemals an und niemals aus. Dein rotes Licht lässt mich nicht schlafen. Und wenn es ganz still geworden ist, dann höre ich dich leise brummen. Als läge da jemand neben mir und schnarche ganz sanft. Als wäre ich nicht allein.
So starre ich in dein rotes Licht, das wie eine Warnung ist. Ich weiß. Ein falscher Schritt und du erwachst aus deinem Schlaf. Dem leisen Brummen folgten laute Stimmen. Und unerträglicher Krach. Unerträglicher Krach.

Ich liege hier still und warte auf den Morgen, höre dir beim Schlafen zu und suche verborgen, mit den Augen den Boden ab.
Nach deinem Stecker im Kabelsalat.

Sunday, July 01, 2007

Geheimrezept

Wenn man etwas Schatten hinzufügt, sind Plätzchen auch im Sommer noch genießbar.

Tuesday, June 26, 2007

Die Ameise

Du kannst das Siebenfache deines eigenen Gewichtes tragen, habe ich gelesen. Beeindruckend. Du könntest sieben deiner betrunkenen Freunde allein nach Hause tragen, wenn es sowas bei euch überhaupt gibt. Alkohol und Freundschaft. Du könntest auch deine Frau ins Krankenhaus bringen, während sie gerade dabei ist, sechs Kinder zu gebären, die alle schon ausgewachsen sind. Zugegeben, ein sehr hypothetisches Beispiel. Ihr legt ja eh Eier. Gar nicht auszudenken, wie viele du allein davon tragen könntest. Es ist wirklich schier unbegreiflich, wie stark du bist. Und doch, müsstest du auch nur einen Moment lang mein Gewicht tragen, es würde dich einfach zerquetschen.

Tuesday, May 29, 2007

Grundfarben

Für all die guten Tage
zünd' ich eine Kerze an
und sehe wie sie brennt
in blaurotgelb
flackernd im Wind
in blaurotgelb
halt meine Hand hinein
in blaurotgelb
vor meinen Augen
nur blaurotgelb
bis die Flamme erstickt
nur der Schmerz bleibt zurück
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb
in blaurotgelb

Dies ist für die guten Tage
und alles was dazwischen liegt