Saturday, November 25, 2006

Der Tod des Landschaftsgärtners - Ein Einakter



Personen

Ein Mann, Landschaftsgärtner
Der Tod


Erster und letzter Auftritt, erster und letzter Aufzug

Stadtpark, eine mitteleuropäische Großstadt




Mann: Hey, Sie, na Sie sind mir ja einer. Sie sehen ja aus wie der Tod persönlich.
Tod: Ach, finden Sie? Sowas haben schon viele gesagt, vielleicht ist da ja doch was dran.
Mann: Na wenn Sie hier mit Ihrer schwarzen Kaputze und so 'ner rostigen Sense rumsitzen, da kann man schon auf so einen Gedanken kommen. Aber ich warne Sie! Hacken Sie bloß nicht mit Ihrem Gerät in meinen Beeten rum! Sonst können wir gerne den Spieß umdrehen und SIE machen Bekanntschaft mit dem Tod!
Tod: Is' ja gut, Mann! Regen Sie sich ab! Ich will hier nur in Ruhe meine Stulle essen, dann gehe ich wieder an die Arbeit. Ihre Beete interessieren mich dabei nicht sonderlich.
Mann: Aha, was arbeiten Sie denn, wenn man fragen darf?
Tod: Wonach sieht's denn aus, mein Herr?
Mann: Ja, klar, Sie Spinner! Als ob der Tod eine Stulle essen müsste, um sich zu stärken...
Tod: Irgendwovon muss der Tod doch auch leben, mein Herr.
Mann: Sicher. Das ist sicher ein stressiger Job, was? Sterben ja täglich ein paar Millionen Menschen. Im Moment stirbt doch sicher auch jemand, sollten Sie da nicht dabei sein?
Tod: Quark, Mann! Jetzt hab ich Pause. Jetzt ess' ich meine Stulle und danach sehen wir weiter.
Mann: Und was ist mit den Menschen, die in Ihrer Pause sterben?
Tod: Na deren Seele bleibt halt so lange noch in deren toten Körpern. Ist doch kein Problem. Seelen werden ja nicht schlecht oder verfaulen mit. Was dachten Sie denn? Dass ich bei jedem einzelnen Todesfall dabei bin? Wie soll ich das denn anstellen? Ich sammle nur die Seelen ein, nachdem die Leute verstorben sind...
Mann: Und was stellen Sie dann mit diesen Seelen an, wenn man fragen darf? Bringen Sie die guten in den Himmel und die bösen in die Hölle, oder wie darf ich das verstehen?
Tod: Pff, spinnen Sie doch nicht rum, Mann. Gut und böse gibt's bei Seelen schonmal gar nicht. Seelen sind Seelen. Zum Feierabend gebe ich die dann zum Recycling.
Mann: Bitte was? Wie bitte recyclet man denn Seelen?
Tod: Mann, sind Sie schwer von Begriff. Schonmal 'ne Flasche ins Altglas gebracht? Wesentlich anders läuft's bei den Seelen auch nicht ab.
Mann: Und was wird dann aus den Seelen?
Tod: Na neue Flaschen...Seelen mein ich. Sie machen mich ganz meschugge, Mann. Die werden dann eben in Neugeborene eingepflanzt.
Mann: Also gibt es kein Leben nach dem Tod? Besitze ich auch so eine recyclete Seele, oder wie?
Tod: Haha, Leben nach dem Tod, nee, vergessen Sie das mal ganz schnell wieder. Man nimmt einfach ne Seele, schmeißt sie in den Container und ab dafür. Wie bei Glas gibt es übrigens auch bei Seelen für die verschiedenen Farben unterschiedliche Container. Da gibt es Weißseelen, Schwarzseelen, Braunseelen, Gelbseelen...
Mann: Was? Sie wollen allen Ernstes behaupten, Seelen seien nach Rassen getrennt?
Tod: Klar, Mann. Macht ihr hier unten doch auch nicht anders. Einmal, da habe ich aus Versehen 'ne weiße Seele in den Schwarzseelencontainer geschmissen. Das gab vielleicht einen Ärger. Aber das Weiße schimmerte dann doch irgendwann auch äußerlich durch und der Typ wurde dann Sänger oder sowas. Die Seele war auch irgendwie ganz kaputt irgendwann. Sowas passiert halt, wenn man sich mal vertut. Das ist halt ein wirklich verantwortungsvoller Job, den ich da habe. Man muss ja auch die Frauen- von den Männerseelen unterscheiden. Dabei läuft mir auch des Öfteren mal was schief. Dann werden die homo oder lassen sich gar umwandeln und so Zeug. Da muss man dann auch aufpassen, wenn man sich die Seelen zurückholt, dass man die das nächste Mal nicht wieder falsch einschmeißt.
Mann: Das ist ja furchtbar! Lastet denn die Verantwortung allein auf Ihren Schultern? Haben Sie denn gar keinen, der Sie unterstützt?
Tod: Nee, auch der Himmel muss Personal einsparen. Aber mein Boss hat mir vor ein paar Jahren dann die Stundenzahl gekürzt, weil ich wirklich fast rund um die Uhr am Schuften war. Zuerst hat er für alle Chinesen eine einzelne Seele entwickeln lassen, so dass ich die der Verstorbenen nicht mehr extra einsammeln muss. Wir nehmen da jetzt einfach immer 'ne Kopie von diesem Prototyp da. Sehr praktisch, das. Und na ja, Afrika habe ich dann vor ein paar Jahren auch aufgeben dürfen. Die sterben da einfach wie die Fliegen, da kommt ja keiner mehr hinterher. Die machen dafür aber so komische Begräbnistänze. Dadurch setzen sie die Seelen wohl auch irgendwie frei, hab' ich nie so ganz verstanden. Ob die Neugeborenen da überhaupt noch Seelen eingepflanzt bekommen weiß ich leider auch nicht, das is' ja 'ne ganz andere Abteilung. Zum Glück lebt ihr in Mitteleuropa mittlerweile alle so lang. Zu Zeiten der Pest damals hab ich echt kaum Schlaf bekommen wegen euch...
Mann: So, so, der Tod muss also auch noch schlafen, verstehe. Würde mich nicht überraschen, wenn er auch noch selber sterben könnte...
Tod: Blödsinn. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin, dann mache ich eben mehr Fehler beim Sortieren. Diese Weltkriege damals, da sind mir auch ein paar Seelen abhanden gekommen, weil ich so übermüdet war. Durch diesen ständigen Bevölkerungswachstum auf der Welt kommt man auch mit dem Kopieren kaum nach, so dass viele erstmal ohne Seele auskommen müssen. Oder halt mit ner chinesischen, die sind recht simpel, da geht das Kopieren schneller.
Mann: Ich habe doch wohl hoffentlich keine chinesische Seele, oder?
Tod: Iwo, Sie haben die typische, mitteleuropäische Arbeiterseele. Davon gibt's auch nicht mehr so viele wie früher einmal. Ich bin einfach überarbeitet, brauche mal Urlaub oder sowas. Aber dann alles nacharbeiten, nä, da hab' ich auch keinen Bock drauf.
Mann: Sie haben wirklich einen an der Klatsche, mein Herr. Solch eine absurde Geschichte habe ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Wenn Sie wirklich der Tod wären, wieso könnte ich Sie denn dann wohl sehen, hm? Hm?!

Wednesday, November 22, 2006

dreißigprozentschlimm

Nur nicht zuviel erwarten.
Dieses Jahr habe ich ein besonders tolles Geschenk für dich zu Weihnachten. Ich will nicht enttäuscht sein. Enttäuscht, weil du kein Geschenk für mich hast. Ich will dir nur eine Freude machen. Du hast viel um die Ohren und kommst sicher nicht dazu, dir ein schönes Geschenk für mich auszudenken. Das ist schon okay.

Meine Probezeit ist bald rum. Ich mache meinen Job ganz gut, denke ich. Hab' mich schnell eingefunden hier. Die Kollegen gehen zusammen mittagessen. Sie kennen mich noch nicht so gut, vielleicht nehmen sie mich mal mit, zum Essen, wenn ich übernommen werde. Ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht übernommen werde, glaube ich. Ja, ich mache meine Arbeit gut, aber die Unternehmen müssen ja auch wirtschaften, da bin ich dann vielleicht zu teuer. Oder es gibt jemand, der meine Arbeit noch besser kann. Vielleicht bin ich nicht gut genug. Vielleicht denke ich nur, ich sei gut, dabei hat den Job vielleicht schonmal jemand besser gemacht. Ich esse zu Hause ja auch allein, da ist das hier gar kein Problem. Wahrscheinlich übernehmen sie mich nicht. Ich will nicht enttäuscht werden. Ich darf nur nicht zuviel erwarten, dann bin ich es nicht. Nur ein bisschen vielleicht.

Die Heilungschancen liegen bei 70%, sagt der Arzt. Ich weiß noch, wie ich geweint habe, als ich von deiner Krankheit erfahren habe. Wie wir beide dasaßen und weinten, Arm in Arm, weil wir es einfach nicht fassen konnten. Es klang so schlimm, jetzt ist es nur noch dreißigprozentschlimm. Morgen um diese Zeit operieren sie dich schon. Wie der Arzt das wohl berechnet hat, die 70%? Ob er da eine Statistik über ähnliche Operationen zu Rate gezogen und einfach die Toten gezählt und von der Gesamtheit aller Operationen abgezogen hat? Ich weiß es nicht. Ob der Arzt bei Studienantritt wusste, wieviel Mathematik er in seiner beruflichen Laufbahn noch begegnen wird? Ob er da enttäuscht war? Ich wäre es wohl gewesen. Ich war in Mathe auch nie besonders gut. Womöglich hätte ich mich auch hier verrechnet und den Angehörigen ganz falsche Hoffnungen gemacht. Morgen abend werde ich dich dann im Krankenhaus besuchen. Zu 70%.

Und wenn nicht? Wo wirst du sein, wenn du nicht mehr lebst? Bist du dann überhaupt noch? Irgendwo? Im Himmel vielleicht, wie man es uns damals im Konfirmandenunterricht erzählte? Weißt du noch? Wärest du enttäuscht, weil du noch soviel machen wolltest, unten auf Erden. Wir wollten doch noch gemeinsam die Wohnung streichen, erinnerst du dich? Ganz rot, weil du weiß so spießig findest.
Ich wäre wohl enttäuscht. Enttäuscht, dass Enttäuschungen auch nach dem Tod nicht aufhören. Ich hab's dir immer gesagt, erwarte nur nicht zuviel, dann bist du nicht so sehr enttäuscht. Nur ein bisschen vielleicht. Gerade frage ich mich, wie es wäre, wenn du morgen abend gar nicht mehr wärst. Wenn nach dem Tod kein Leben kommt. Wärst du auch enttäuscht, wenn es kein Leben mehr gibt, wenn das irdische Leben vorbei ist? Nein, wie solltest du auch? Du könntest ja gar nicht enttäuscht sein, wenn du nicht mehr bist.
Ich will doch gar kein Geschenk. Ich brauche den Job doch überhaupt nicht, auch keine Kollegen um mich in der Mittagspause. Alles, was ich brauche, sind dreißigprozent mehr, um diese Nacht zu überstehen. Um nur nicht zuviel zu erwarten. Ich will dich morgen abend besuchen. Ich will mit dir zu Mittag essen. Ich will rote Wände. Es ist doch bald Weihnachten.

Zu 70% bin ich morgen abend nicht enttäuscht. Für die verbleibenden dreißigprozent wünsche ich dir, dass zumindest du es nie mehr sein musst, selbst wenn es vielzuviel erwartet ist.

Saturday, November 18, 2006

Schwarzes Schaf

Es brannte in jener Nacht, in der er schlafwandelnd vor einen heranbrausenden Löschzug lief. Er brach sich beim Aufprall diverse Knochen in diversen Körperregionen, doch nach wenigen Wochen konnte er entlassen werden. Er war froh aus dem Krankenhaus zu sein, in welchem er von Schwester Tina stets wortarm und lieblos abgefertigt wurde. Wie ein Kaugummipäckchen, das über den Supermarktscanner gezogen wird.
Seine Mutter holte ihn ab, sagte kaum ein Wort, sah ihn kaum an, sah nur auf die Straße, wie ein Zombie blickte sie drein, wie eine Tote unter den Lebenden.
Als sie zu Hause ankamen, war außer den beiden niemand daheim. Normalerweise ist sein Vater um diese Zeit hier. Er hatte sich darauf gefreut, mit ihm ein wenig Autorennen zu spielen, auf der Konsole, doch er traute sich nicht zu fragen, wo er denn sei, der Vater. Er kam auch nicht zu Besuch, als er im Krankenhaus lag. Als einziges Familenmitglied besuchte ihn die Großmutter. Vater arbeitet, er arbeitet ja so viel, sagte diese stets. Mutter geht es nicht gut, die Mutter hat viel zu tun. Nun sah er mit eigenen Augen, dass es Mutter nicht gut ging. Doch er traute sich nicht zu fragen, warum. Auch fragte er nicht, wo denn sein Vater sei. Er fürchtete sich vor der Antwort, ohne genau zu wissen, weshalb.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, da war seine Hand ans Bettgestell gekettet. Er erschrak und schrie, bis endlich seine Mutter auftauchte, um ihn loszumachen. Er sah, dass sie weinte, weinte selbst, rief seinen Vater, doch er kam nicht und seine Mutter schluchtzte nur noch mehr. Sie fasste ihn bei der Hand, nahm ihn mit in den zweiten Stock, wo sein Vater oft bis spät in der Nacht am Computer saß und arbeitete. Doch der Computer war nicht da, nur schwarz, überall schwarz.

Er stürmte in sein Zimmer zurück, kettete sich ans Bett und wollte schlafen, nur noch schlafen und die Sirenen loswerden, die seinen Kopf nicht mehr verließen.

Sunday, October 22, 2006

Wie der Mann, der immer alles falsch machte, keinen Selbstmord beging

...und als er es wieder einmal vermasselt hatte, sprang der Mann, der immer alles falsch machte, hinter den Zug und musste schließlich selbst ein wenig lachen, während die kräftigen Männer der S-Bahn-Wache ihn von den Gleisen zogen.

Wednesday, October 11, 2006

Kirschkreislauf

Heute sagte jemand zu mir, der Sommer sei wohl vorbei. Dies war für diese Person kein schöner Gedanke, also versuchte ich sie aufzuheitern, indem ich ihr sagte, der Sommer sei gar nicht vorbei, er sei nur jetzt woanders. Vergebens.

Es ist an sich jedoch irgendwie beruhigend, dass er nie wirklich aufhört, der Sommer. Oder das Tageslicht. Selbst der schönste Sonnenuntergang ist irgendwo unendlich. Er wandert einfach nur weiter.

Manchmal glaube ich fast, Gefühle seien wie Jahreszeiten. Sie kommen und gehen, halten nie an, wandern nur weiter, weil alles sich dreht. Als hörte man nie auf die selbe Person zu lieben, auch wenn man nun vielleicht den Sonnenuntergang mit jemand anderem teilt. Als wandere nur alles vom Bewussten ins Unbewusste, als verdränge der Herbst den Sommer, der Winter den Herbst, der Frühling den Winter bis schließlich ein neuer Sommer den alten in Vergessenheit geraten lässt.
Und doch ist der neue Sommer gleichzeitig der alte, der gewanderte. Er kehrt zurück und man erkennt ihn nicht wieder, weil er sich doch verändert haben muss, nach all der Zeit. Doch der Sommer ist der selbe wie im letzen Jahr. Es ist der selbe Sommer wie seit Urzeiten. Der Sommer verändert sich nicht. Der Winter zwingt ihn nur immer und immer wieder zu einem Neuanfang. Was war bedeckt er mit Schnee und Eis, bis die ersten Sonnenstrahlen die dicke Schicht zum Schmelzen bringen und alles neu heranwachsen kann.
Doch wachsen an einem Kirschbaum nicht plötzlich Äpfel. An einem Nussbaum gedeihen auch nicht auf einmal Melonen. Es wachsen die gleichen Früchte, die auch im Jahr zuvor schon dort wuchsen. Die gleichen Kirschen und Nüsse. Vielleicht schmeckten die vom letzten Jahr irgendwie besser, vielleicht bildet man es sich jedoch auch einfach nur ein. Dann wünscht man sich, man hätte damals ein paar eingefroren, um sie jetzt noch essen zu können. Doch im Hinterkopf weiß man, dass sie dadurch wohl an Geschmack verloren hätten.

So akzeptiert man irgendwann einfach den Kreislauf all jener Dinge, denkt von Zeit zu Zeit vielleicht noch einmal an diese Kirschen, die besonders gut waren und wartet darauf, dass es wieder wärmer wird. Vielleicht war der letzte Sommer auch einfach zu verregnet um gutes Obst hervorzubringen.

Monday, September 25, 2006

Moll

Mein Klavier ist mein bester Freund. Mit ihm kann ich total albern, aber auch sehr traurig sein. Was ich auch bin, so ist es auch.

Es fängt meist traurig an, wird zunehmend alberner, fängt neu an, fängt mich auf.

Mein Klavier ist ein elektrisches Klavier. Ich schalte es ein, setze meine Kopfhörer auf, weil niemand hören will, wie ich wirklich bin.

Manchmal fängt es traurig an, will einfach nicht albern werden. Dann schalte ich es aus, als wäre es mein Kopf.

Mein Klavier ist mein bester Freund. Ich erzähle ihm alles. Ich höre ihm zu. Viel zu spät merke ich erst, dass ich, genaugenommen, Selbstgespräche führe.

Mein Klavier ist ein elektrisches Klavier. Wenn ich es ausschalte, wünsche ich mir manchmal ein richtiges Klavier. Dann gäbe es kein Ein und kein Aus, kein Anfang und kein Ende.
Doch spielte ich darauf, stünden wenige Augenblicke später die Nachbarn vor meiner Tür und bäten mich darum, doch etwas weniger albern zu sein.

Und so denke ich manchmal an diese traurigen Gestalten, während ich den Ausschaltknopf betätige und versuche, einen Rest Albernheit mit in den Schlaf zu retten.

Tuesday, September 12, 2006

Als Thorsten vergaß zu gratulieren...

Ich war nie Teil eines Lebens. Klar, Menschen hatten mit mir zu tun, anders geht es ja wohl nicht, richtig? Doch wenn ich nicht da war, war ich auch aus ihren Köpfen verschwunden. Als hätte es mich nie gegeben. Doch es gab mich. Nur nahm niemand so wirklich Notiz davon, wenn ich nicht direkt vor ihnen stand. Und selbst dann war es manchmal schwer.

Nicht, dass ich mich je sehr darum bemüht hätte, Teil eines Lebens zu sein. Nein, nein, ganz und gar nicht. Ich war immer schon gern allein. Was ist das denn schon, jemandem wichtig sein? Jemandem etwas zu bedeuten? Das heißt doch nur Verantwortung. Und Verantwortung heißt auch gleichzeitig Belastung. Und Belastung heißt Stress. Und von Stress bekommt man Haarausfall und im schlimmsten Falle sogar einen Infarkt. Wieso die Menschen freiwillig ihre Gesundheit so aufs Spiel setzen ist mir schon immer ein Rätsel gewesen.

Wenn man Teil eines Lebens ist, dann denkt man viel zu viel nach. Über Dinge, die einen sonst gar nicht interessieren. An jemand anderen. Nicht mehr nur an sich selbst. Dabei hat man mit sich selbst doch schon genug zu tun, wie soll man da auch noch jemand anderen unterbringen? Irgendwie geht das. Irgendwie geht das wohl bei manchen Leuten. Ich könnte das nicht. Und die Menschen merken das, glaube ich. Deshalb lassen sie mich nicht in ihr Leben. Deshalb bleibe ich vor der Tür und klingele ab und zu, um ein kurzes, belangloses Schwätzchen zwischen Tür und Angel zu halten, bevor ich wieder verschwinde, aus ihren Köpfen, aus ihren Leben. Wenn sie wollten, dass ich ein Teil ihres Lebens werde, dann würden sie mich doch hineinbitten, nicht wahr? Ist doch so.
Vielleicht bin ich auch nicht energisch genug. Jeder Staubsaugervertreter hätte bessere Karten hereingelassen zu werden. Und jedesmal, wenn sie dann den Staub aus dem Teppich saugten, würden sie an ihn denken, wie nett er gewesen sei, der Herr Staubsaugervertreter, und all die Komplimente die er ihnen gemacht hätte. Sowas kann ich nicht. Sowas kann ich einfach nicht.

Ja klar, ich habe mit Menschen zu tun. Fast täglich sogar. Doch ich weiß, dass nach Feierabend niemand mehr an mich denkt. Niemand, der anruft, niemand, der fragt, wie es mir denn so geht. Ob alles wohl im grünen Bereich sei, alles paletti, solche Geschichten. Und gestern, an meinem Geburtstag, da fragte Thorsten mich in der Mittagspause, ob ich wohl langsam Geheimratsecken bekäme. Es brach mir das Herz.

Saturday, September 09, 2006

Nur zur Miete

Als es passierte, wurde sie ohnmächtig. Es vergingen nur wenige Minuten der Bewusstlosigkeit, doch als sie wieder zu sich kam, erschien es ihr, als wären Jahre vergangen.
Sie erkannte nichts wieder. Gar nichts. Weder die Stadt, in der sie lebte, noch die Menschen, die sie nun mit sorgenvoller Miene ansahen. Sie ertrug die Blicke nur mit großer Anstrengung. Wie ein verwundetes Kind sah man sie an. Menschen, die sie kannte und deren Gesichter sie doch nicht einordnen konnte. Menschen, die ihr früher viel bedeutet hatten. Doch was und warum, das wusste sie nicht mehr.
Und so schaute sie diese Menschen an, mit der selben Hilflosigkeit und noch viel größeren Ängsten. Wovor, das wusste sie nicht. Doch sie durchzuckten ihre Glieder, dass sie zusammensank. Zurück auf den Boden, auf dem sie zuvor schon minutenlang gelegen hatte, umringt von den Menschen, die ihr einst die Welt bedeuteten, doch die einfach nicht wussten, was zu tun war.
Nun kniete sie da, sah ihre Gesichter, wie sie sich langsam von ihr abwandten, sich gegenseitig um Rat ersuchend, bis sie schließlich in der einsetzenden Dämmerung kaum noch zu erkennen waren.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, stand auf und ging nach Hause, allein, bis sie es endlich wiedergefunden hatte.

Monday, September 04, 2006

Die Geschichte vom kotzenden Roboter

"Ich habe häufig Magenschmerzen.", klagte der Roboter, als er bei einer Routineinspektion nach auftretenden Fehlfunktionen gefragt wurde. Daraufhin lachten die Techniker und erklärten ihm, er habe doch überhaupt keinen Magen.

Als er am nächsten Morgen aktiviert wurde, da war ihm plötzlich sehr schlecht. Er behauptete sehr starke Krämpfe in der Magengegend zu haben. Sein Besitzer ging von einem Programmierfehler aus, benachrichtigte die Servicestelle und deaktivierte den Roboter vorsorglich wieder.

Der Techniker überprüfte die Schaltkreise und die Mechaniken, entdeckte jedoch keinerlei Unstimmigkeiten. Als er den Roboter schließlich wieder in Betrieb nahm, da spie er zunächst etwas Öl, dann ganze Schrauben und Muttern. Der Techniker nahm ihn zur genaueren Untersuchung mit in die Werkstatt.

Doch auch hier, nicht der kleinste Hinweis auf eine Fehlfunktion. Schließlich wussten sie sich nicht mehr anders zu helfen und löschten den Großteil seiner Gedächtnisengramme. Nur die standarisierten Arbeitsroutinen blieben erhalten.

Bei erneuter Inbetriebnahme schien zunächst alles wieder normal zu sein. Der Roboter verrichtete seine ihm aufgetragenen Tätigkeiten effizient und den Anweisungen entsprechend. Doch nach einigen Tagen trat das gleiche Problem erneut auf. Er übergab sich diesmal sogar auf seinen Besitzer, der daraufhin mit sieben Stichen genäht werden musste. Dieser gab daraufhin den Roboter entnervt zurück und ließ sich fortan wieder von einem Schwarzen den Tee servieren.

Derweil zerlegte man den Roboter in seine Einzelteile und verfrachtete diese in diverse Ersatzteillager.
Monate später folgte schließlich eine solch massive Reklamationswelle, dass dem Unternehmen nur noch der Weg in die Insolvenz zu bleiben schien. Die unzählig eingeschickten Roboter wendeten sich nun gegen ihre finanziell stark angeschlagenen Erschaffer und übernahmen, den Protesten der Gewerkschaften zum Trotz, die Firma, welche sich von diesem Zeitpunkt an auf die Herstellung von so Roboterhunden, die springen können, spezialisierte und sich schon bald erholen sollte.

Es stellte sich also heraus, dass die Roboter ihre Krankheit nur vorgetäuscht hatten um sich persönlich zu bereichern.
"Sie wirken so...menschlich.", hörte man eine der Sachbearbeiterinnen sagen, die ihre Pläne, sich innerhalb des Unternehmens hochschlafen zu wollen, letztlich verwarf.

Saturday, August 26, 2006

Das Balasto-Grinsen



a) Lila, Grün und Orange sind das neue Camouflage.
b) satzanfänge schreibt man klein.
c) Apostroph?
d) Entpersonalisieren durch Angleichung der Handschriften.
e) Papier macht nicht dick.

Wednesday, August 23, 2006

Summand

Summer Jam

Summer in the city

Das Leben aus der Sicht einer Stechmücke (weiblich)

Summsumm, summ, summsummsummmmmmmmmusummmmmm, summ, summsuuuummmm, summ, ssssssssumm, ssssssssssuuuummmm, summ, summsummsuuuumm, summasumarum, subarummmmm, sumatrarummmmmmm, summsalasummmmm, summsummsumm, summmmmmmmmm, piiiiiiiiiiiiiiiiieeks.

Monday, July 24, 2006

Alhanko und die dreibusige Blurgh

Hier, "Miss Schweden 2006":


Was auf den ersten Blick so aussieht wie eine dieser Puppen mit den berühmten drei Öffnungen, ist in Wirklichkeit so etwas wie ein echter Mensch. Etwas irritierend wirkt das Bild wohl vor allem auch, weil es sich hierbei um eine Portraitaufnahme handelt. Damit kann natürlich erstmal niemand etwas anfangen, deswegen, auch der Vollständigkeit halber:


Na, wenn das mal nicht schon wesentlich aussagekräftiger ist. Sehr schwedisch auch, diese Bambuswand im Hintergrund. Ja, ja, die fiel mir auch erst beim dritten Mal hinsehen auf, keine Sorge. Nun ja, immerhin ist sie blond.

Außerdem auch Schauspielerin. Und sie kann Ballett. Und Reiten auch. Tanzen, singen, alles eigentlich. Sie ist professionell, bescheiden und sympathisch, sagen die Preisrichter. Gut, das haben sie auch zu der Pudeldame am Nachmittag des Vortages schon gesagt, aber es kann ja durchaus beide Male zutreffend sein. Beste Voraussetzungen also, um auch den Titel "Miss Universe" abzugreifen, sollte man meinen...

Doch es kam alles ganz anders. Es gewann mal wieder irgendsoeine dreibusige Schnepfe aus dem Omicron-Theta-System, mit so grüner Haut und erwähnte ich die drei Brüste schon? Sie hat jedenfalls drei Brüste und gewonnen. Wegen der drei Brüste, ist ja irgendwie logisch, sitzen ja auch nur Herren vom Planeten Blurgh in der Jury, diese Affen. Blurgh ist ein Planet der Affen! Drei Glocken und schon interessiert es nicht mehr, ob vielleicht jemand anderes noch singen kann oder sowas, reiten, Ballett in drei Teufelsnamen. Da, schon wieder drei. Die sind echt so fixiert, die Kerle. Affen, ich sag's ja.

Wer möchte kann nun "Miss Schweden" gerne telefonisch sein Mitgefühl aufgrund dieser Ungerechtigkeit smsen. Benutze ich das Wort falsch? Hier ist jedenfalls ihre Nummer: 08-4417111. (Nur keine falsche Scheu, sie spricht sogar Deutsch!)
Doch, doch, das ist immer noch dieselbe. Unglaublich, ich weiß. Hab ich schon erwähnt, dass sie außerdem noch zwei "Master Degrees" hat? Sollte jemand herausfinden, in was überhaupt, ich wäre sehr verbunden, wenn er mir eine Nachricht hinterlassen könnte.

Alles in allem ist denke ich sehr deutlich geworden, dass Josephine (Wahnsinn, wie früh ich ihren Namen erwähne!) es absolut verdient hätte, in irgendwelchen Dörfern feierlich Baumärkte zu eröffnen, auf Stadtfesten ihre Brüste (hier: zwei) zu präsentieren und den Winzer mit der reichsten Traubenlese mit einem Zungenkuss beglückwünschen zu dürfen.
Stattdessen darf das jetzt dieses dreibusige Wesen machen. Affen.

Sunday, July 23, 2006

Winterschlaf

Der Winter hat begonnen. Und dieses Mal wird er länger und kälter als jemals zuvor. Er wird vergessen machen, was Wärme und was Sonne war. Er wird vergessen machen, wie es sich anfühlte, als man sich ungeschützt auf diese Straßen wagen konnte. Vergessen wird alles sein, was letztlich bleibt.

In Kältestarre verharrend, den Winter vor Augen und den Sommer im Leib, rückt ein Frühling andernorts in immer weitere Ferne. Dann wird es spät, der Fernseher wird ausgeschaltet, das Bett aufgesucht. Kurz bevor die Augen geschlossen sind, schießt kurz noch der Gedanke in den Kopf, dass man doch vor ein paar Tagen noch bei offenem Fenster schlief. Dann endlich träumt man von einem herrlichen Sommer, während vor der Türe ein erster, eisiger Hauch vorbeizieht.

Sunday, March 19, 2006

Der Ausflug

Als er die Fahrertür aufbrach und den Wagen kurzschloss, da wusste er nicht, was ihn erwartete. Er suchte sich keinen Neuwagen aus, sondern ein schon recht ramponiertes Modell, mit Lackschäden und durchgerosteter Motorhaube.
Nachdem er schon eine Weile gefahren war, bemerkte er, dass sich die Nadel der Tankanzeige bereits im roten Bereich befand. Er hielt an der nächstgelegenen Tankstelle und füllte den Tank zur Hälfte. Als er wieder ins Auto stieg, saß eine Frau auf dem Beifahrersitz, die ihn mit einem Lächeln und erwartungsvollem Blick ansah.

"Hast du mir was mitgebracht?"
- "Ich...wer..."

Sie riss ihm den Schokoriegel aus der Hand, den er eigentlich für sich gekauft hatte, und aß ihn ohne ein weiteres Wort zu sagen. Dann beugte sie sich zu ihm, zog ihn zu sich heran und küsste ihn stürmisch auf den Mund. Er schmeckte das Karamellaroma an ihren Lippen und ließ den Kuss einfach geschehen. Dann setzte er sich wieder in seinen Sitz und fuhr los.

"Wohin fahren wir?"
- "Ich weiß nicht..."
"Lass' uns mal wieder zum See fahren, wir waren so lange nicht am See!"

Plötzlich kam es ihm vor, als würde er sie schon ein Leben lang kennen.
Der See war nicht weit, doch die wenigen Kilometer Autobahn, die sie zuerst hinter sich bringen mussten, wurden von einem Stau begleitet, der die Reise um mehrere Stunden hinausziehen sollte.
Sie nutzten die Zeit, redeten, lachten, küssten und sahen sich an, wie zwei Menschen, die nie etwas anderes sehen wollten. Nie etwas anderes, als die Person, in der sie sich selbst wiederfinden konnten.

Die Hupe des Hintermannes riss sie schließlich aus ihrer Seligkeit und markierte gleichzeitig die Beendigung des Verkehrerliegens. Es dauerte nun nicht mehr lang, bis sie den See erreichten. Er stieg aus dem Wagen und wartete, dass sie ihm folgte. Doch als sie versuchte die Tür zu öffnen, war diese wie verriegelt. Er dachte zunächst daran, dass sie scherzte, doch als er sah, wie die Verzweiflung sich nach und nach in ihrem Gesicht breit machte, da versuchte auch er sich an der Tür, vergebens. Als er ihr über die Fahrerseite heraushelfen wollte, bemerkte er, dass sie noch angeschnallt war. Er wollte den Gurt lösen, doch dieser klemmte fest und hielt sie im Sitz gefangen. Sie griff mit einer Hand seine, die noch immer versuchte, den Gurt zu lockern und mit der anderen wischte sie ihm den Schweiß von der Stirn, dann fuhr sie durch sein Haar. Er sah sie an, sie lächelte dasselbe Lächeln, das er an der Tankstelle zum ersten Mal sah und schaute ihn genauso erwartungsvoll an. Und er wusste nicht, wie er sie befreien konnte, und er sah, wie sie vor seinen Augen immer mehr verblasste. Als sie schon fast nicht mehr zu erkennen war, da zog sie ihn ein letztes Mal an sich heran und küsste ihn. Dieses Mal schmeckte er nichts.

Als sie schließlich völlig verblasst war, stieg er aus dem Wagen und starrte auf den See. Er hatte ihn nie zuvor gesehen. Die Sonne spiegelte sich im Wasser, bis sie schließlich mit dem Mond den Platz tauschte. Nun stand er auf, ließ das gestohlene Fahrzeug stehen und schritt mit der Erinnerung an ein Auto, das ihm nie gehörte, der Dunkelheit entgegen.

Friday, January 27, 2006

Fünfzehneinhalb

Sie konnte sich nicht wirklich vorstellen, was es bedeutete, als der Arzt bei einer Routineuntersuchung ihres Sohnes erklärte, der Junge könne keine Farben sehen. Nur Graustufen. "Sie meinen...wie ein Hund?", fragte die völlig ratlose Frau, und der Arzt nickte, obwohl er wusste, dass Hunde eigentlich doch Farben sehen können. "Ihr Sohn, er erkennt nur verschiedene Stufen von Grau, sein gesamtes farbliches Sehen beschränkt sich auf Schwarz und Weiß und dem, was dazwischenliegt.", sagte er, um es ihr irgendwie begreiflicher zu machen. Doch die Frau weinte nur und begriff erst viel später, dass es ihrem Jungen mit dieser Einschränkung nicht merklich schlechter ergehen sollte, als all den anderen Kindern.

Er lernte nicht Blau von Rot zu unterscheiden, oder Gelb von Grün. Er unterschied Stufe 5 von Stufe 32 und Stufe 12 von Stufe 26. Die in seinen Augen farblose Welt unterschied er in hell und dunkel. Er bemerkte viel feinere Unterschiede in der Helligkeit, nahm Kontraste wesentlich intensiver wahr und konnte so jeder Helligkeitsstufe eine bestimmte Zahl zuordnen. Sechsundneunzig Stufen.
Er blieb stehen, wenn die Ampel Stufe 24 anzeigte und er aß nur Bananen, wenn sie noch nicht Stufe 43 erreicht hatten. Dann waren sie ihm schon zu matschig.

Die Jahre strichen ins Land, er machte das Abitur und begann ein Studium an der Kunsthochschule. Seinen Dozenten und Professoren verschwieg er die Behinderung. Sie hatten nie auch nur den leisesten Verdacht.

Schließlich trat sie in sein Leben. Nie hatte er solch einen starken Kontrast von Helligkeit und Dunkelheit bei einem Menschen feststellen können. Ihr Haar erschien im tiefsten Schwarz, das er kannte, und ihre Haut war so bleich und grell, dass seine Augen ein wenig schmerzten, wenn er sie zu lange ansah. Doch sein Blick verließ ihr Gesicht nicht mehr.
Schließlich kam sie auf ihn zu und fragte mit leicht entnervter Miene: "Sag' mal, bist Du aus Schweden?"
Da stand er nun, sein Körper geschüttelt von einer Hilflosigkeit, die er so zuvor nicht erfahren hatte. Ein mit wegbrechender Stimme gestottertes "Nein." zwang er sich nach schier endlosen Sekunden heraus, "...wie...wie kommst du darauf?" "Du starrst mich an, als hättest Du in Deinem Leben bisher ausschließlich blonde Mädchen gesehen.", erwiderte sie. Beide lachten und seine Unsicherheit wich von Minute zu Minute, jedoch seine Augen wollten sich einfach nicht an den Kontrast gewöhnen. Der Schmerz war ihm egal.

Eines Morgens trafen die Sonnenstrahlen so hell auf ihr Gesicht, dass es förmlich zu leuchten schien. Er schaute sie an, wie sie schlief, seine Augen tränten vor Schmerzen, doch in diesem Moment bemerkte er, dass er ihrer Lippenfarbe keine Graustufe mehr zuordnen konnte. Der Rot-Ton ihrer Lippen lag zwischen 15 und 16, genau dazwischen, so dass er nicht umhin kam, ihm eine ganz eigene Stufe zuteil werden zu lassen. Doch an jenem Morgen, in dem Moment, wo die Sonne ihre blasse Haut traf, da erkannte er ihre Lippen einfach nicht wieder. Er ging ins Badezimmer und wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser ab. Der Schmerz in seinen Augen, so merkte er jetzt, er war immer noch da. Und er wurde stärker...

Als sie ihm nach einer Woche den Verband abnahmen, da sah er keine Graustufen mehr. Er sah nur noch Stufe 1. Dunkelheit. Es machte keinen Unterschied mehr, ob er die Augen öffnete oder geschlossen ließ. Im Hintergrund hörte er jemanden leise weinen. Es war dasselbe hilflose Weinen, dass er mit 6 Jahren das letzte Mal gehört hatte. Diesmal wusste er, warum.

Er hatte ihr nie von diesem Schmerz erzählt, von diesem Schmerz in den Augen, wenn er sie ansah. Er selbst erkannte diesen großen Schatten nicht, den ihr alles überstrahlender Anblick auf ihn warf. Und wie die Tür nun aufgeht und ihre Stimme erklingt, da ist plötzlich wieder ein Bild vor seinen Augen. Ein Bild, das die Dunkelheit erleuchtet. Ein Bild, dessen einzige Farbe die Fünfzehneinhalb ist.

Ein Bild, das endlich aufgehört hat, weh zu tun.

Wednesday, January 25, 2006

...und Gott war das Wort.

Also müssen umkommen, Herr, alle deine Feinde! Die ihn aber liebhaben, müssen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht! - Und das Land war still vierzig Jahre.
Süß, ne? Ist aus der Bibel. Altes Testament, Richter, Kapitel 5, Vers 31. Grob geschätzt jetzt, is' klar.

Doch ab wann ist man denn ein Feind von diesem Herrn, nennen wir ihn einfach mal Gesangsverein? Er ist ja schon irgendwie Gott und macht alles selbst, also Blumen, Tiere, Eidechsen, die ja im Prinzip zu den Tieren gehören, Planeten (Mars ist ja mal echt misslungen), Weltalls, diese ganz feinen Pralinen, mit so einer Kaffeebohne obendrauf, Möbel und zu guter Letzt macht er ja auch Menschen. Aus Fimo. Später, wenn er die dann auf einen Planeten tut, in unserem Fall ist das die Erde, da wird das Fimo ganz weich beim Eintritt in die Atm...Strat...osphäre und wird dann halt zu Haut. Innen bleibt es jedoch fest, da die Hitze nur die äußere Fimoschicht tangiert. Also das, was wir als "Knochen" kennen, das ist eigentlich nichts anderes, als feinstes, devines Fimo.

Wenn also dieser Herr schon Menschen macht, warum ist der dann so doof und macht welche, die ihn liebhaben, und auf der anderen Seite welche, die ihn auf das Äußerste anfeinden, weil er zum Beispiel ein Bein vergessen hat an sie dranzumodellieren oder die ganze Familie bei einer der göttlichen Plagen von einem...was weiß ich, Riesenesel gefressen wurde. Nein, Riesenegel, das wirkt noch plagevoller. Der hat die dann auch nicht gefressen, sondern komplett leergelutscht, bis auf den letzten Tropfen.
Warum macht der das? Der könnte doch einfach sagen, du, ich habe dich modelliert, hab' mich lieb. Stattdessen macht der auch welche, die ihn hassen. Die bringen dann wiederum die Menschen um, die ihn ganz doll liebhaben und nehmen auch noch deren Wertgegenstände und verhökern die auf dem Wochenmarkt. Oder heutzutage halt bei Ebay oder Amazon. Da kann man ja auch so gebrauchtes Zeug verticken, ist ganz praktisch. Da ist eine schnelle Mark schon drin.
Wenn dieser Typ, also der Herr da, wirklich so ein endtighter Sack wäre, wie dieser Sammelband mit Kurzgeschichten über ihn uns glauben machen soll, wieso macht der dann so einen Scheiß? Ist der Sadist? Holt der sich dabei einen runter, einen Stern? Wieso muss der sich denn nicht rechtfertigen, für diese schlimme Arbeitslosigkeit momentan zum Beispiel jetzt, oder auch für Hungersnot und Krieg und Usher? Usher ist sooo scheiße, wieso schickt er den nicht in den Krieg? Kreuzzug oder sowas. Im Kosovo gibt's doch genügend Heiden. Und warum haben so viele Fimosen diesen "Gott" noch immer so lieb? Was tut der denn, dass er diese Liebhaberei verdient? Er macht ja nicht einmal den Abwasch. Der krault sich da oben jetzt genüsslich die Eier und schaut Olli Geißen, während er irgendwelchen verstorbenen thailändischen Kinderarbeitern die ganze Menschen- und Eidechsenmacherei aufs Auge drückt. Die haben das ja gar nicht ordentlich gelernt, darum kommt dann sowas bei raus, oder sowas. Dieser Arsch.

Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Na, wer sagt's denn, das ewige Leben ist mir also sicher. Laut Johannes, Kapitel 12, Vers 24 im Neuen Testament (erschienen bei "rororo-your boat", Nazareth, ca. 1 n. Chr.) kann ich also vergnügt und fröhlich in die Zukunft blicken. Wenn meine Fimohülle langsam Risse bekommt, so wird...was...passieren, was gut ist, und ich lebe dann ewig. Man sollte natürlich bedenken, dass man dann letzten Endes im ewigen Hass mit sich selbst leben muss, da ja jegliche freudige Anwandlung das eigene Leben betreffend, unweigerlich zum Ende des Selbigen führen würden. Was ist da wohl jetzt besser? Bemerkenswert auch, dass die alten Juden scheinbar das Semikolon schon kannten. Und Deutsch sprachen. Wohl um uns ihren zierlichen Nippes und ihre koketten Terracotten für unzählige Goldstücke zu verkaufen und sich ein schönes, den Herrn nicht liebhabendes Leben zu ermöglichen. Man kann nur hoffen, dass sie ihr Leben liebhatten und somit dem Fegefeuer als Brennholz dienen durften. Wobei Fimo ja nicht so gut brennt, muss man sagen...

Um ein wenig kredibiler zu erscheinen, schickte der Herr uns seinen Sohn aus zweiter Ehe:

Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani?
Ganz der Vater. Um 9 Uhr morgens schon hackedicht, unglaublich. Aus Wasser Wein machen zu können ist in den falschen Händen vielleicht doch mehr eine Last, als ein Geschenk. Sinngemäß übersetzt bedeutet dieses Zitat im Übrigen "Ich bin Jesus, ihr dummen Fotzen!"

Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen: Tod, Leid und Hunger; mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist Gott der Herr, der sie richten wird.
Sowas nennt man dann wohl "einen langen Tag haben".

Aber nicht alles, was in der Bibel steht, ist zwangsweise auch grober Unfug. Wer sein Leben liebhat und auch gerne außerehelichen GV, dem werden sogar Anmachvorschläge aller erster Kajüte unterbreitet:

Deine zwei Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge.
Altes Testament, Hoheslied, Kapitel 7, Vers 4, wer es noch einmal nachschlagen möchte. Das ewige Leben findet übrigens auf dem Mars statt. Bis dahin, habt euch lieb.

Sunday, January 22, 2006

Kurt van Beethoven

Wie wäre es wohl gewesen, hätte den Hit "Die Eine 2005" ein Fuchs gesungen?

Versteht wieder keiner, dachte ich mir schon. Jedenfalls werde ich eine Band gründen. Es ist einfach an der Zeit. Die restliche Musik in der Welt ist ja bekannterweise scheiße, so was weiß ich, Ricky Martin, Tokio Hotel oder Bananarama zum Beispiel. US 5 sind auch nicht gut. Andere beschweren sich ja immer, das die Musik im Allgemeinen verkomme, tun aber selbst nichts dagegen und laden weiterhin die Klingeltöne von, hier, Kraftwerk oder auch A*Teens runter. So kann das ja nichts werden. Darum, ich jetzt, Band, wie gesagt.

Doch, einfacher gesagt, als sonstewas. In jedem verfluchten Winkel der Stadt finden sich Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger, Sängerinnen, die schonmal bei einem Casting rausgeflogen sind und von mir aus noch Leute, die schon mal eine MP3-Datei auf ihrem Computer abgespielt haben. Ja, kacke, wo sind denn die ganzen Djembe-Rocker, Ondes-Martenot-Frickler und Echoplex-Virtuosen, jetzt, wo ich gerade eine Band gründen will? Überall habe ich Aushänge ausgehängt (was soll man auch sonst damit machen), doch nur Anrufe vom Kaliber "Bei Teenstar war ich im Recall". Juckt mich herzlich wenig, solange die Stimmbänder nicht durch Singende-Säge-Implantate ausgetauscht wurden. Sänger sind eh das Letzte. Denken, sie wären die tollsten, dabei sind sie gar nicht mal so toll und schlafen trotzdem mit mehr Frauen, als jetzt zum Beispiel der Keyboarder. Man kann ja mal nachrechnen, wie viele Frauen Kim Frank von Echt und wie viele Frauen im Gegenzug Gunnar von selbiger Ex-Gruppe auf die Matte geschickt hat. Hatte der kleine, schmierige Keyboarder was mit Enie van den Maiskölbchen oder war das der Sänger mit den fettigen Haaren und dem noch fettigeren Gesicht? Na gut, wahrscheinlich durften alle in der Band mal ran, das rosa Schweinchen ließ ja bekanntlich in dieser Hinsicht nichts anbrennen, aber Kim Frank hatte sie zuerst, jede Wette. Sänger, Asipack, nicht bandkompatibel, verzichte ich gerne drauf.

Ebenso Gitarristen. Mozart zum Beispiel. Okay, kein gutes Beispiel, aber es geht ja auch nur um den Grundgedanken, das Prinzip, sowas. Mozart musste nur mal kurz in die Saiten greifen, schon bekamen diese barocken Gräfinnen reihenweise feuchte Schlübber. Warum nur? Warum ist ein Gitarrist attraktiver, als zum Beispiel ein Vibraphonist? Gerade Mozart! Der war ja taub und hatte sich mal das Ohr abgeschnitten, bevor er sich '94 mit einer großkalibrigen Schrotflinte die vom ganzen Kiffen weichgewordene Hirnmasse wegbratzte. Und jetzt covern alle seine langweiligen Etüden, packen noch ein Bild von einer Weihnachtstasse mit Gesicht und Pimmel dazu, fertig ist das Monatspaket und der große Reibach steht schon in der Garage. Der alte Volkswagen wird trotzdem zum Pimpen gegeben, wenn die Kinder mal groß sind, dann sollen die ja ne Playstation und die halbe mongolische Wüste inklusive einheimischer Beduinen und Tuaregs im frisch lackierten Hippie-Bus haben. Außerdem kann man in den Frontscheinwerfern DVDs gucken und der Heckspoiler ist eine ausfahrbare Hornisse, welche die Leute vom TÜV mal ordentlich in den Po sticht, wenn die einem blöde kommen, von wegen Kamel und Käfighaltung etceterapepe. Wenn Mozart das gewusst hätte, dann wäre "Carmina Burana" sicherlich nur als B-Seite erschienen oder er hätte einfach allen anderen Leuten die Rübe weggeschossen. Liegt jetzt im Auge des Betrachters, was nun besser gewesen wäre. Aber nicht im Auge Mozarts, der war auch noch blind, konnte man ja sehr gut erkennen, als er da für Henry Maske "I just called to say I love you" sang. Ist lange her, auch meine Erinnerungen daran sind nur sehr vage, keine Sorge.

Fakt ist einfach, dass ich Leute brauche, die da drüber stehen, die außergewöhnliche Instrumente mit einer außergewöhnlichen Begabung und Hingabe bedienen können und die sich ganz der Band widmen, nicht der Scheinwelt, die einen erfolgreichen Act sonst so umgibt. Groupies, Drogen, kalte Schnittchen, na ja, dürfte wohl jedem klar sein. Ich habe auch absolut nichts gegen ein paar Free-Jazz-Einflüsse, also wenn jemand Tuba Libre spielt, kein Ding, willkommen in der Band.

Zu meiner Person: Ich spiele Gitarre und singe. Let's rock!!!

Thursday, January 19, 2006

Heimat

Wenn man nach einer gewissen Abwesenheit von zu Hause auf's Land zurückkehrt, dann fallen einem zuerst einmal die ganzen Veränderungen auf. Der Sportladen ist jetzt ein Friseur, es gibt einen zweiten Aldi und einen schönen, neuen Großraumpuff. Die Ampel war vorher auch nicht da. Ach, und die Eisdiele hat zugemacht. Da ist jetzt der neue Puff drin.

Und doch ist dieses Gefühl da, dieses Gefühl der Verbundenheit, der Vertrautheit. An den Baum hat man damals gekotzt, als die Reifenfabrik gebrannt hat, an dem Zaun hing mal ein benütztes Präservativ, auf dem Parkplatz hat Dingens Kirchen einen geblasen und sogar geschluckt. Heimat eben.

Dann läuft der alte Biologie-Lehrer die Straße entlang und sieht genauso aus, wie vor einem halben Jahrzehnt. Sogar wie vor zwei ganzen, wenn man es sich recht überlegt. Man geht in den Minimal, der früher noch anders hieß, trifft auf die selben Wurstthekenfrauen, die über die selben Kuchenrezepte reden, wie seit eh und je. Vorne beim Bäcker steht der selbe vollbärtige Zwerg und trinkt sein Bier, die selbe Uhrzeit, dieselbe Marke, dieselben Salamireste im Bart. Beim Vorbeigehen bemerkt man schließlich, dass er sogar noch genauso nach Urin, Korn und Wurst stinkt. Nur der Hausmeister des Gymnasiums vergewaltigt seine Stieftochter nun nichtmehr. Die ist jetzt ausgezogen. In die Stadt.

Zurück in der Großstadt, Linie S3. Da steht ein Mann, der sich Rum-Verschnitt in seine Cola-Dose schüttet, als er denkt, es schaue niemand. Dann setzt er sich und trinkt gemütlich seinen Softdrink und niemand wundert sich, warum er das Gesicht nach jedem Schluck so verzieht. Niemand redet über ihn, niemand kennt ihn und irgendwie ist niemand anwesend, obwohl der Waggon gut gefüllt ist, jetzt, zum Feierabend hin. Dann steigt man aus, läuft das letzte Stück zu seiner Wohnung und als man diese betritt, da ist man sich plötzlich nicht mehr sicher, ob man jemals zu Hause ankommen wird.

Monday, January 09, 2006

Im Sitzen

Ich bin ein Mann. Das ist gut. Frau sein nicht so. Denn:

1. Gesellschaftlicher Status

Frauen haben schlechtere Jobs, verdienen weniger Geld, werden nicht ernst genommen, brauchen Unmengen Schuhe und so Schminkzeug/Labello, dafür brauchen sie mehr Geld, also brauchen sie einen besseren Job, den hat aber ein Mann inne, darum müssen sie den Mann heiraten.

2. Geistige Fähigkeiten

Wenn Sie eine Frau sind, dann vernebeln Ihre emotionalen Gemütsregungen bereits jetzt schon Ihren Verstand. Ja, in der Tat, alles deutet darauf hin, dass der Abschnitt über die geistigen Fähigkeiten ähnlich...nun ja, ungeheuchelt daherkommen wird, wie bereits der erste (vgl. "1. Gesellschaftlicher Status). Und schon sind wir voll im Thema:

Weibliches Denken ist bestimmt von der Begierde nach mehr Schuhen und Labelli. Wenn die Damen dann merken, dass ihr mickriges Gehalt nicht ausreicht, dann heiraten sie halt einen Mann. So einen Marktleiter vom Lidl zum Beispiel. Der verdient nicht schlecht. Dann gehen sie mit ihrer besten Freundin in den Schlecker shoppen.
Währendes erfindet ein rational denkender, von Forschungssinn und Wissbegierde getrieber Mann, so Sachen, wie das Rad, den Fernseher oder einen Epilationsapparat. Das meldet er dann beim Patentamt an und bekommt Geld dafür. Und zu Hause merkt er dann, wie samtweich und auch gar nicht spröde die Lippen seiner Gattin sind.

3. Körperliche Eigenschaften

Frauen sind sehr hübsch. Zumindest wenn sie solch einen Körper und dazu dieses Gesicht haben. Haben sie hingegen solch einen Körper und solch ein Gesicht, dann sind sie Dirk Bach.
Wenn Frauen anfangen, auszusehen wie Dirk Bach, dann finden sie keinen Mann mehr. Dann bleibt die Wolle des selbstgestickten Wollschals auf einmal an den rissigen Lippen hängen. Ein guter Name für eine schalproduzierende Firma wäre übrigens "Prinz Schals", aber das hat wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun. Der Name gehört mir, ich habe ihn schützen lassen. Sie müssen ihn mir schon abkaufen, wenn Sie ihn haben wollen. Jedenfalls finden Männer, die aussehen wie Dirk Bach, immernoch eine Frau. Denn meistens sehen sie so aus, weil sie bei all den Meetings mit dem Consulting-Assistenten und Faxen vom Faszilitäten-Manager nicht mehr mittwochsabends zum Squash mit Ralf kommen. Der ist ja nur Lehrer, der hat Zeit. Frauen kommen aber trotzdem in Scharen an und wollen dem Dicken morgens ne ordentliche Butterbemme schmieren, da er Kohle wie Geld hat, vielvielviel. Sogar Männer kommen noch zu Dirk Bach, obwohl der dick ist. Stand in der Bunten.

Frauen hingegen, sind sie denn dann irgendwann einmal fett, taugen höchstens noch was für Teleshops und Wohnungseinrichtungssendungen. Die packt dann kein Mann mehr an. Keiner mit Geld jedenfalls. Wir sind schließlich nichtmehr im Barock, n'est-ce pas.

Ein beliebter Grund als Frau in die Breite zu gehen, bietet hierbei die Geburt eines, na ja, Kindes. Das Gott (oder für die Atheisten: Darwin) Frauen hassen muss, kann man am Beispiel der Kindeszeugung und des Kindernachneunmonatendannauchtatsächlichbekommens sehr gut erkennen.

Zunächst benötigt man hierfür, sowohl als Frau als auch als Mann, Geschlechtsverkehr. Das ist das gleiche wie Sex, nur ein anderes Wort dafür. Das klingt natürlich erstmal nach einer feinen Sache. In männlichen Ohren. Frauen langweilen sich dabei. Oder noch schlimmer: Der Hymen.
Der Hymen ist etwas, ja, wie soll man sagen, völlig sinnfreies. Er macht nichts, ist einfach nur da, und dann, dann kommt ein Penis und macht ihn kaputt. Das tut weh, sagt meine Sekundärliteratur. Manchmal blutet es auch. Dann ist das Laken schmutzig und der junge Mann muss die junge Frau hauen, damit es für Mutti nicht so aussieht, als hätten sie in seinem Bett irgendwas Unkeusches getrieben.

Doch als Frau blutet man auch außerhalb erster sexueller Betätigungen gerne. Ein paar Tage am Stück meist, ziemlich eklig. Davon kriegen die meistens auch Bauchweh und können dann nicht mit dem Hund raus, darum musste ich immer gehen.

Weiterhin haben Frauen auch eine eigene Krebssorte: Brustkrebs. Wer jetzt meint, mit Prostatakrebs kontern zu müssen, der sollte mal seine Mathematikhausaufgaben etwas gründlicher machen. Anzahl Prostata(s): 1 | Anzahl Brüste: 2

Weiterhin ist eine starke Anfälligkeit für spröde Lippen zu verzeichnen.

4. Fazit

Ich bin ein Mann. Das ist gut. Mehrere Orgasmen hintereinander finde ich langweilig.

Tuesday, January 03, 2006

Endgegner

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Und ein neues Jahr ist wie ein weiterer Tod. Der ist jedoch nicht sonderlich neu, man stirbt schließlich jedes Jahr denselben. Jedes Jahr will man das vorhergehende vergessen machen, einen Neuanfang wagen, und doch bleibt wieder alles, wie gehabt. Arbeit scheiße, Frau scheiße, Kinder scheiße, Filme mit Vin Diesel so richtig scheiße.

Also geht man jeden Morgen zu der selben Scheiße, um abends todmüde lieblos und automatisiert die Scheiße zu küssen, die gerade die Scheiße ins Bett gebracht hat. Bier. Nächster Tag.

Ein Neuanfang ist immer eine gute Sache. Nur scheint es sich damit meist wie mit einem Videospiel zu verhalten. Wenn man ein Level mal nicht schafft, dann durchläuft man es eben wieder und wieder, das selbe Szenario, die selben Aufgaben, der selbe Gegner, an dem man immer und immer wieder scheitert. Ein Gegner, der jeden Fehler ausnutzt, der jede Schwäche bestraft und der einen jedes Mal wieder zu einem Neubeginn zwingt. Und vielleicht merkt man irgendwann, dass man jedes Jahr versucht hat, sich selbst zu besiegen. Plötzlich macht es keinen Sinn mehr, den Reset-Knopf zu drücken, denn der wird von einem unbesiegbaren Gegner bewacht: der Zeit. Oder Vin Diesel halt. Jacke wie Hose.

Bis dahin sitzt man dann auch sicher einmal mit Frau und Kind an einem Sonntagnachmittag in Kino 5, schaut "Der Babynator" und denkt sich, was für eine große Scheiße das doch ist.

Monday, November 14, 2005

Gesetzesbruch

Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein verlorener Tag. Ein schmerzverzogener Mund macht sich breit, liest man diese Zeile unter der Rubrik "Lebensmotto" in einem zwölf Jahre alten Poesiealbum, welches man in der siebten Klasse allen anderen Kindern mal mitgegeben hatte, auch denen, die es eigentlich gar nicht wollten. Jessica war eines der Mädchen, die sehr gerne und sehr oft lächelten. Für sie gab es keine verlorenen Tage, da war ich sicher. Für sie war es nicht nur ein Spruch, den sie mir in mein Album schrieb, für sie war es Gesetz.

Dann traf ich sie wieder, zum ersten mal seit über zwölf Jahren. Sie ist nie aus der Kleinstadt weggezogen, in der wir gemeinsam die Schulbank drückten. Sie blieb, machte eine Ausbildung in einer Kanzlei, wurde übernommen, sortierte nun Akten, die sie zuvor schon sortiert hatte, doch es fiel ihr einfach nicht mehr auf. Ich beobachtete sie eine Weile, dann ging ich zu ihr und übergab ihr den Brief, den ich für meinen verhinderten Vater hier abzugeben versprochen hatte. Sie sah mich nur kurz an, dann drehte sie sich weg und legte den Brief in eine Ablage. Sie widmete sich wieder ihren Akten, ohne mich auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen.
Ich sagte ihr, wer ich bin und das wir uns doch von früher kennen und fragte, ob ich mich denn so sehr verändert hätte, dass sie mich nun offenbar nicht mehr wiedererkannte. Sie musterte mich und nickte, sie begann sich zu erinnern. Ich stellte ihr alle mir zur Verfügung stehenden Small-Talk-Fragen, sie beantwortete alle in einem Satz. Manchmal sogar nur mit einem Wort. Doch es war nicht ihre Wortkargheit, die mich beunruhigte, es war ihr Gesicht. Es veränderte sich nicht, keinerlei Gemütsregungen, es war einfach leer und frei jeglicher Emotion. Die Fragen begannen mir auszugehen und so blieb am Ende nur die eine übrig. Ich erinnerte sie an diesen Satz, den sie mir mit 13 Jahren in mein Poesiealbum schrieb. Ihre Augen waren glasig und doch undurchdringbar. Sie nahm einen Zettel, schrieb ein paar Worte und gab ihn mir mit der Bitte, ich möge den alten Satz durch diesen neuen ersetzen. "Lieber einen Tag verlieren, als immer wieder das Gesicht." Ich sah sie an und für einen kurzen Augenblick, da entdeckte ich das Lächeln, welches seit über zwölf Jahren nicht mehr meine Augen traf. Dann drehte sie sich um und sortierte weiter ihre Akten.

Wednesday, November 09, 2005

S.O.S.

Ich bin tot. Seit nunmehr vierundzwanzig Tagen weile ich nicht mehr unter den Lebenden. Es passierte alles ganz plötzlich. Das Herz hörte auf zu schlagen, das Gehirn auf sich Sorgen zu machen, die Sehnsucht auf zu sein. Alle rannten an mir vorbei, nur ich blieb stehen, legte mich nach kurzem Zögern auf den Asphalt, und schlief ein. Ihre Schritte wurden immer leiser und leiser, bis ich sie schließlich gar nicht mehr wahrnahm. Für einen Moment war es so, als ob jeder stehengeblieben wäre, doch tief in mir wusste ich, dass sie mich gar nicht bemerkten. Der Sterbevorgang hatte mich taub gemacht.
Ich wartete darauf, dass meine Seele ihre sterbliche Hülle verließe, doch es geschah nichts. Ich lag einfach so da, nichts davon mitbekommend, was um mich herum vor sich ging, nicht wissend, was als nächstes kommen mochte, einfach da, obwohl ich doch weg sein wollte.
Seit nunmehr vierundzwanzig Tagen liege ich hier, seelenlos, doch ohne dass je eine Seele meinen Körper verlassen hätte. Und wie ihre Schritte schließlich wiederkehren, ganz langsam lauter werdend, da sterbe ich ein zweites Mal, ganz still und leise, nur für mich selbst.

Tuesday, November 01, 2005

Schlafstörungen

Es dauert manchmal eine Ewigkeit, bis wir lernen, jemandem zu vertrauen. Wochen, Monate, gelegentlich sind es sogar Jahre. Hat man die Zeit des Vertrauenlernens schließlich hinter sich, bemerkt man plötzlich diese innere Ruhe, die sich mit zunehmender Zeit in einem breit gemacht hat. Das Infragestellen hört auf. Das Nachdenken nimmt ab. Man legt sich in das frisch zusammengebaute Bett aus Vertrauen und schläft ein. Einfach so.

Während man schläft, passieren sehr viele Dinge um einen herum. Aber alle ganz heimlich und leise, damit man nicht geweckt wird. Und während manch einer Jahre, wenn nicht gar bis an sein Lebensende durchschläft, werden andere wiederum unsaft aus ihrem wohlverdienten Tiefschlaf gerissen. Da lässt dann jemand mal etwas Zerbrechliches fallen, das zerspringt dann in viele klirrende Einzelteile und schon sitzt man mit weit aufgerissenen Augen im Bett.

Doch egal, wie und wie oft das eigene Vertrauen ausgenutzt, mißbraucht und mit Füßen getreten wird, man kann einfach nicht ohne. Jeder Schritt, den man tut, ist begleitet von Vertrauen. Vertrauen in das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Geflügelmortadellaverpackung. Vertrauen in andere Autofahrer, dass sie nicht plötzlich die Spur wechseln und einen Frontalaufprall verursachen. Vertrauen in den Piloten, dass er einen sicher zum gewünschten Ziel bringt. Vertrauen in die Architektur einer Brücke, die vielleicht schon seit Jahrhunderten bestand hat. Und letztlich auch das Vertrauen in sich selbst, um überhaupt den Mut aufzubringen, sich jeden Tag auf's Neue dem Leben zu stellen.

Es gibt Zeiten, in denen hat man das Gefühl, jede Wurst wäre verdorben, jeder Autofahrer eine Frau, jeder Pilot ein Terrorist und jede Brücke einsturzgefährdet. Wenn es ganz beschissen läuft, dann verliert man auch schon mal den Mut.
Doch im Prinzip ist es wie mit einer tiefen Wunde. Zuerst tut sie ganz furchtbar weh, es kommt ein Verband drum und nach eine Weile nimmt man diesen dann wieder ab, und tadaaa, die Wunde ist einfach so verheilt. So viel zur Theorie...

Nun bin ich müde und werde mich in mein quietschendes, altes Bett legen, nur um zu merken, dass ich wieder nicht einschlafen kann. Aus Angst, die Decke könnte mir auf den Kopf fallen.

Schlafen Sie gut.

Monday, October 31, 2005

Ich sehe was, was du nicht siehst...

...und das bist Du!

Was tut man nicht alles, um anders zu sein. Man zerschneidet sich die Hosen, schminkt sich die Augen neongrün, hört unmöglichen Lärm und nennt es dann Musik...
Es gibt so unzählige Wege, seine Individualität zur Schau zu stellen, den Leuten zu zeigen, dass man ja so einzigartig ist. Und das ist per se auch nicht zu verurteilen.

Schließlich hat doch irgendwo jeder diesen Drang in sich. Herausstechen aus der Masse, auffallen, Notiz soll von einem genommen werden...wer will schon unerkannt durch die Welt gehen?
Und so steigern sich manche immer mehr hinein, in das Anderssein, in das Auffallen. Es wird immer mehr zum Lebensmittelpunkt, alles andere verkommt mehr und mehr zur Nebensache.

Und je einzigartiger man wird, desto leichter verliert man aus den Augen, wonach man sich eigentlich die ganze Zeit sehnt: Nach jemanden, in dem man sich selbst wiederfinden kann.

Wenn man sich letztlich so sehr in seiner Individualität verrennt, dass man dabei selbst ganz vergisst, wer man überhaupt ist, dann wird man ausgerechnet von dem Menschen übersehen, dem man doch eigentlich auffallen will. Und die Chance, von genau diesem einen Menschen bemerkt zu werden, ist tragischerweise oftmals das einzig wirklich Einzigartige, was einem im Leben widerfährt.

Sunday, October 30, 2005

+Initiative / -Manipulation

Na. Auch gestern die Uhr mal ein schönes Stündchen zurückgestellt? Weil das der Onkel von der Tagesschau gesagt hat, muss man das ja machen, gell? Und wenn der Onkel aus der Tagesschau sagt, Geflügel sei neuerdings ungesund, dann wird auch kein Geflügel mehr gegessen, was?

Fakt ist: der Onkel von der Tagesschau hat gelogen. Die Uhr wurde gar nicht zurückgestellt. Jetzt sind Sie der Depp, weil Sie sich von den Medien beeinflussen ließen, ohne mal selbst das Hirn eingeschaltet zu haben. Die Uhr zurückstellen...halloho?! Geht's noch?! Warum sollte man das denn bitte tun? Da geht der Bauer jetzt eine Stunde später die Kuh melken und die Milch ist sauer, suuuuuper. Oder man will sich um kurz vor 3 Uhr morgens noch mal schnell ein schönes Blech Pommes machen und denkt sich "Ah, um 3.15 Uhr muss ich die aus dem Ofen holen!", und da 3.15 Uhr jetzt ne Stunde später ist, da steht dann auch schon mal ein ganzer Wohnblock in Flammen. Aber der Onkel von der Tagesschau hat gesagt...jaja, schon klar.

So darf es nicht weitergehen. Die Menschheit treibt ihrem Untergang entgegen. Wir sind alle nur noch willenlose Zombies, die einer oligatorischen Obrigkeit gehorchen, deren einziges Ziel in der Zerstörung selbständigen Denkens besteht. Wahrscheinlich bin ich längst tot, wenn Sie diese Zeilen lesen. Ja, ganz genau, ich gefährde mein Leben, indem ich versuche, Ihres vor den Strippenziehern zu bewahren. Eine Stunde zurück in die Vergangenheit, dann zwei und irgendwann sind es vielleicht zwanzig Jahre und wir tragen alle wieder neonfarbene Strumpfhosen und mit zwei Litern Haarspray toupierte Dauerwellen. Gebieten wir dem Verfall Einhalt, bevor es dafür zu spät ist.
Halten wir die auf, die unser Recht auf Leben untergraben und uns systematisch gegeneinander auszuspielen versuchen. Der Irak-Krieg: nie passiert. Der Fall der Mauer: pure Erfindung. Frankreich: hat es nie gegeben. Lassen wir uns nicht mehr verhohnepiepeln. Gehen wir auf die Straßen und rufen "Bis hierhin und nicht weiter! Wenn er fällt, dann schreit er!"

Und er wird fallen, wenn wir nur zusammen stehen und ihn gemeinsam bekämpfen! Wer jetzt genau? Der neue Junge auf den Kinderschokoladepackungen. Ja, er ist der Anführer, er ist der, der uns alle vernichten wird, wenn wir die Bedrohung ignorieren. Es ist immer der, von dem man es am wenigsten erwartet. Doch das Maß ist voll. Wir dürfen uns nicht mehr beeinflussen lassen. Wir müssen der Manipulation Herr werden.

Die Zeit wurde in Wirklichkeit übrigens eine Stunde vorgestellt.






Hier der Beweis:

Thursday, October 27, 2005

Die Björn-Identität

Wenn ich behaupte, ich möge Sonnenuntergänge, es würde mir wohl niemand glauben. Niemand? Nun ja, vielleicht ja doch. Jemand, der mich nicht so gut kennt, kann vielleicht nicht so genau abschätzen, ob ich so einen kitschigen Scheiß nun tatsächlich mag oder eben nicht. Und genau darin besteht die Grundlage männlicher Lockrituale.

Ein Beispiel: Er trifft ein heißes Chick, nennen wir es einfach mal H5N1, in einem Café. Nun verschüttet die holde Maid ihr koffeinhaltiges Heißgetränk ausgerechnet auf seine frisch gewaschene Lieblingshose. Natürlich hätte er nun jedes Recht der Welt ihr mit voller Wucht jeden Zahn einzeln aus ihrem nun entschuldigend drauflosplappernden Mundwerk zu schlagen, doch sie sieht gut aus, also setzt der natürlich Prozess der Selbstverleumdung ein. "Hey, das ist doch kein Problem. Ich wollte eh gerade nach Hause und die Hose wechseln." Das ist durchaus nicht leicht ohne jeglichen ironischen Unterton rüberzubringen, doch wenn es klappt, dann kann man schon mal die Angel auswerfen. Dies geschieht im Folgenden nun, indem man ihr einen Ersatz-Latte-Mappuccino bestellt und sich zusammen mit ihr und der klitschnassen Jeans, welche die nun aufquillenden Brandblasen am Oberschenkel verdeckt, an einen Tisch setzt und dann fröhlich drauflosplappert. "Hallo, ich bin Paco. (Lüge!) Das mit der Hose ist wirklich kein Problem. (Lüge!) Aber falls du dich trotzdem irgendwie revanchieren willst, ich habe zwei Karten (Lüge!) für den neuen (Lüge!) Film mit Matt Damon (äußerst dumme Lüge!) und der Freund, mit dem ich reingehen wollte (Lüge!), hat vor ner halben Stunde (Lüge!) abgesagt (Lüge! Lüge! Lüge!)...

Möglicherweise sollte man nicht ganz so plump vorgehen, wie in dem hier genannten Beispiel, doch selbst dies funktioniert anscheinend. Manchmal. Eher selten. Gut, annähernd nie, aber es ist ja nur ein Denkmodell. Kennt man doch aus dem Physikunterricht, ja?
Jedenfalls, Kino. H5N1 ist unpünktlich. Die Hand schon zu einer strammen Faust geballt, die nur darauf wartet, ihre zarten Wangenknöchelchen unsanft zu küssen, wartet leider vergebens, denn wer Gentleman ist, der wartet mit der Gewalt, bis er bekommen hat, was er wollte. Also eine beschwichtigende Aussage à la "Kein Problem. Die Werbung wollte ich eh nicht sehen." und ab hinein, Matt Damon wartet. Der Film: Scheiße, wie erwartet. Die Frau: Begeistert, wie erwartet. Die Beischlafwahrscheinlichkeit: Hoch, wie sollte es auch anders sein.
Am Himmel blitzen die Sterne und der volle Mond scheint hell über den Dächern der Großstadt. Der perfekte Zeitpunkt, diese Banalitäten und Alltäglichkeiten zu erwähnen um weitere Beischlafpunkte einzuheimsen. Volltreffer! Sie schaut entzückt. Und wie man so durch die schwach beleuchteten Straßen schlendert, so tut, als ob man auch gerne Phil Collins hören würde und behauptet, man hätte früher mal Gedichte geschrieben und die krebskranke Oma gepflegt, da nähern sich auch schon ihre Lippen den seinigen. Rest kann man sich ja denken. Bisschen Geficksches und Tschüs. Männer!

Jetzt habe ich Schluckauf und meine Nase blutet. Außerdem ist Captain Jack verstorben. Hirnblutung. Was wohl seine letzten Worte waren? Na ja, ich will schlafen. Ich hab viel zu spät angefangen diesen Beitrag zu verfassen. Das hab' ich nun davon. "Glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick oder soll ich nochmal reinkommen?" Den Satz wollte ich eigentlich da oben noch irgendwo unterbringen. Hab ich dann doch gelassen. Einfach vergessen. Vielleicht göttliche Fügung.

Gute Nacht.

Wednesday, October 26, 2005

"Mehr Licht!"

Berühmte letzte Worte. Da wären zum Beispiel Caesars "Auch Du, Brutus!", Picassos "Die Malerei muss erst noch erfunden werden!" oder auch Jesus Christus' "Es ist vollbracht!". Da kommt man natürlich schon mal ins Grübeln. Wer will schon was total Doofes sagen, wenn er kurz vor dem Abtreten steht? "Es gibt nur ein' Van der Vaaaaart!"...dann ein LKW, Bums, ätzend, oder? Die Sache hängt einem dann doch ewige Keiten nach. Seine letzten Worte waren...Tränen kullern die rauhen Wangen hinab...ein schluchzend vorgetragenes "Es gibt nur ein' Van der Vaaaart!"...das fünfte "a" geht in der Trauer unter, "nur ein' Van der Vaaaart", ja, so war er, der Papi.

Ist es nicht wirklich erschreckend, dass tagtäglich Menschen sterben, deren letzte Worte ein ähnliches Format hatten? Wie geht eine Frau damit um, wenn sie erfährt, dass die letzten Worte ihres Göttergatten "Ich bezahl' doch nicht für's Ficken, du dumme Hure!" waren? Und der Mann wusste nicht mal, was er mit diesen Worten seiner Familie antun würde. Das mit der Prostituierten ist auch nicht okay, klar, aber das hätten die ja nicht mitbekommen, hätte er sich nicht so in der Wortwahl vergriffen. Und bezahlt.

Ich denke, es ist deutlich geworden, worauf ich hinaus will. Man muss einfach in jeder Situation aufpassen, was man sagt, wenn man nicht Gefahr laufen will, als der größte Trottel in Erinnerung zu bleiben. Da spielt es auch keine Rolle, ob man vielleicht mal den Literaturnobelpreis erhalten oder das Rad erfunden hat. Wenn die letzten Worte scheiße sind, dann bleiben nur diese in Erinnerung. Wirklich! Kein Schmu! Die letzten Worte im Titel sind ja auch sehr berühmte. Und die sind echt mal nicht der Brüller. Darum erinnert man sich nur aufgrund dieser verbalen Nichtigkeit an diese Person. Das ist doch traurig. Es darf gerne geraten werden, vom wem diese Worte stammen. Schon raus? Dann zählen Sie doch ruhig mal alle "a"s in der Bibel.

Ich jedenfalls bin vorbereitet. Ich habe mir meine letzten Worte gut und weise überlegt. Man wird mich immer als den gutaussehenden Intellektuellen in Memoriam behalten, der ich immer gerne gewesen wäre. "Ich sterbe, wie ich gelebt habe: lang und qualvoll". Ja, so soll es sein. Meine letzten Worte. So voller Weltschmerz, Seelenpein und Tiefe, Melancholie und Weisheit, Tim und Struppi. Mit diesen Worten werde ich mich auf den langen Weg zum Licht am Ende des Tunnels begeben.
Da ich, um möglichst sicherzugehen, diesen Satz ca. alle zwei Minuten wiederholt aufsage, hat sich ein Zustand der sozialen Isolation eingestellt. Menschen meiden mich. Dabei brauche ich doch einen Protokollanten, der meine letzten Worte für die Nachwelt festhält.
Womöglich schwenke ich doch noch mal um. Auf "Es gibt nur ein' van der Vaaaaart" zum Beispiel. Immerhin erinnert man sich dann vielleicht überhaupt.

Monday, October 24, 2005

Krabbensalat galore!

Man nehme:
  • Krabben
  • einige Stücke frische Ananas oder Dose, (so 2/3 Krabben, 1/3 Frucht)
  • Champignos in Scheiben auch so 1/3 (Dose oder frisch)
  • 2 Teile Majonaise (gibts auch im Naturkostladen)
  • 1 Teil Ketuchup
  • 1 Teil Cognak
  • Petersilie, Schnittlauch, Salz, Pfeffer
Ketuchup ist um diese Jahreszeit leider nicht so leicht zu bekommen, aber 1 Teil sollte wohl noch gerade so drin sein. Die 2 Teile Majonaise gibt es auch in einer Plastikbuddel, wie man hierzulande zu sagen pflegt. Statt der Ananas kann man, wie oben beschrieben, auch einfach einige Stücke Dose nehmen. Dann natürlich auch im Verhältnis 2/3 Krabben, 1/3 Dose. Jetzt alles vermengen und dann nur noch das eine Teil Cognak und die Gewürze darüber geben, fertig, lecker, das machen wir mal wieder.

Das Rezept, auch hier nachzulesen, stammt übrigens von Ruth. Hier können Sie Ruth beleidigende und/oder sexuell belästigende Nachrichten hinterlassen. Gerne auch mit kommerziellem Hintergrund. Vielleicht zaubert Sie Ihnen dann ja auch mal so ein leckeres Teil Krabbensalat. Oder Dose.

Guten Appetit.

Sunday, October 23, 2005

Stefanie + Ralf = Ich

"Die Erinnerung ist das einzige Paradies,
woraus wir nicht vertrieben werden können."

Die Gänsefüßchen (hach, wie süß) deuten es an: das obenstehende Zitat ist nicht von mir. Das ist von Jean Paul (Achtung: nicht Gaultier und auch nicht Sean Paul!), einem...na er schrieb Bücher oder sowas, darum geht es ja auch gar nicht. Worum es eigentlich gehen sollte: Krabbensalat. Dann fiel mir aber dieses Zitat vor die Füße und mit Krabbensalat hatte das leider wenig zu tun, also Themenwechsel: Erinnerungen.

Man kann direkt zu Beginn mal festhalten: Jean Paul war ein ziemlicher Dödel. Verallgemeinert der doch allen Ernstes die Erinnerung. Die Erinnerung an ein gewonnenes Fußballweltmeisterschaftsendspiel ist wahrscheinlich ein Stück mehr Paradies, als die Erinnerung an eine Vergewaltigung, aber gut, mal von dieser kleinen Ungenauigkeit abgesehen hat dieser Büchertyp da durchaus den Nagel auf den...nein, die Floskel spar' ich mir...er bringt es auf den Punkt (auch nicht viel besser, ich weiß). Erinnerungen, ob nun Paradies oder nicht, sind wirklich nicht so leicht loszuwerden. Leider geht es nicht so wie bei "GZSZ" zu, wo ein Schlag auf den Kopf genügt, um hinterher alles vergessen zu haben, was man vorher noch wusste. Letztens hat Verena ja nur so getan als ob, dieses raffinierte Luder. Da war Vincent ganz schön baff.

An was wir uns nun im Speziellen erinnern, dass liegt leider in den meisten Fällen auch nicht in unserem Entscheidungsbereich. Gut, man kann Vokabeln lernen und so Krams, aber das ist auch nicht die Art Erinnerung, von der ich die ganze Zeit hier spreche, is klar, nää?!
Zum Beispiel Erinnerungen an bestimmte Personen. Es gibt Menschen, an die erinnert man sich nicht so gern. In meinem Fall könnte das zum Beispiel Ralf Böttcher sein. Der saß in der 1. Klasse neben mir und hat sich während des Unterrichts regelmäßig in die Hose gepischert. Die warme Suppe umfloss dann meine Sandalen, dann stieg der Geruch hoch in meine Nase und der Hass in meinen Blick. Irgendwann wurde Ralf schließlich aus der Klasse genommen.
Es gibt dann aber auch Personen, an die erinnert man sich sehr gerne. Ich for example denke sehr gerne an das Mädchen zurück, das mir damals auf Susannes Geburtstagsfeier zum Abschied über den Kopf gestreichelt hat. Die war sehr nett und sehr hübsch und ich habe auch ihre Telefonnummer bekommen. Dann habe ich mal angerufen, wir haben uns ein paar Stündchen unterhalten, dann schlug der Blitz ganz in der Nähe ein und die Leitung war tot. Ich deutete dies als eine Art Zeichen und rief nie mehr an.
Gut, an meine Blödheit erinnere ich mich jetzt nicht so gerne, aber an das Mädchen, sie hieß Stefanie, an das erinnere ich mich sehr gerne.

Aus mir unerfindlichen Gründen hält nun mein Gehirn Pinkel-Ralle für genauso speicherwürdig, wie das Mädchen. Das verstehe wer will. Auch die Information, dass Ralf IMMER einen gelb-schwarz gestreiften Pullover trug, ist sowas von unbrauchbar, und trotzdem, ich bekomme sie nicht gelöscht. Ich habe ja auch insgeheim Angst, dass solch ein unnötiger Blödsinn meine Speicherkapazitäten soweit auslasten könnte, dass wichtige Erinnerungen vielleicht verloren gehen...könnten (Wiederholung, mein Ausdruck ist heute echt am Boden). Aber bisher merke ich davon zum Glück noch recht wenig. Bisher.

Es ist schon verrückt, irgendwie. Da versucht man eine Erinnerung immer wieder abzuschütteln, und jedesmal, wenn man das tut, da klammert man sich nur noch mehr an sie. Hm.
Ich hoffe, es geht in Ordnung, wenn ich heute mal auf einen pointierten Abschluss verzichte. Muss ja nicht immer alles nach dem selben Schema ablaufen. Blogeinträge sind nun mal keine...was läuft denn immer nach dem selben Schema ab? Mir fällt kein Beispiel ein. "Birne" ist wohl in diesem Falle kein geeignetes Vergleichsobjekt. Ich sollte meinem Kopf nun besser eine Pause gönnen. Und morgen geht's dann, wenn nicht wieder was dazwischen kommt, auch endlich mal um Krabbensalat. Versprochen. Glaub' ich.

Friday, October 21, 2005

Motto: Ein Tag ohne ein Lächeln ist ein...nächste!

Was war das früher schwierig einen Partner für's Leben zu finden. Da ging man raus, guckte sich um, sah jemanden, dachte sich "Joah, schon nicht schlecht, die Alte.", und schon war sie auch wieder weg, die Alte.

Heute geht das zum Glück einfacher. Man muss sich dafür nicht mal mehr eine Hose anziehen. Oder gar Zähne putzen, duschen, deodorieren, kann man sich für den ersten Schritt wirklich sparen, toll, toll, toll. Einfach den Kommpjuter an und ab geht die Post.

Aber erstmal muss man sich natürlich entscheiden, wo man jetzt den Partner für's Leben findet. Da gibt es ja hunderte, wenn nicht gar äonen Anlaufstellen, die alle mit massig Frischfleisch, pardon, mit dem einen und sonst keinen Traumpartner aufwarten können. Oder auch Traumpartnerin, klar. "Lalala Frau, lieber in den Bau." Eine von diesem Kaliber halt.

Hat man sich schließlich für ein "Partner-Portal" (gerne auch "Partner-Börse") entschieden, dann ist es auch nicht mehr weit, bis zur Hochzeit und den drei süßen Blagen, von denen mindestens zwei ADHS mitbringen. Weil die Omi die kleinen ja immer so verwöhnt. Typisch Omi.
Jedenfalls gibt man in der Suchmaske dann einfach mal persönliche Präferenzen ein, was man so mag halt. Ich zum Beispiel fahre ja total auf Frauen ab. Ich kann dann die Suche sogar noch weiter einschränken, indem ich nur nach Frauen suchen lasse, die Nichtraucherinnen sind und im Winter gerne ausgedehnte Herbstspaziergänge bei Sonnenuntergang in Südtirol genießen. Allein. Ich will da ja nicht mit. Spazieren gehen, brrrr, nicht für mich bitte.

Nächster Schritt: Suchergebnisse auswerten. Hierbei entdeckt man oftmals weitere Gemeinsamkeiten, die eine harmonische und glückliche Zukunft zu zweit prophezeihen. SüßeMaus86 mag auch Schokolade. ManicMandy78 hat auch blondes Haar. TomSelleck1948 hat auch einen Schnauzbart, toll. Da hat man nun wieder mal die Qual der...Sie ahnen es...Wahl. Aber wieso wählen, wenn die Anonymität des WeltWeitenNetzes einem die Möglichkeit bereit hält, sich mit allen Interessanten und Interessierten zu amüsieren.

So "chattet" man sich erstmal gegenseitig an, labert ein wenig um den längst kaltgewordenen Brei herum, dann schickt man sich freudig Lichtbilder, die man mal eben schnell mit der "Digicam" von sich selbst macht, auf denen man aber dann "total doof" aussieht, was man natürlich auch vorher dem Zukünftigen sagt, um ihn zu beruhigen. Oder so. Der findet das aber ganz klasse, von wegen "total doof", nur nicht so bescheiden. Und schließlich macht man ein Treffen aus, einer wollte eh schon immer mal das Vorstädtchen sehen, in dem der andere wohnt, jaja, schon klar. Oder eben die nächstgrößere Stadt, Wuppertal vielleicht. Geographisches Interesse, ein super Vorwand. Hat Hannibal damals sicher auch angegeben, als er in Rom einritt, mit seinem Elefantenzirkus da. Und der Caesar glaubt dem das auch noch, haha, dieser Trottel. Nein, Mussolini war's. Mousse au Lini. Ach, jetzt verheddere ich mich in Nebensächlichkeiten, das tut mir sehr Leid. Ist sicher anstrengend zu lesen so. Treffen in Wuppertal. Dann geht man schön Käffchen trinken, besichtigt diese komische Schwebebahn oder was auch immer in Wuppertal sein mag, dann ein wenig mittelmäßig befriedigender Beischlaf, dann tschüs und hallo ManicMandy78.
Und wie man dann im ICE nach Peine steht, da man dummerweise nicht reserviert hatte, da hofft man ganz leise, dass die 78 auch tatsächlich für das Geburtsjahr stand.

Monday, October 17, 2005

Djägpott

Isch will das Jeld jetzz raushauen, Leute! Ruft misch an! Sacht mir, wo der Unterschied ist! Drei Jeldpakete! Was is an diesem Blog anders? Ist das wirklisch so schwer? Isch werd bekloppt, da is wieder die Sirene...jetzz schläscht der Hott Batten jeden Moment zu...jezz schnell in die Leitung...isch muss das Jeld jetzz wirklich raushauen...der Matthias Opdenhövel wachtet schon mit der Quiz Show, Leute! Jetzz janz schnell...wo ist der Unterschied? Isch darf ja eigentlisch keine Tipps mehr jeben, aber denken se doch ma an den Herchbst. Der is ja nisch silber, sondern Punkt Punkt Punkt. Na, wissen Se's jetzz? Leuuuuute, das Jeld muss jetzt rauhus! Wir sind schon über der Zeit! Der Hott Batten schläscht jetzz jeeeden Moment zu! Drei Jeldpakete plus Chance auf 4000 Euro im Djägpott! Jetzz lasst misch nischt so zappeln, Leute! Da ist wieder die Sirene, hören Sie die Sirene? Wenn die Sirene kommt, dann kann der Hott Batten jeeden Moment zuschlajen! Wir sind schon über der Zeit! Isch werd hier noch wahnsinnig! So schwer kann das doch nischt sein! Wenn Sie die drei Jeldpakete nisch wollen, dann nehm isch sie auch gerne. (lacht laut)
Jetzz hat er zugeschlajen! Hallo hier ist der Jürgen, wer ist da? (ein Besetztzeichen ertönt)

Neiiiiiiiin, das darf doch wohl nischt wahr sein! Einfach aufgelescht! Dabei muss man doch nur sagen, wo der Unterschied zum alten Blog is! Leute, isch dreeeh dursch! Überfochtert eusch das, wenn isch plötzlisch mit Komma und Punkt rede? Leute, Leute...der Matthias Opdenhövel wachtet jetzt schon seit einer halben Stunde mit seiner Quiz Show (die eine Aufzeichnung der bei Sat.1 ausgestrahlten Ausgaben darstellt)...isch will jetzz auch endlisch Feierabend machen...aaaaaaah, hören Sie das, da ist sie wieder, die Sirene! Jetzt muss aber mal jemand die rischtige Lösung sagen! Jeden Moment schlägt der Hott Batten zu...(eine 3/4 Stunde später)...hallo hier ist der Jürgen von 9Live, wer ist da? (eine gebrechliche Damenstimme gibt an, Helene zu sein)...Hallo Helene, wie die Birne Helene, was? (lacht wieder laut) Was haben Sie raus, Helene? (Helene antwortet, sie wirkt überzeugt ob der Richtigkeit ihrer Antwort) Oah, nein, tut mir wirklisch Leid, Helene, "Herbst" ist leider nischt die Antwort, die wir suchen! Trotzdem, zwanzisch Euro für Sie, ja?! Tschöhö. (Keine Reaktion mehr von Helene. Jürgen macht jetzt endlich Platz für die Quiz Show mit Matthias Opdenhövel. Was Helene wohl mit den 20 Euro macht? Ein neues Haarnetz? Zehn Tafeln Halbbitterschokolade von Spar? Vielleicht geht sie ja auch in eine Apotheke und gönnt sich ein gutes Schlafmittelchen. Wir können nur hoffen...)

Saturday, October 15, 2005

Are you ready boots?

So. Mal Tacheles hier. Wir alle kennen das: Hunger. Die einen vielleicht noch besser als andere. Die leben dann beispielsweise in Botswana oder so. Na ja, können wir ja nichts für, weiß ich auch. Aber Beyonce Knowles. Und Jennifer Lopez. Die schon. Missy Elliott auch, die überfressene Sau.

Klar, die Ursachen für das Elend liegen woanders. Sagen wir einfach, die Franzosen seien schuld. Mit dem Gedanken kann sich ja jeder irgendwie anfreunden. Gut, die Franzosen wohl eher nicht. Egal. Nur das sich nichts ändert, dafür kann man durchaus oben erwähnte Personen zur Verantwortung ziehen. Unter anderem, versteht sich.
Während diese auf MTV ihre diversen Häuser, in denen sie nicht wohnen, Autos, die sie nicht fahren und Gehirnzellen, die sie nicht benutzen, präsentieren, kippen mal eben ein paar tausend Neger um. Und die stehen in der Regel auch nicht wieder auf, um von ihrem "Magic Stick" rappend Millionen zu scheffeln. Ob das jetzt gut oder schlecht so ist, darüber kann man sicher streiten.

Die Halskette von P.Diddy/Puff Daddy/Sean "Puffy" Combs/"They call me Didi Hallervorden" ist also 30.000 Dollar wert. Da ist schon ein Punkt drin, um die Zahl übersichtlicher zu machen. Man könnte natürlich auch sagen, die Kette ist 100 Menschenleben wert, aber 100 klingt ja nicht so imposant wie eine Zahl, die einen Punkt zur Übersichtlichkeit benötigt.
Mann darf natürlich nicht vergessen, die Hilton hat hart für ihr Geld gearbeitet. Okay, beschissenes Beispiel. Nehmen wir halt Jessica Simpson. Wer kennt sie nicht? Genau, das ist die blonde Tutse, die aussieht wie Britney Spears, singt wie Britney Spears und doof ist, wie Britney Spears' Putensandwich. Sie singt Lieder, die andere für sie schreiben, trägt Klamotten, die andere für sie aussuchen, sagt Sachen, die ihr andere in den Mund legen und heiratet Männer, die eigentlich lieber Britney Spears geehelicht hätten. Und das Witzige ist: Sie verdient dabei zweistellige Millionenbeträge. Amerikanische Dollar, logisch.
Was macht sie nur mit soviel Geld? Das kann man doch im Leben nicht ausgeben, will man meinen. Kann man aber doch. Wenn man will.

Und wie Frau Simpson sich so ein wirklich ultraschickes (und vor allem ultraknappes) Oberteil im "Wert" von mehreren tausend US-Dollars zulegt, da passiert es: ein ganz böser Wind fegt über ihr Heimatland hinweg und deckt ein paar Dächer ab. Außerdem sterben auch ein paar Leute, was in Amerika ja doch eher ungewöhnlich ist, solange der Tod nicht auf Herzverfettung zurückgeführt werden kann.
Da klingelt dann ihr Mobiltelefon und ihr Agent klärt sie über diesen unsagbaren Missstand auf. Außerdem sagt er ihr, wann sie im Fernsehen Menschen mit weniger Geld dazu auffordern soll, doch bitte für die Opfer ihr selbst so dringend benötigtes Geld zu spenden. Mit einem Lächeln und natürlich ihrem neuesten Hit "These boots are made for walking" im Gepäck. Erscheint kommenden Dienstag, nicht vergessen. Und spenden, achso, ja, genau.

Klar folgen dem herzergreifenden Aufruf der "These boobs are made for talking"-Schlampe und spenden, was sie nur können. Von den Erlösen könnte man jetzt ein ganzes Land auf dem afrikanischen Kontinent sanieren, aber gut, erstmal muss man selbstverständlich vor der eigenen Haustüre kehren. Der Staat schafft das schließlich nicht alleine.

"These boots are made for walking" steigt in der kommenden Woche in die amerikanischen Top Ten ein. Es wird Jessica Simpsons größter Hit. Da klirren die Champagnergläser und während eine Kamera mitläuft, küsst sie ihren Mann stürmisch auf den Mund. Der schließt die Augen, stellt sich vor es sei Britney und wirkt in diesem Moment fast genauso glücklich, wie seine Angetraute. Dann steigen sie in eines ihrer Autos und fahren ins Tonstudio. Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes...


"...one of these days these boots are gonna walk all over you."

Tuesday, October 11, 2005

Klassenkampf

"Jetzt beginnt der Ernst des Lebens" hat man mir gesagt, da war ich gerade mal 6 Jahre alt. Das war natürlich ein Schock. Sollte ich vielleicht die ersten sechs sorgenfreien Jahre meines Lebens nicht voll ausgekostet haben? Hat man mich überhaupt gut genug vorbereitet, für diesen Ernst, der sich fortan in mein Leben einmischen sollte? Ist die große, spitze Tüte mit den Süßigkeiten etwa meine Henkersmahlzeit?

Ja, so oder zumindest so ähnlich dachte ich wohl damals, mit sechs, bei meiner Einschulung. Unsicher und auch ein wenig ängstlich mimte ich ein Lächeln für das Foto, auf dem ich später ein Alf-T-Shirt mit der Aufschrift "Null Problemo" tragen sollte. Wenn Alf wüsste, dachte ich ganz heimlich.

Doch irgendwie hatte ich mir den Ernst des Lebens ein wenig anders vorgestellt. Ich lernte Lesen, Schreiben und Rechnen, spielte jedoch ansonsten mit Freunden, wie ich es vor meiner Schulzeit auch tat. Ich war ein wenig erleichtert. Nein, nicht ein wenig, sehr sogar. Und so gingen die Jahre dahin...

Irgendwann war man schließlich zu alt, um zu "spielen". Da unterhielt man sich dann mit seinen Mitschülern. Über die Schule, die Lehrer, über Sport vielleicht...und irgendwann, dann auch mal über Sexualität. Natürlich alles unter dem Deckmantel des Humors. Mittlerweile konnte auch jeder halbwegs schreiben, lesen und rechnen. Dann lernte man halt Kurven auszuwerten, Gedichte zu interpretieren und Sprachen zu sprechen, die entweder kein Mensch mehr sprach oder kein Mensch mehr sprechen wollte. Es wurde langsam ernster, soviel war klar. Doch irgendwie lachte ich immer noch jeden Tag, fand immer noch Gefallen an meinem Leben und war auf eine gewisse Art tatsächlich glücklich. Ja, so richtig glücklich.

Doch es blieb leider nicht dabei. Es wurde schwieriger, die Noten, Freunde und vor allem, den Mund zu halten. Etwas, was es vorher gar nicht gegeben hat. Die Notwendigkeit, seine eigenen Gedanken zu unterdrücken beziehungsweise sie einfach für sich behalten zu können. Und irgendwie ging auch das mit der Zeit ganz gut.
Das Mädchen, welches mir gegenüber saß, lachte nicht mehr so oft, wie sie es noch vor einem Jahr getan hatte. Sie war für mich wie ein vorgehaltener Spiegel, der mit zunehmender Zeit Risse bekam. Irgendwann schaute ich einfach nicht mehr hinein.

Schließlich kam dann der Tag, an dem dies alles vorbei sein sollte. Nie mehr Schule. Da umarmte ich die Menschen, die mein Schicksal mit mir so viele Jahre geteilt hatten. Und für einen Augenblick lachten wieder alle, so wie sie damals lachten, ganz frei und rein. Und sie merkten gar nicht, dass man ihnen die Welt nur von den Schultern genommen hatte, um sie etwas später gegen eine noch wesentlich größere einzutauschen. Und ich konnte gar nicht anders, als mitzulachen, auch wenn mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich dem Null-Problemo-T-Shirt längst entwachsen war.

Sunday, October 09, 2005

Augen-Blicke

Man kommt einfach nicht drumrum. Nahezu jeden Tag ist man gezwungen zu reden. Mit den Eltern, mit der Frau an der Supermarktkasse, mit Arbeitskollegen, mit Freunden, mit wem auch immer. In der Regel ist das nichts Aufregendes. Man hat eine gewisse Routine darin, die immer gleichen Gesprächsabläufe möglichst kurz und schmerzlos hinter sich zu bringen. Auf ein "Wie geht's?" folgt ohne nachzudenken ein "Gut, und selbst?", dann ein kurzer Kommentar zur aktuellen Wetterlage, schließlich die unbehagliche Gesprächspause, bevor man vielleicht ein Thema aufgreift, welches gerade durch die Medien ging. Der Küblböck, das is vielleicht ein schräger Vogel. Jaja.

Meistens merkt man gar nicht, dass ein Schweigen durchaus der angenehmste Teil eines solch vorformatierten Gespräches sein kann. Man hört einfach kurz auf über etwas zu reden, über das man gar nicht reden will. Doch man fühlt sich unwohl. Dann wandern die Blicke, wandern von umstehenden Leuten über Reklametafeln, bis hin zu den eigenen Füßen. Nur nicht in die Augen des anderen. Vielleicht würde sonst klar werden, dass man sich eigentlich gar nichts zu sagen hat.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch meist auch einen Menschen, mit dem man jedes gewechselte Wort genießt, egal was es ist und egal worum es geht. Man will gar nicht mehr aufhören, findet immer wieder neue Themen und wenn es wirklich gut läuft, ja, dann braucht man nicht mal mehr ein Thema, um miteinander reden zu können.
Doch egal, wie viel man auch redet, es bleibt immer etwas zurück, was man dem anderen mehr als alles andere in der Welt sagen möchte, es jedoch einfach nicht über dir Lippen bringt. Nie ist der richtige Zeitpunkt, nie der richtige Augenblick, immer wieder findet man Ausreden, die einen von der eigenen Feigheit abzulenken vermögen.
Dann sitzt man da und schweigt. Und schließlich wandern wieder die Blicke, bis man sich vielleicht irgendwann bewusst wird, wohin man eigentlich schauen sollte: In die Augen, bevor es zu spät dafür ist.

Saturday, October 08, 2005

Kühlschranklachen

Auf dem Foto steht sie neben ihm und lacht, obwohl sie eigentlich nur lächeln wollte. Das war vor etwa zwei Jahren. Er hat seinen Arm um ihre Schultern gelegt und schaut ein wenig orientierungslos, als ob er gar nicht damit rechnen würde, in diesem Moment fotografiert zu werden.
Das Foto zierte fortan den Kühlschrank der beiden und immer, wenn sie es ansah, da lachte sie wieder. Leiser als auf dem Foto, doch laut genug, um kein Lächeln mehr zu sein.

Nun ist er seit einer Woche nicht mehr da. Seitdem sitzt sie in der Küche und wartet. Sie wartet und starrt auf das Kühlschrankfoto. Dann weint sie, obwohl sie eigentlich lachen will.
Die Kühlschranktür hat sie nicht mehr geöffnet, seit er gegangen ist. Sie isst kaum etwas, nur das längst trockene Brot, was auf dem Küchentisch liegt, an dem sie sitzt und von dem aus sie das Foto betrachtet. Immer und immer wieder. Nur selten steht sie auf. Die ersten drei Nächte schlief sie nicht, in der vierten kurz, am Küchentisch, seitdem gar nicht mehr. Sie sitzt einfach nur da und starrt auf das Foto und weint.

Dann steht er da. Er sagt irgendwas, doch sie schenkt ihm keine Beachtung. Ihre Augen wollen dem Kühlschrankfoto nicht weichen. Seine Stimme wird lauter, keine Reaktion, plötzlich sackt sie bewusstlos in sich zusammen.

Als sie wieder aufwacht, da blickt sie ihn an, als ob sie nicht damit rechnen würde, ihn zu sehen. Sie starrt ihn an und sieht seine Tränen, wie sie von seinem Gesicht auf ihres tropfen. Sie lächelt ihn an, dann lacht er leise, doch laut genug, dass es kein Weinen mehr ist.

Friday, October 07, 2005

Bleibt alles anders

Die Musikindustrie steckt in einer tiefen Krise. Gähn, nichts neues, klar. Das doofe Internet ist schuld, wissen wir ja auch. Nach Jahren voller halbherziger Versuche der Umsatzrückgängen Herr zu werden (CDs ohne Booklet, Verhaftungen von 12-jährigen Tauschbörsenbenutzern, Kopierschutz, der ein Abspielen auf älteren Anlagen gänzlich unmöglich machte usw.) nun endlich mal eine Neuerung, nein, eine Revolution muss man fast sagen, welche die Plattenindustrie wieder auf einen grünen Ast bringen dürfte:



Hammer. Genial. Irre. Alle neuen Tonträger erscheinen nicht mehr montags, sondern an einem Freitag. Brilliant. Die Musik selber hat ja schon seit jeher versucht ihren Hörern klarzumachen, dass Freitage die besseren Montage sind: "I don't like mondays", "Friday I'm in love", "Manic monday", "Thank god, it's friday" sind nur wenige Titel, die sich teilweise bereits zu Beginn der 80er Jahre mit der Thematik "Freitag ist Musiktag" befasst haben. Schließlich gehen da ja auch viel mehr Leute "shoppen", als an diesen doofen Montagen (Achtung: nicht das "Papa ist auf Montage"-Montage, sondern der Plural von Montag!). Und wenn mehr Leute shoppen gehen und so, dann kaufen die ja bestimmt auch mehr CDs und so. Und wenn man die Neuerscheinungen nun bereits am Freitag rausbringt, dann kaufen die mehr Leute. Ist ja schließlich Freitag (und so).

Gut, vielleicht ist die Formulierung "jetzt schon freitags" etwas irreführend. "Schon" suggeriert dem Durchschnitts-Einzelhandelskäufer ja normalerweise, dass etwas früher als ursprünglich vorgesehen geschehe. In unserem Fall hieße das also, Tonträger, die eigentlich nächste Woche montags erscheinen würden, die erscheinen jetzt bereits am Freitag der laufenden Woche. Hm. So viel zur Theorie. Praktisch sieht es jedoch wie folgt aus: Tonträger, die beispielsweise am 10.10. erscheinen sollten, erscheinen nun "schon" am 14.10.

Na ja, gut, vielleicht pendelt sich das mit der Zeit noch ein. Komplexe Umstukturierungen brauchen nun mal etwas, bis sie zur vollsten Zufriedenheit funktionieren. Hat halt jemand "schon" mit "erst" verwechselt, das wird schon noch gerade gebügelt werden, da bin ich mir sicher. Das kriegen die schon hin.

Aber die Hauptsache ist ja auch, dass die CDs nun endlich freitags erscheinen. Was hat man sich schließlich früher geärgert. Da hat man Freitag um 13 Uhr Feierabend, geht gemütlich in die Stadt, will sich das neue Album der Pussycat Dolls zulegen und was ist? Genau, die CD ist gar nicht neu, die steht schon seit Montag im Regal. Okay, kauft man sie halt trotzdem, ist ja gute Musik und so. Freitag ist man schließlich in Shoppinglaune, da kauft man dann auch mal ne vier Tage alte CD.

Vielleicht denken manche erst gar nicht darüber nach, ob das Album, was sie unbedingt haben wollen, nun am Montag oder eben am Freitag erschienen ist. Die hätten es womöglich sogar gekauft, wenn es an einem Donnerstag veröffentlicht worden wäre. An einem DONNERSTAG!!!

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster (Achtung: Metapher, ich lehne mich nicht wirklich aus dem Fenster. Bildhafte Sprache, soll den sachlichen Text etwas auflockern. Funktioniert es? Ich freue mich immer über Feedback. Sie dürfen mir auch gerne Geld- und Sachgeschenke zukommen lassen. Wie gesagt: ich freue mich stets über Feedback.) jetzt erinnert sich bestimmt wieder keiner, womit ich vor der Klammer angefangen habe, also beginne ich noch mal von vorn: Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster (Kaum hat man das zwei mal in einem Text, schon wirkt es irgendwie abgegriffen und ausgelutscht), indem ich einfach so pauschal mal behaupte, dass es dem Großteil der Plattenkäufer am Arsch vorbei geht, an welchem Tag die CD, die sie gerade gekauft haben, denn nun erschienen sein mag. Falls mir irgendjemand erklären kann, wie die Verschiebung des Veröffentlichungstages (wohlgemerkt nach hinten) den Ab- und Umsatz in die Höhe treiben soll, der möge doch bitte versuchen, mich von meinem Unverständnis zu befreien. Und wehe mir kommt einer mit "Freitag gehen doch mehr Leute einkaufen!". Das ist nicht mal in Ansätzen als Argument anzusehen.

Ich jedenfalls war heute ein paar Stündchen in der Stadt, mal neue Alben von hochtalentierten Künstlern anschaffen. Nach vergeblicher Suche der angeblich heute erschienenen Tonträger fragte ich letztlich an der Information bei einer freundlich anmutenden Dame nach:

Hallo.

- Hi. Ähm, ich suche das neue Album von Fiona Apple, das soll heute rausgekommen sein.

Moment, ich schau mal eben nach. (sie durchsucht fleißig den Computer, 2 Minuten lang, große Sorgfalt also...)
Hm, laut Computer sollte die heute gekommen sein, die war aber nicht dabei.

- Hm, schade. Und das neue Kashmir-Album, ist das denn da?

Moment...(das selbe Prozedere wie zuvor, ich grinse freundlich um mir die Wartezeit zu verkürzen) hm, nee, das selbe Problem wie bei der anderen. Sollte heute kommen, is' aber nicht.

- Oh, sehr schade. Wann ist denn dann damit zu rechnen?

Kann ich nicht eindeutig sagen. Vielleicht kommen die morgen noch nach, oder eben nächste Woche. Ich schätz' mal frühestens am Montag.

- Na ja, ok, vielen Dank.

Kein Problem, tschühüs.

- Jo, tschüs.

Am Montag also. Ausgerechnet. Aber die kriegen das schon noch hin. Irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Sunday, October 02, 2005

Tod eines Handlungsunfähigen

Man stelle sich vor, ich hätte das Rad erfunden. Wie wäre mein Leben wohl verlaufen verlaufen verlaufen... (visuelle Darstellung einer imaginären Rückblendensequenz)

Ich, gerade mal 14 Jahre alt geworden, gehe so durch die Straßen meiner Geburtsstadt Clermont Ferrant und frage mich, was könnte ich tun, um diese Straßen lebendiger, ja, belebter zu machen.

Dann die Idee!

Statt des üblichen Pflastersteins sollen fortan die Straßen aus lebendigen Goldhamstern bestehen. Das lockt Kinder und Kinder locken ihre Eltern und Eltern locken das Haar ihrer Kinder, damit sie auch hübsch ausschauen, wenn die anderen Eltern interessiert und neugierig herüberblicken.

Doch schnell kommen auch die Schattenseiten dieser neuen Straßenbaumethode ans Licht. Blutige Kinderfüße, quietschende Hamsterkadaver, erbärmlicher Gestank. Der Plan, die Menschen auf die Straße zu locken, er schlug fatalerweise ins Gegenteil um.

Traurig verstecke ich mich in meinem Kellerzimmer. Ich kauere mich zusammen und versinke in unendlichem Selbstmitleid. Ein Strick wird geknüpft, ich verdiene den Tod, doch plötzlich, diese kreisrunde Schlinge, kreisrund, das ist es, das ist die Idee! Die Idee meines Lebens!

Sofort mache ich mich ans Werk. Aus Holz schnitze ich mit handwerklichem Geschick den Prototypen, den Urvater, das Rad!

Raus aus dem Keller. Iiiih, Tageslicht. Doch nichts kann mich aufhalten. Ich werde meine Erfindung der Öffentlichkeit präsentieren. Ich werde der Menschheit diesen Dienst erweisen.

Begeisterte Reaktionen. Ich werde auf Händen und Füßen getragen. Verträge werden geschlossen. Die Automobilindustrie hat angebissen und ist bereit für meine revolutionären Visionen.

Monate später, ich gehe durch die Straßen, Motorendröhnen erfüllt meine Ohren, Kinderlachen erklingt und verstummt, hier und da quietscht noch ein Hamster, doch es werden weniger, mit jedem Automobil, das vom Band rollt. Immer und immer weniger...

Bei den Verträgen hätte ich vielleicht mehr rausholen können, denk ich so bei mir und löse den Gutschein bei Douglas ein. Be. Just be. Unisex.

Ich gehe nach Hause, zurück in mein verdunkeltes Kellerzimmer, frage mich, ob die Menschheit wirklich schon reif für das Rad war. War es vielleicht doch zu früh? Ein lautes Reifenquietschen von draußen unterbricht jäh meine Gedanken...

Der Ford hat ein Kind erfasst, schleift es 200 km mit, bis es, mittlerweile ohne Haut am Körper, an einer Leitplanke zerschellt. Der Mutter fällt vor lauter Schock glatt der Lockenstab aus der Hand. Als sie mich, mittlerweile bin ich rausgegangen, um mich über das Gequietsche vor meinem fensterlosen Loch zu beschweren, also, als sie mich erblickt, da schnaubt sie die Wut aus ihrer Nase. Es ist offensichtlich. Sie macht mich für den unnötigen Tod ihres Kindleins verantwortlich. Sie hebt den Lockenstab auf und geht schnellen Schrittes erst auf mich zu, dann auf mich los. Sie erwischt mich am Auge, dreht unbarmherzig und fremd jedes Gnadengefühls den Stab herum, bis er schließlich die Großhirnrinde meines, man ahnt es, Gehirns durchstößt. Da schaltet sie auf höchste Stufe und pürriert nahezu völlig den Inhalt meines Schädels. Tod.

...verlaufen verlaufen verlaufen (die Rückblende ist nun vorbei und ich erwache aus meinem Tagtraum).

Ja, so wäre es wohl gewesen, hätte ich das Rad erfunden. Ein Leben auf der Überholspur. Ein Leben in Saus und Braus und in vollen Zügen gelebt, das Leben. Hach. Na ja, um 7 Uhr morgens Blog schreiben ist ja auch nicht schlecht...